Wir, Martina und Roman, erzaehlen in diesem Blog ueber unsere Reise mit dem Fahrrad durch Suedamerika
zurückgelegte Strecke
Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.
Rechts im Menu Seiten hat es weitere Infos wie Statistiken, Hoehenprofile und das Post-Archiv.
Wenn ihr mit uns Kontakt aufnehmen wollt, schreibt uns ein E-Mail auf unsere privaten Adressen. Wer diese nicht kennt, benutzt diese Adresse: velo.martina.roman@gmail.com
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Freitag, 27. Dezember 2013
Info
So, die Situation hat sich wieder geändert. Seit Mittwoch warten wir auf gutes Wetter, heute hat die Fähre einen Versuch gewagt. Wir sind nach einer halben Stunde Fahrt wieder umgekehrt weil die Wellen zu hoch und der Wind zu stark war. Und wir müssen nun weitere 3 oder 4 Tage warten, ohne Garantie, dass wir dann von hier weg kommen. Deshalb haben wir die sauteuren Fährentickets storniert und wir werden nun über einen abenteuerlichen Umweg über den Paso Mayer zur Ruta 40 nach Argentinien fahren. Inzwischen sind wir 8 Radler, und wir machen die Wanderung zusammen. Zwischen den Grenzposten soll kein Weg vorhanden sein, und wir müssen uns durch die Büsche kämpfen. Auf der Ruta 40 erwartet uns dann wohl brutaler Gegenwind, wir werden, falls möglich, per Bus oder Autostopp nach El Chalten gelangen. Trotz dem Umweg sind wir wohl schneller dort als wenn wir auf die Fähre warten und dann doch noch 2 Tage Übergang zu Fuss machen. Vielleicht werden wir es auch bereuen, da gibt es leider keine Garantie. So oder so, wir melden uns aus El Chalten, wünscht uns schönes Wetter und halbwegs begehbare Wege!
Dienstag, 24. Dezember 2013
Carretera Austral Sued
Die letzten Kilometer der Carretera Austral waren recht zuegig geschafft, aber wir haben hier wieder ein ganz winzig kleines bisschen geschummelt und eine Tagesetappe abgekuerzt. Schande ueber uns, Schande ueber unsere Fahrraeder und Schande ueber unser Zelt, auf dass wir immer mit Muskelkater in den Wadli erwachen! In gewissen Tourenfahrer-Kreisen darf man nicht erwaehnen, dass man mal ein paar Kilometer mit einem Lastwagen gemacht hat. Aber bei euch Zuhausegebliebenen duerfen wir das ja wohl schon erwaehnen. Aber jetzt erst mal der Reihe nach, vor Kurzem waren wir ja noch in Cochrane...
Dort brechen wir nach zwei Tagen wieder auf, um an Weihnachten in Villa O'Higgins anzukommen. Das letzte bisschen Strecke wartet mit einigen Paessen und dem Holzfaeller-Dorf Caleta Tortel. Noch in Cochrane widmen wir uns nochmals intensiv der Interpretation von einigen Geruechten und gegenteiligen Informationen zur Faehrpassage ab Villa O'Higgins. Dazu ein kleiner Diskurs: Am untersten suedlichen Ende der Carretera Austral liegt das 500-Einwohner-Dorf Villa O'Higgins. Die Strasse endet dort, die letzte normale (mit Autos befahrbare) Passage weiter in den Sueden nach Argentinien liegt bei Chile Chico. Das untere Ende der Carretera Austral ist also eine mehrere 100 Kilometer lange Sackgasse. Jedenfalls fuer die Autofahrer, die Fahrradfahrer und Wanderfreunde haben eine Moeglichkeit, die Grenze suedlich von Villa O'Higgins zu ueberqueren und damit direkt nach El Chalten in Argentinien zu gelangen. Diese Passage hat es in sich. Zuerst muss man den Lago O'Higgins in einer mehrstuendigen Faehrpassage ueberqueren, danach fuehrt ein Wanderweg (mit dem Fahrrad teilweise befahrbar) ueber einen Pass und ueber die Grenze zu einem weiteren kleineren See, dem Lago Desierto. Dieser kann normalerweise ebenfalls mit einem Boot ueberquert werden, und 40 km weiter auf einer Schotterstrasse erreicht man den Ort El Chalten schoen unterhalb des Bergmassivs mit dem Fitz Roy. Seit mehreren Wochen nun vernehmen wir von anderen Fahrradlern, dass die Faehre ueber den kleinen Lago Desierto defekt ist, und nicht faehrt. Dies hat sich dann bei Nachfrage auch bestaetigt. Der Lago Desierto kann in einer haarstraeubenden Wanderung umgangen werden. Diese Wanderung wurde uns in den buntesten Farben und wildesten Beschreibungen mitgeteilt. Dabei waren unter Anderem "die ganze Strecke zweimal gehen, einmal mit Gepaeck, einmal mit dem Fahrrad. Auf dem Ruecken". Wir haben uns tuechtig gefreut, aber es schien machbar. Seit Chile Chico aber wissen wir, dass auch die erste Faehre ausgefallen ist, wegen einem Defekt am Motor. Damit wird die Passage unmoeglich. Es stauen sich die Radler in Villa O'Higgins, es seien dort schon bis zu 50 am warten. Dann kam mal die Meldung durch, dass der Kapitaen krank wurde und nach Santiago ins Spital musste. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Eine weitere Geschichte: sie haben ein Ersatzboot ueber die Strasse dorthin transportiert. Wir glauben alles und wissen eigentlich ueberhaupt nicht was dort unten laeuft, also fahren wir mal weiter. Irgend ein Weg werden wir schon finden, sei es ueber die Entrada Mayer oder einen Umweg mit dem Bus. Die Geruechtekueche brodelt.
Wir fahren bei leichtem Regen und Wind aus Cochrane raus, hier in dieser Gegend gibts keinen dichten Wald und wir sind dem Wind einigermassen ausgeliefert. Ein Pass, hier und da ein Bauernhof, gerodeter Wald im Talboden. Nach nur einmal zelten sind wir bereits an der Abzweigung zu Caleta Tortel. Wir fahren 20 km in die falsche Richtung zu einem Fjord, und erreichen die Siedlung gegen Abend. Die Strasse endet an einem Parkplatz und wir stellen die Velos beim Touristen-Info unter. Dann suchen wir uns ein Hospedaje mit Kueche. Die Besitzerin der gemuetlichen Unterkunft hat ein reges Mitteilungsbeduerfnis, vorallem der Gratis-Camping am anderen Ende des Dorfes macht ihr arg zu schaffen. Es sei dort unglaublich gefaehrlich und windig und viele boese Hunde und und und. Wir bleiben bei ihr, aber eher wegen dem einsetzenden Regen. Am naechsten Tag erwandern wir uns das spezielle Dorf am Ufer. Die Haeuser sind in den Hang gebaut, Gehwege fuehren ueber Holzstege ueber das Meer.
Strom gibts nur Abends zwischen 7 und 9, wir hoeren einige Dieselgeneratoren. Wir muessen uns auch unbedingt den Camping anschauen. Wir finden keine Hunde, aber eine Kuhherde mit Kaelbern und einem riesigen Stier. Da schlaeft man wohl sehr ruhig, vorallem wenn mein ein rotes Zelt hat. Wir kehren im Nieselregen zurueck in unser Hospedaje, mit einem unglaublich teuren Einkauf im Dorfladen versorgen wir uns fuer die letzten 3 Tage bis O'Higgins.
Da wir die gleichen 20 km zurueck zur Kreuzung nicht nochmals pedalen moegen, werfen wir uns einem Typen mit Lastwagen an den Hals, wir duerfen mitfahren. Er faehrt nicht nur zur Kreuzung, sondern sogar weiter bis Puerto Yungay, wo die letzte Faehrpassage ansteht. Wir wehren uns nicht gross dagegen, so wird uns ein Pass und 50 km Strecke geschenkt, eine gute Tagesetappe. In der Stunde hinten auf dem Lastwagen altern wir trotzdem einen ganzen Tag, es geht mit bis 80 km/h ueber einen Pass mit steilen Schluchten. Die Steine fliegen nur so, wir klammern uns fest. Hier ist es jetzt ein Vorteil, dass die Strassen wie Rennbahnen gebaut sind, die Kurvenneigung ermoeglicht ein zuegiges Vorwaertskommen. Bei 80 km/h und 4 Raedern rutscht man auch nicht immer wieder in den Strassengraben. Die Eile hat einen Grund, der Fahrer will die Faehre noch erwischen, was uns knapp gelingt. Nach nur 45 Minuten auf dem Wasser stehen wir auf den letzten 120 km. Wir nehmen uns dafuer 2 Tage Zeit. Nach kurzer Zeit muessen wir die Carretera Austral aber verlassen, die Strasse nach Villa O'Higgins wurde zur Ruta X-91 degradiert, weil die Carretera Austral (Ruta 7) ja schliesslich weiter in den Sueden gebaut wird. Uns kuemmert diese unschoene Formalitaet nicht, und wir erstrampeln noch 2 Paesse bevor wir eine Schutzhuette mit Ofen finden. Das Feuer erfreut unser Herz, jedenfalls solange bis der Wind genug kraeftig ist, und den ganzen Rauch durch den Kamin in die Huette blaest. Wir lassen uns raeuchern, doch sind wir froh ueber den Wind- und Regenschutz. Am naechsten Tag nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff, die Landschaft passt und das Wetter ist mehrheitlich regenfrei.
Bald treffen wir in Villa O'Higgins ein und sind fast ein bisschen enttaeuscht, dass kein Begruessungskomitee auf uns wartet, schliesslich haben wir es jetzt ans Ende der Carretera Austral geschafft! Wir sind wieder mal geschafft, und zusaetzlich verunsichert wegen der ganzen Geschichte mit der Faehre. Das Dorf ist klein, und wir finden bald einige Fahrraedler in einem Park. Wir decken uns mit den neusten Infos ein, scheinbar steht die Geschichte kurz nach der Eskalation. Am Tag vorher ist eine Gruppe Radler zu einen Alternativ-Weg nach Argentinien aufgebrochen weil sie bis zu 2 Wochen hier gewartet haben, und da es kein Bankomat gibt, nun kein Geld und keine Geduld mehr hatten. Einige andere Radler kamen gerade mit einer Ersatzfaehre von Sueden her ueber den See, auch sie haben bis zu 2 Wochen gewartet. Allerdings ohne Essen. Wir vernehmen Schauergeschichten, der Bauer dort habe ein paar Kuehe geschlachtet damit die Gruppe nicht verhungert sei. Wir wollen endlich Gewissheit und schliessen uns der Pilgerreise zum Infozentrum an. Dort vernehmen wir, die Faehre sei repariert, muesse aber noch getestet und freigegeben werden. Wir koennen gerade morgen los. Wir sind muede und wollten ja eigentlich Weihnachten hier in O'Higgins verbringen. Da nicht klar ist, ob wir gerade am naechsten Morgen wieder los muessen, bereiten wir uns darauf vor. Koennte ja sein, dass dies die einzige Faehre ist, bevor das ganze System wieder zusammenbricht. Wir kaufen ein und gesellen uns zu der Gruppe wartender Radler. Wir zelten im Park weil eben nicht mehr alle Geld haben, dies stoert aber Irgendjemanden und irgendwann taucht die Polizei auf. Eine Rundreise zum Posten und dem Buergermeister loest das Problem nicht, es wird Nacht und wir sind alle muede und im Ungewissen wegen der Faehre. Um 11 Uhr in der Nacht taucht dann wieder ein Polizist auf und laesst uns ausnahmsweise dort schlafen. Am naechsten Morgen stellt sich heraus, die Faehre verkehrt ab sofort wieder fahrplanmaessig zweimal pro Woche. Endlich koennen wir uns entspannen! Die ganze Gruppe nimmt die erste Gelegenheit wahr und ist kurz darauf verschwunden. Wir bleiben zurueck und suchen uns ein Zuhause fuer die naechsten Naechte bis auch wir mit der Faehre ueber den See fahren werden.
Wir werden ueberschwaenglich auf dem Eco-Camp ein wenig ausserhalb des Dorfs begruesst. Alles scheint ein bisschen improvisiert hier, doch beim naeheren Hinsehen stellen wir fest, es ist alles selbst gebaut. Der Besitzer erklaert uns dass er hier keinen einzigen Baum gefaellt habe, und alles, wie angenommen, selbst aufgebaut sei. Trocken-WC und Holzboiler fuer Heisswasser, kein Strom, aber sehr gemuetlich.
Wir installieren uns, kaufen ein, organisieren die Faehren-Tickets und machen es uns dann im Wohnzimmer des Campings gemuetlich. Von Weihnachten keine Spur hier, und es sieht auch nicht nach allzu grossen Bemuehungen aus, dass sich dies noch aendert. Nach dem Weihnachts-Trekking von Martina muessen wir am 25. auch frueh raus, die Faehre faehrt kurz nach 8 Uhr. Wir haben vor, Weihnachten, Ruhetage und Neujahr in El Chalten nachzuholen, hier ist einfach nichts los! Trotzdem gibts heute (24.) ein gemeinsames Znacht im Camping-Wohnzimmer. Eine kleine Unsicherheit bleibt, da wegen starkem Wind die Faehre eventuell nicht faehrt, dann wirds halt der 26. bis wir rueber kommen. Wir werden sehen...
Also, liebe Leser, wir wuenschen wunderschoene Weihnachten, und ihr hoert wieder von uns aus El Chalten!
Wir fahren bei leichtem Regen und Wind aus Cochrane raus, hier in dieser Gegend gibts keinen dichten Wald und wir sind dem Wind einigermassen ausgeliefert. Ein Pass, hier und da ein Bauernhof, gerodeter Wald im Talboden. Nach nur einmal zelten sind wir bereits an der Abzweigung zu Caleta Tortel. Wir fahren 20 km in die falsche Richtung zu einem Fjord, und erreichen die Siedlung gegen Abend. Die Strasse endet an einem Parkplatz und wir stellen die Velos beim Touristen-Info unter. Dann suchen wir uns ein Hospedaje mit Kueche. Die Besitzerin der gemuetlichen Unterkunft hat ein reges Mitteilungsbeduerfnis, vorallem der Gratis-Camping am anderen Ende des Dorfes macht ihr arg zu schaffen. Es sei dort unglaublich gefaehrlich und windig und viele boese Hunde und und und. Wir bleiben bei ihr, aber eher wegen dem einsetzenden Regen. Am naechsten Tag erwandern wir uns das spezielle Dorf am Ufer. Die Haeuser sind in den Hang gebaut, Gehwege fuehren ueber Holzstege ueber das Meer.
| Caleta Tortel |
Da wir die gleichen 20 km zurueck zur Kreuzung nicht nochmals pedalen moegen, werfen wir uns einem Typen mit Lastwagen an den Hals, wir duerfen mitfahren. Er faehrt nicht nur zur Kreuzung, sondern sogar weiter bis Puerto Yungay, wo die letzte Faehrpassage ansteht. Wir wehren uns nicht gross dagegen, so wird uns ein Pass und 50 km Strecke geschenkt, eine gute Tagesetappe. In der Stunde hinten auf dem Lastwagen altern wir trotzdem einen ganzen Tag, es geht mit bis 80 km/h ueber einen Pass mit steilen Schluchten. Die Steine fliegen nur so, wir klammern uns fest. Hier ist es jetzt ein Vorteil, dass die Strassen wie Rennbahnen gebaut sind, die Kurvenneigung ermoeglicht ein zuegiges Vorwaertskommen. Bei 80 km/h und 4 Raedern rutscht man auch nicht immer wieder in den Strassengraben. Die Eile hat einen Grund, der Fahrer will die Faehre noch erwischen, was uns knapp gelingt. Nach nur 45 Minuten auf dem Wasser stehen wir auf den letzten 120 km. Wir nehmen uns dafuer 2 Tage Zeit. Nach kurzer Zeit muessen wir die Carretera Austral aber verlassen, die Strasse nach Villa O'Higgins wurde zur Ruta X-91 degradiert, weil die Carretera Austral (Ruta 7) ja schliesslich weiter in den Sueden gebaut wird. Uns kuemmert diese unschoene Formalitaet nicht, und wir erstrampeln noch 2 Paesse bevor wir eine Schutzhuette mit Ofen finden. Das Feuer erfreut unser Herz, jedenfalls solange bis der Wind genug kraeftig ist, und den ganzen Rauch durch den Kamin in die Huette blaest. Wir lassen uns raeuchern, doch sind wir froh ueber den Wind- und Regenschutz. Am naechsten Tag nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff, die Landschaft passt und das Wetter ist mehrheitlich regenfrei.
| die letzten Kilometer |
Wir werden ueberschwaenglich auf dem Eco-Camp ein wenig ausserhalb des Dorfs begruesst. Alles scheint ein bisschen improvisiert hier, doch beim naeheren Hinsehen stellen wir fest, es ist alles selbst gebaut. Der Besitzer erklaert uns dass er hier keinen einzigen Baum gefaellt habe, und alles, wie angenommen, selbst aufgebaut sei. Trocken-WC und Holzboiler fuer Heisswasser, kein Strom, aber sehr gemuetlich.
| Wohnzimmer Eco-Camp Villa O'Higgins |
Also, liebe Leser, wir wuenschen wunderschoene Weihnachten, und ihr hoert wieder von uns aus El Chalten!
Montag, 23. Dezember 2013
Info + schoene Weihnachten!
Koennte sein dass ihr die naechsten paar Tage nichts von uns hoert, weil wir hier ein kleines Problem mit dem Grenzuebertritt haben. Es gibt einige technische Probleme mit der Faehre ueber den See, und es kann sein dass heute (Montag) die einzige Moeglichkeit ist, ueber den See zu kommen. Danach steht uns noch 3 bis 4 Tage wandern bevor, weil die zweite Faehre ebenfalls nicht faehrt. Dann wuerden wir uns aus El Chalten in Argentinien melden. Falls die Faehre aber wieder planmaessig faehrt, bleiben wir in Villa O'Higgins. Wir erfahren das in den naechsten Stunden. Macht euch also keine Sorgen falls ihr nichts mehr von uns hoehrt und wir schon wieder unterwegs sind, dann gings halt leider nicht anders. Falls alles wieder in den Normalbetrieb zurueckkehrt, werdet ihr bald von uns hoehren, noch hier aus Villa O'Higgins!
Soweit, schoene Weihnachten!
-------------------- 24. Dez.: Update --------------------
Nun, die Situation hat sich beruhigt, allerdings kann ich leider nicht schreiben "die Wogen haben sich geglaettet" weil das hinger u vore nicht stimmen wuerde: es blaest ein strammer Wind aus West und wiegelt den Lago O'Higgins auf. Darum bleibt unsere Ueberfahrt am 25.12. weiterhin unsicher. Klar ist aber, dass wir in naher Zukunft von Villa O'Higgins rueber nach El Chalten in Argentinien wechseln, um dann dort Richtung Feuerland zu trampeln. Es herrschte hier einige Aufregung um diese Grenzueberquerung, seit Wochen jagen sich Geruechte und wir erhielten verschiedenste Informationen. Aber dazu im naechsten Blogeintrag mehr.
Daher, damit ihr euch alle fuer die Weihnachtsfeste entspannen koennt: die Weiterreise ist gebucht, das Schiff repariert und wir wohnen hier in Villa O'Higgins auf einem eher naturnahen Zeltplatz mitten im Wald mit gemuetlichem Aufenthaltsraum/Kueche mit grossem Holzofen. Dem Aufschrei der europaeischen Weihnachtsfeiernden zum Trotz: unsere Velos sind das einzige was hier einen weihnaechtlichen Eindruck macht. Und es wird auch heute, am 24. Dezember, wohl eher unweihnaechtlich zu und her gehen, die bessere Haelfte von uns zwei Reisenden macht heute ein Trekking mit den anderen Camping-Gaesten zu einem Gletscher und die ganze Bande kehrt wohl erst gegen Abend zurueck. Die andere bessere Haelfte von uns zwei ist derweil stellvertretender Camping-Wart und damit Herrscher ueber ein Stueck Wald neben O'Higgins. Das Tagesprogramm fuer den Zurueckgebliebenen besteht unter Anderem aus der Herausforderung, auf dem Holzofen ein Brot und eine Zuepfe OHNE jeglichen Massbecher oder Waage zu backen. Noch ist dem stellvertretenden Campingwart und Baecker nicht ganz klar wie er das jemals schaffen soll.
Wenn Zuepfe und Brot im Ofen sind, gibts dann auch noch einen Blogeintrag vom suedlichen Teil der Carretera. Bis dahin wuenschen wir Allen ganz schoene Weihnachtsfeschtli, mit viel Guetzi und Cherzli und Tanneboeimli.
Montag, 16. Dezember 2013
Lago General Carrera
Heute, am Tag der Stichwahl der neuen chilenischen Präsidentin, sind wir einigermassen nudelfertig in Cochrane angekommen. Die Chilenen haben die Expräsidentin Michele Bachelet gewählt. Die Alternative wäre Evelyn Matthei gewesen. Dabei konnten die Chilenen zwischen der Tochter eines Pinochet-Anhängers und der Tochter eines Allende-Anhängers wählen. Sie entschieden sich für die Tochter des Allende-Anhängers. Wir möchten hier aber natürlich nicht politisieren, auch weil die jüngere chilenische Geschichte eher blutig und einigermassen komplex ist. Wenn man sich damit befasst (was wir über den entsprechenden Wikipedia-Artikel gemacht haben), muss man schon das eine oder andere Mal betreten leer schlucken.
Item, zurück zu den zwei Velostrampler auf der Carretera Austral und erfreulicheren Ansichten von Chile. Wir verlassen Coihaique mit neuer Ausrüstung: einem Toaster und einem neuen Schneidbrättli. Da das gekaufte Brot nach etwa zwei Stunden nach dem Backen nicht mehr geniessbar ist, verbessert ein Toaster unseren Zmorgekomfort erheblich. Eventuell leidet ein bisschen unsere Gesundheit, beim Toastprozess ziehen die Abgase vom Kocher (wir verbrennen hier Benzin!) geradewegs durch das Brot. So werden die Schadstoffe effektiv aus den Abgasen herausgefiltert und bleiben im Brot zurück, welches sich auch recht zackig schwarz färbt und verbrannt riecht. Ä Guätä.
Desweiteren haben wir, da kein Tannenbaum auf Redli erhältlich war, unsere Velos mit Weihnachtsschmuck behängt. Die grünen und silbrig-rot-goldenen Glitzer-Lametta-Federboas und auch die geschmacksvolle rote Plastik-Weihnachtsbaumkugel mit aufgemalten Pinguinen machen sich gut am Velorahmen.
Jedenfalls werden unsere Velos seit der Weihnachtstarnung öfters mal von den anderen Strassenverkehrsteilnehmer fotografiert. Ob Pitufo und Penny mit dem Schmuck glücklich sind, ist schwierig zu sagen. Penny fährt weiterhin regelmässig in den Graben und das Knacken in Pitufos Pedalen ist ebenfalls schwierig zu verstehen. Falls es aber weiterhin so chutet erledigt sich das sowieso, weil dann all die Glitzerfäden abreissen und den Weg hinter uns zieren.
Nach Coihaique bleibt uns der Asphalt noch ein bisschen erhalten, und der Wind bläst von schräg hinten. Wir machen kurzfristig ziemlich Tempo, dann gehts über den höchsten Pass der gesamten Carretera Austral (1120 m). Auf dem Conaf-Zeltplatz im Aufstieg geniessen wir eine spezielle heisse Dusche: der Boiler steht auf einem kleinen Holzofen. Roman feuert kräftig ein, und eine halbe Stunde später kann man sich ohne Angst vor Kaltwasserzwischenfällen (die gibt es bei den gasbetriebenen Durchlauferhitzer immer wieder) entspannt berieseln lassen.
Nach dem Pass stehen wir an der Verzweigung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ufer des zweitgrössten Sees von Südamerika: dem Lago General Carrera. Die Carretera Austral umgeht den See nördlich. Die Alternative ist eine kleine Uferstrasse entlang des Südufers, die man über eine Fähre und Chile Chico erreicht. Das ist wieder mal eine gute Situation für eine Fehlentscheidung. In diesem Fall war es aber eine lohnenswerte Fehlentscheidung. Wir nehmen also die Strasse nach Puerto Ingeniero Ibañez, zur Fähre über den See nach Chile Chico. Die Landschaft ändert, kein Wald mehr sondern trocken und Büschli, Felsen und Staub. Irgendwie mediterran. In der Zwischenzeit weht ein brutaler Wind, zum Glück von hinten, oder genauer, aus Westen. Die Überfahrt nach Chile Chico fällt weniger schlimm aus als angenommen, obwohl die Wellen weisse Schaumkronen haben. Bei Gelegenheit informieren wir uns ein bisschen zur näheren Umgebung. Dabei finden wir auf einem Blog von anderen Velofahrern heraus, dass das gewählte Südufer wohl eher anstrengend wird. Dies aus mehreren Gründen: wer die Karte mal anschaut, stellt fest, das die Strasse hauptsächlich von Ost nach West und dann Richtung Südwest führt. Die vorherrschende Windrichtung ist West. Dazu führt die Strasse nicht direkt dem Ufer entlang, sondern ist in das teilweise fast senkrechte Steilufer gesprengt, mit mörderischen Anstiegen. Wir freuen uns.
Der brutale Westwind ist für das spezielle Klima verantwortlich hier: zwischen dem Pazifik und dem Lago General Carrera sowie der argentinischen Pampa liegt eine Andenkette und die riesige Inlandeisfläche. Der Westwind vom Pazifik muss da drüber, so wie der Südwind in der Schweiz zuerst über die Alpen muss. Der Effekt ist auch etwa ungefähr derselbe. Starke Fallwinde, die sehr warm sind. In der Schweiz heisst das Phänomen auch Föhn. Hier am Lago G. C. führt dies zu konstantem, starkem und warmen Westwind, der das Klima beeinflusst und aus Patagonien Italien macht, mit 30 Grad und viel Sonne. Und in unserem Fall eben brutalem Gegenwind, sehr zuverlässig konstant, den ganzen Tag und die ganze Nacht.
Wir starten in Chile Chico, und rechnen mit dem Schlimmsten. Wir haben genug zu Essen für mehrere Tage, also liegen auch 20km-Etappen drin. Gleich am Ortsausgang gehts rauf. Wir hoffen, das Strassenschild bildet nicht die Realität ab.
Wir kriechen die Strasse rauf, 4 km/h, knapp fahrbar weil so steil. Oben können wir auf den flachen Strecken auf 6 km/h beschleunigen, mehr geht nicht wegen dem Gegenwind. Nach 40 km beenden wir unsere erste Tagesetappe, mit mehr als 1000 Höhenmeter. Die Strecke hat es eindeutig in sich, die Steigungen sind senkrecht und der Gegenwind bläst uns die Haut vom Gesicht. Landschaftlich aber herausragend, auf dem ersten Hochplateau passieren wir einmal mehr eine Laguna Verde, dann erreichen wir das Steilufer.
Die Strasse führt durch senkrechte Klippen, 300 Meter gehts direkt und ohne Leitplanke runter in den See. Roman muss Penny krampfhaft davon abhalten, sich in den unendlichen Strassengraben zu stürzen.
Auch ist die Strasse so gebaut, das die Chilenen hier mit nähersweise 100 km/h durch die Kurven fahren können, also Steilwandkurven mit entsprechender Querneigung hinab zum See. Was bei 100 km/h wohl gut funktioniert, macht uns mit 4 km/h eher etwas Mühe. Zum zelten finden wir eine schöne Wiese auf einem weiteren Hochplateau, und hinter einem Hügel ist sogar der Wind halbwegs erträglich.
Der nächste Tag bietet mehr vom Gleichen, nur noch spektakulärer. Die Strasse geht zwischen zwei Pässen ganz runter zum See, viel ist direkt in den Fels gesprengt. Die Aussicht ist fantastisch. Wir kriechen durch, rauf, runter, rauf, runter.
Nach weiteren 40 km haben wir das spektakuläre Steilufer hinter uns, es wird flacher und der Wind wird ab und zu von Bäumen gebrochen. Erschöpft zelten wir in einem Flusstal im windgeschützen Wald.
Bald sind wir zurück auf der Carretera Austral, doch auch die ist hier sehr hügelig, es geht weiterhin rauf und runter, sausteil und die Strasse war auch schon mal besser. Roman hat bald mal die Nase voll und die Beine leer, wir brechen früh ab und stellen unser Zelt an den Lago Bertrand. Es wird geduscht (das geht prima mit dem Wassersack und dem Sprützkannen-Aufsatz), mit Warmwasser vom Kocher. Das Bücherproblem zwischen Martina, Roman und Kobo haben wir entschärft, in dem wir gemeinsam ein digitales Buch auswählen und kaufen wenn wir Internet haben, und es uns dann vorlesen. Begonnen haben wir mit "Die Analphabetin, die rechen konnte" von Jonas Jonasson. Kurz aber intensiv war auch "Die Liebe in den Zeiten des Frischkornmüslis - Eine Liebesgeschichte aus der Gegenkultur" von Cora Buhlert. Auf uns wartet "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" von Thomas Meyer. Nebenbei hat Roman 10 Bände von "Das Lied von Eis und Feuer", besser bekannt als die TV-Serie "Game of Thrones", gelesen, und Martina ist dem Helden von "Feuer und Stein" von Diana Gabaldon erlegen. Den zweiten Band hat sie auch schon fertig. Die Tage sind schon massiv länger, wir haben Sonne bis um halb Zehn abends, und am Morgen gehts schon um 6 Uhr los mit Sonne. Da bleibt viel Zeit um noch vor dem Schlafengehen zu lesen.
Eigentlich wäre es jetzt nicht mehr weit bis Cochrane, etwas mehr als 60 km, also in einem Tag zu schaffen. So denkt man. Roman ist nicht grade eine Motivationsbestie als wir wieder starten, denn, wer hätte das gedacht, es geht gleich wieder über den nächsten steilen Pass. Und es sollte nicht der letzte bleiben heute. Dies scheint der hügeligste Abschnitt der Carretera zu sein, und dazu ist es heiss und trocken. Wir folgen jetzt dem Rio Baker, dem wasserreichsten Fluss Chiles (mit 570 m3/s etwa gleich gross wie die Aare).
Es bestehen Pläne zum Bau von Wasserkraftwerken an diesem Fluss, ein Thema dass hier die Bevölkerung beschäftigt und weite Kreise zieht. Es bestehen die gängigen Konflikte zwischen Naturschutz und "sauberer" Stromerzeugung. Es wird aber auch noch Tompkins (der Exgründer von The North Face und Besitzer des Pumalin-Parks) in die Sache verwickelt, welcher auch hier Land kauft. Wir sehen immer wieder Parolen und Aufkleber "Patagonia sin Tompkins", er scheint hier nicht allzu beliebt zu sein. Die Kraftwerkbetreiber versprechen der Bevölkerung 80% günstigeren Strom. Der grosse Teil der geplanten 2400 Megawatt wird für die Minen im Norden von Chile gebraucht, somit ist die Hochspannungsleitung quer durch Patagonien ein weiteres Streitthema. Da Tompkins nicht gerade im Sinne der Kraftwerkgesellschaft handelt sondern den Fluss schützen will, überzeugt die Gesellschaft die lokale Bevölkerung davon, das Tompkins in seinen Naturparks Pumas züchtet und auf die Menschen loslässt. Oder schlimmer, da sein Land an Argentinien grenzt und teilweise auch auf der argentinischen Seite in seinem Besitz ist, dass die heilige Landesgrenze zwischen Chile und Argentinien in Privatbesitz ist und so vielleicht verwässert wird. Wir halten uns zurück mit Kommentaren über Naturschutz oder Tompkins, schnell wird man als Tourist in den selben Topf geworfen. Und ganz nebenbei hat auch die Schweiz ihre wunderschönen und schützenswerten Alpen mit Staumauern zugebaut...
Wir kehren nach diesem Diskurs wieder an den Rio Baker (noch ohne Staumauern) zurück. Die Strasse geht noch über weitere 2 oder 3 Pässe, saumässig steil. Irgendwann beginnt sogar Martina damit, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Warum kann die Strasse nicht einfach gerade dem Hang entlang führen? Warum geht die immer wieder ganz runter zum Fluss und dann wieder ganz nach oben?! Auch möchte sie gerne den Verantwortlichen Strassenbauer (so ein bierbäuchiger, schnauzbärtiger, selbsgefälliger Typ mit oranger Weste) treffen um ihm etwas über den Kopf zu hauen. Roman kann das gut nachvollziehen. Da es sich hier nicht zelten lässt, müssen wir wohl oder übel noch weiter bis Cochrane. Wir dopen uns mit Schoggi und schreien ab und zu rum um die Motivation zu heben. Die letzten Anstiege schafft Roman nur noch stossend, die Beine sind nach 4 Tagen mit mehr als 4000 Höhenmeter bei kaum fahrbaren Steigungen total leer.
In Cochrane haben wir nicht mehr die Energie zu komplizierten Auswahlverfahren betreffend Unterkunft, daher ist vorallem der Name ausschlaggebend: Hospedaje El Bombero klingt gut (Bomberos = Feuerwehr), obwohl wir bei dem schönen Wetter auch auf dem Camping wohnen könnten. Noch trauen wir dem schönen Wetter nicht, wir hatten fast nie Regen, doch wir sind ja in Patagonien. Warum regnet es hier nicht?! Wahrscheinlich eine weitere Auswirkung der Klimawärmung.
Da sind wir also, im letzten Dorf vor Villa O'Higgins und dem Ende der Carretera Austral. Es fehlen noch 250 km, dann sind wir dort. Sollte reichen bis Weihnachten, auch wenn wir noch einen Ausflug in das Dorf Caleta Tortel machen wollen, ein Dorf am Wasser, komplett auf Holzstelzen, auch die Gehwege. Vorher erholen wir uns hier noch ein bisschen und bereiten das letzte Stück der Strecke vor. Also Essen einkaufen und Velos pflegen, dann Blog schreiben, Bücher auswählen, und mit unseren Lieben von Zuhause mailen.
PS: fuer die uebermaessig Interessierten gibt es unter den Hoehenprofilen wieder ein paar aktuelle Profile. Mit ein paar Luecken kann man sich jetzt fast die ganze Strecke bis Villa O'Higgins anschauen und mitleiden.
Item, zurück zu den zwei Velostrampler auf der Carretera Austral und erfreulicheren Ansichten von Chile. Wir verlassen Coihaique mit neuer Ausrüstung: einem Toaster und einem neuen Schneidbrättli. Da das gekaufte Brot nach etwa zwei Stunden nach dem Backen nicht mehr geniessbar ist, verbessert ein Toaster unseren Zmorgekomfort erheblich. Eventuell leidet ein bisschen unsere Gesundheit, beim Toastprozess ziehen die Abgase vom Kocher (wir verbrennen hier Benzin!) geradewegs durch das Brot. So werden die Schadstoffe effektiv aus den Abgasen herausgefiltert und bleiben im Brot zurück, welches sich auch recht zackig schwarz färbt und verbrannt riecht. Ä Guätä.
Desweiteren haben wir, da kein Tannenbaum auf Redli erhältlich war, unsere Velos mit Weihnachtsschmuck behängt. Die grünen und silbrig-rot-goldenen Glitzer-Lametta-Federboas und auch die geschmacksvolle rote Plastik-Weihnachtsbaumkugel mit aufgemalten Pinguinen machen sich gut am Velorahmen.
| Weihnachtsvelo |
Jedenfalls werden unsere Velos seit der Weihnachtstarnung öfters mal von den anderen Strassenverkehrsteilnehmer fotografiert. Ob Pitufo und Penny mit dem Schmuck glücklich sind, ist schwierig zu sagen. Penny fährt weiterhin regelmässig in den Graben und das Knacken in Pitufos Pedalen ist ebenfalls schwierig zu verstehen. Falls es aber weiterhin so chutet erledigt sich das sowieso, weil dann all die Glitzerfäden abreissen und den Weg hinter uns zieren.
Nach Coihaique bleibt uns der Asphalt noch ein bisschen erhalten, und der Wind bläst von schräg hinten. Wir machen kurzfristig ziemlich Tempo, dann gehts über den höchsten Pass der gesamten Carretera Austral (1120 m). Auf dem Conaf-Zeltplatz im Aufstieg geniessen wir eine spezielle heisse Dusche: der Boiler steht auf einem kleinen Holzofen. Roman feuert kräftig ein, und eine halbe Stunde später kann man sich ohne Angst vor Kaltwasserzwischenfällen (die gibt es bei den gasbetriebenen Durchlauferhitzer immer wieder) entspannt berieseln lassen.
| hoechster Pass der Carretera Austral |
Nach dem Pass stehen wir an der Verzweigung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ufer des zweitgrössten Sees von Südamerika: dem Lago General Carrera. Die Carretera Austral umgeht den See nördlich. Die Alternative ist eine kleine Uferstrasse entlang des Südufers, die man über eine Fähre und Chile Chico erreicht. Das ist wieder mal eine gute Situation für eine Fehlentscheidung. In diesem Fall war es aber eine lohnenswerte Fehlentscheidung. Wir nehmen also die Strasse nach Puerto Ingeniero Ibañez, zur Fähre über den See nach Chile Chico. Die Landschaft ändert, kein Wald mehr sondern trocken und Büschli, Felsen und Staub. Irgendwie mediterran. In der Zwischenzeit weht ein brutaler Wind, zum Glück von hinten, oder genauer, aus Westen. Die Überfahrt nach Chile Chico fällt weniger schlimm aus als angenommen, obwohl die Wellen weisse Schaumkronen haben. Bei Gelegenheit informieren wir uns ein bisschen zur näheren Umgebung. Dabei finden wir auf einem Blog von anderen Velofahrern heraus, dass das gewählte Südufer wohl eher anstrengend wird. Dies aus mehreren Gründen: wer die Karte mal anschaut, stellt fest, das die Strasse hauptsächlich von Ost nach West und dann Richtung Südwest führt. Die vorherrschende Windrichtung ist West. Dazu führt die Strasse nicht direkt dem Ufer entlang, sondern ist in das teilweise fast senkrechte Steilufer gesprengt, mit mörderischen Anstiegen. Wir freuen uns.
Der brutale Westwind ist für das spezielle Klima verantwortlich hier: zwischen dem Pazifik und dem Lago General Carrera sowie der argentinischen Pampa liegt eine Andenkette und die riesige Inlandeisfläche. Der Westwind vom Pazifik muss da drüber, so wie der Südwind in der Schweiz zuerst über die Alpen muss. Der Effekt ist auch etwa ungefähr derselbe. Starke Fallwinde, die sehr warm sind. In der Schweiz heisst das Phänomen auch Föhn. Hier am Lago G. C. führt dies zu konstantem, starkem und warmen Westwind, der das Klima beeinflusst und aus Patagonien Italien macht, mit 30 Grad und viel Sonne. Und in unserem Fall eben brutalem Gegenwind, sehr zuverlässig konstant, den ganzen Tag und die ganze Nacht.
Wir starten in Chile Chico, und rechnen mit dem Schlimmsten. Wir haben genug zu Essen für mehrere Tage, also liegen auch 20km-Etappen drin. Gleich am Ortsausgang gehts rauf. Wir hoffen, das Strassenschild bildet nicht die Realität ab.
| leider steil |
Wir kriechen die Strasse rauf, 4 km/h, knapp fahrbar weil so steil. Oben können wir auf den flachen Strecken auf 6 km/h beschleunigen, mehr geht nicht wegen dem Gegenwind. Nach 40 km beenden wir unsere erste Tagesetappe, mit mehr als 1000 Höhenmeter. Die Strecke hat es eindeutig in sich, die Steigungen sind senkrecht und der Gegenwind bläst uns die Haut vom Gesicht. Landschaftlich aber herausragend, auf dem ersten Hochplateau passieren wir einmal mehr eine Laguna Verde, dann erreichen wir das Steilufer.
| Laguna Verde (Nr. 2394 auf unserer Reise) |
Die Strasse führt durch senkrechte Klippen, 300 Meter gehts direkt und ohne Leitplanke runter in den See. Roman muss Penny krampfhaft davon abhalten, sich in den unendlichen Strassengraben zu stürzen.
| Lago General Carrera |
Auch ist die Strasse so gebaut, das die Chilenen hier mit nähersweise 100 km/h durch die Kurven fahren können, also Steilwandkurven mit entsprechender Querneigung hinab zum See. Was bei 100 km/h wohl gut funktioniert, macht uns mit 4 km/h eher etwas Mühe. Zum zelten finden wir eine schöne Wiese auf einem weiteren Hochplateau, und hinter einem Hügel ist sogar der Wind halbwegs erträglich.
Nach weiteren 40 km haben wir das spektakuläre Steilufer hinter uns, es wird flacher und der Wind wird ab und zu von Bäumen gebrochen. Erschöpft zelten wir in einem Flusstal im windgeschützen Wald.
Bald sind wir zurück auf der Carretera Austral, doch auch die ist hier sehr hügelig, es geht weiterhin rauf und runter, sausteil und die Strasse war auch schon mal besser. Roman hat bald mal die Nase voll und die Beine leer, wir brechen früh ab und stellen unser Zelt an den Lago Bertrand. Es wird geduscht (das geht prima mit dem Wassersack und dem Sprützkannen-Aufsatz), mit Warmwasser vom Kocher. Das Bücherproblem zwischen Martina, Roman und Kobo haben wir entschärft, in dem wir gemeinsam ein digitales Buch auswählen und kaufen wenn wir Internet haben, und es uns dann vorlesen. Begonnen haben wir mit "Die Analphabetin, die rechen konnte" von Jonas Jonasson. Kurz aber intensiv war auch "Die Liebe in den Zeiten des Frischkornmüslis - Eine Liebesgeschichte aus der Gegenkultur" von Cora Buhlert. Auf uns wartet "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" von Thomas Meyer. Nebenbei hat Roman 10 Bände von "Das Lied von Eis und Feuer", besser bekannt als die TV-Serie "Game of Thrones", gelesen, und Martina ist dem Helden von "Feuer und Stein" von Diana Gabaldon erlegen. Den zweiten Band hat sie auch schon fertig. Die Tage sind schon massiv länger, wir haben Sonne bis um halb Zehn abends, und am Morgen gehts schon um 6 Uhr los mit Sonne. Da bleibt viel Zeit um noch vor dem Schlafengehen zu lesen.
Eigentlich wäre es jetzt nicht mehr weit bis Cochrane, etwas mehr als 60 km, also in einem Tag zu schaffen. So denkt man. Roman ist nicht grade eine Motivationsbestie als wir wieder starten, denn, wer hätte das gedacht, es geht gleich wieder über den nächsten steilen Pass. Und es sollte nicht der letzte bleiben heute. Dies scheint der hügeligste Abschnitt der Carretera zu sein, und dazu ist es heiss und trocken. Wir folgen jetzt dem Rio Baker, dem wasserreichsten Fluss Chiles (mit 570 m3/s etwa gleich gross wie die Aare).
| Rio Baker |
Es bestehen Pläne zum Bau von Wasserkraftwerken an diesem Fluss, ein Thema dass hier die Bevölkerung beschäftigt und weite Kreise zieht. Es bestehen die gängigen Konflikte zwischen Naturschutz und "sauberer" Stromerzeugung. Es wird aber auch noch Tompkins (der Exgründer von The North Face und Besitzer des Pumalin-Parks) in die Sache verwickelt, welcher auch hier Land kauft. Wir sehen immer wieder Parolen und Aufkleber "Patagonia sin Tompkins", er scheint hier nicht allzu beliebt zu sein. Die Kraftwerkbetreiber versprechen der Bevölkerung 80% günstigeren Strom. Der grosse Teil der geplanten 2400 Megawatt wird für die Minen im Norden von Chile gebraucht, somit ist die Hochspannungsleitung quer durch Patagonien ein weiteres Streitthema. Da Tompkins nicht gerade im Sinne der Kraftwerkgesellschaft handelt sondern den Fluss schützen will, überzeugt die Gesellschaft die lokale Bevölkerung davon, das Tompkins in seinen Naturparks Pumas züchtet und auf die Menschen loslässt. Oder schlimmer, da sein Land an Argentinien grenzt und teilweise auch auf der argentinischen Seite in seinem Besitz ist, dass die heilige Landesgrenze zwischen Chile und Argentinien in Privatbesitz ist und so vielleicht verwässert wird. Wir halten uns zurück mit Kommentaren über Naturschutz oder Tompkins, schnell wird man als Tourist in den selben Topf geworfen. Und ganz nebenbei hat auch die Schweiz ihre wunderschönen und schützenswerten Alpen mit Staumauern zugebaut...
Wir kehren nach diesem Diskurs wieder an den Rio Baker (noch ohne Staumauern) zurück. Die Strasse geht noch über weitere 2 oder 3 Pässe, saumässig steil. Irgendwann beginnt sogar Martina damit, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen: Warum kann die Strasse nicht einfach gerade dem Hang entlang führen? Warum geht die immer wieder ganz runter zum Fluss und dann wieder ganz nach oben?! Auch möchte sie gerne den Verantwortlichen Strassenbauer (so ein bierbäuchiger, schnauzbärtiger, selbsgefälliger Typ mit oranger Weste) treffen um ihm etwas über den Kopf zu hauen. Roman kann das gut nachvollziehen. Da es sich hier nicht zelten lässt, müssen wir wohl oder übel noch weiter bis Cochrane. Wir dopen uns mit Schoggi und schreien ab und zu rum um die Motivation zu heben. Die letzten Anstiege schafft Roman nur noch stossend, die Beine sind nach 4 Tagen mit mehr als 4000 Höhenmeter bei kaum fahrbaren Steigungen total leer.
| Hoehenprofil Chile Chico bis Cochrane |
In Cochrane haben wir nicht mehr die Energie zu komplizierten Auswahlverfahren betreffend Unterkunft, daher ist vorallem der Name ausschlaggebend: Hospedaje El Bombero klingt gut (Bomberos = Feuerwehr), obwohl wir bei dem schönen Wetter auch auf dem Camping wohnen könnten. Noch trauen wir dem schönen Wetter nicht, wir hatten fast nie Regen, doch wir sind ja in Patagonien. Warum regnet es hier nicht?! Wahrscheinlich eine weitere Auswirkung der Klimawärmung.
Da sind wir also, im letzten Dorf vor Villa O'Higgins und dem Ende der Carretera Austral. Es fehlen noch 250 km, dann sind wir dort. Sollte reichen bis Weihnachten, auch wenn wir noch einen Ausflug in das Dorf Caleta Tortel machen wollen, ein Dorf am Wasser, komplett auf Holzstelzen, auch die Gehwege. Vorher erholen wir uns hier noch ein bisschen und bereiten das letzte Stück der Strecke vor. Also Essen einkaufen und Velos pflegen, dann Blog schreiben, Bücher auswählen, und mit unseren Lieben von Zuhause mailen.
PS: fuer die uebermaessig Interessierten gibt es unter den Hoehenprofilen wieder ein paar aktuelle Profile. Mit ein paar Luecken kann man sich jetzt fast die ganze Strecke bis Villa O'Higgins anschauen und mitleiden.
Samstag, 7. Dezember 2013
Carretera Austral Nord
------------------ 7. Dez: Foto-Update in "Baustelle" ------------------
Chaiten - Coihaique
Eine weitere Etappe ist geschafft, und wir sind in Coihaique eingetroffen. Coihaique liegt ungefaehr in der Haelfte zwischen Puerto Montt und Villa O'Higgins, und ist die groesste Stadt an der Carretera Austral in Patagonien. Doch "groesste Stadt" ist relativ, hat doch Coihaique gerade mal 43'000 Einwohner (zum Vergleich: Koeniz hat 39'000 Einwohner, und wir wuerden es wohl eher als Dorf bezeichnen...). Wir koennen uns nicht beklagen, die ueberlebenswichtige Infrastruktur ist vollumfaenglich vorhanden: grosser Supermarkt (endlich wieder Erdnuss-Butter (Roman) und feines Muesli (Martina)!), Internet-Cafe und ein Hostal mit Kueche und W-Lan. Das sind unsere Basis-Ansprueche fuer ein kurze Verschnaufpause. Weiter gibts hier sogar Outdoor-Laeden, Fahrrad-Laeden und andere Touri-Institutionen wie Cafes, Restaurants und Elektronik-Shops (wir ueberlegen ob wir uns nicht doch ein Smartphone kaufen sollen, dann koennten wir ueber W-Lan skypen...). Und nach etwas mehr als 4 Monaten braucht Roman dringend eine Haar-Verkuerzung. Die Peluqueria liegt gerade neben dem Hostel, und Roman ist jetzt wieder sommerlich kurz geschoren. Schliesslich gehts hier gegen den Sommer zu! Was allerdings in krassem Kontrast zu der jetzt doch schon haeufiger vorhandenen Weihnachtsdekoration steht. Vom Samichlous haben wir hier nichts gemerkt, allerdings gabs von daheim Fotos und es wird uns schon ein bisschen heimwehlig ums Herz bei Kerzli, Cacao und Grittibaenzen! Wir haben uns mit einem Grosseinkauf im Supermarkt getroestet, mit einem anstaendigen Bier (hier gibts sogar La Trappe! Und zwar von Lager bis Quadrupel!! gell Tobias...) zum Appero und eben, Erdnussbutter und feinem Muesli. So, genug der einleitenden Worte, wir radeln jetzt im Geiste nochmals die letzten 400 km durch.Der erste Abschnitt bis Puyuhuapi haben wir bereits im letzten Blogeintrag "Baustelle" abgehandelt, doch hier folgt jetzt noch das Bildli vom Yelcho-Gletscher. Wir konnten am Anfang des Wanderwegs zelten, ein eher alternativer, junger Typ wohnt dort in einem kleinen Taetsch-Huesli. Am Morgen stiefelten wir durch den dichten Urwald bis man einen schoenen Ausblick auf den Gletscher hat.
| Gletscher Yelcho |
Die letzte Pause (und den letzten Blogeintrag) haben wir in Puyuhuapi gemacht, einem Dorf, dass erst 1935 von ausgewanderten Sudeten-Deutschen gegruendet und aufgebaut wurde. Die drei grossen, eher europaeisch anmutenden Gruender-Haeuser ueberzeugen uns, dass das nicht nur eine Touristen-Falle ist. Der Himmel ist grau verhangen, ab und zu gibt es Regen. Wir strampeln los, doch fuehlen wir uns nach nur einem Ruhetag irgendwie nicht richtig erholt, in den Beinen zwickts, und es fehlt ein bisschen die Motivation. Nach 6 km fahren wir an den Thermen von Puyuhuapi vorbei. 30 Franken pro Person ist ein wirklich stolzer Preis fuer 3 Steinbecken und gratis Heisswasser aus dem vulkanischen Untergrund. Aber wir haben uns das bis jetzt noch nie geleistet, daher sitzen wir schon bald in kochend heissem Wasser.
| Termas Ventisquero Puyuhuapi |
| Suchbild: wer findet den Gletscher? |
Da sich der Gletscher eher nicht zeigt, foetelen wir halt uns.
| Der Pirat und seine Piratenbraut |
Es liegt auch noch ein kleiner fieser Pass vor uns, doch zuerst zieht sich die Carretera entlang dem Fjord in die Berge. Die Landschaft und die Strasse auf dem Foto ist typisch fuer diesen noerdlichen Teil der Carretera Austral. Das Wetter auch.
| die Strasse in den Regen |
| urspruenglicher Urwald |
Wir sind froh ueber die auesserst informativen Strassenschilder. So sind wir uns sicher, dass wir in die richtige Richtung fahren.
| sehr informativ |
Auf der vielbefahrenen Strasse vor Coihaique veranstalten wir ein kleines Rennen mit der Zeit, es ist Samichlouse-Tag, und Martina moechte noch schnell per Skype ein Grittibaenz aus dem Duerrenboden probieren. Zum Glueck schiebt uns ein kraeftiger Rueckenwind durch das Tal, doch der Pass vor der Stadt laesst uns merken, wie noetig wir eine Verschnaufspause haben. Auf der Passhoehe stehen 3 Windraeder. Scheinbar windet es hier oefters. Auch schoen sind die weiten gruenen Grasflaechen rund um Coihaique. Die Brandrodung bei der Besiedlung des Gebiets geriet, wer haette das gedacht bei diesem Wind, ausser Kontrolle und der ganze Urwald brannte ab. Wir erreichen Coihaique ueber eine letzte, fiese Steigung, und vor uns liegen ein paar Tage ausschlafen bevor es dann weiter richtung Sueden geht.
Vor uns liegt eine einsame Strecke, weiter suedlich gibts noch weniger Leute, und der Urwald wird wieder dichter. Bald erreichen wir die riesigen Inland-Gletscher, hoffentlich koennen wir ab und zu einen Blick darauf erhaschen. Um den Lago General Carrera gibt es zwei Routen, noch wissen wir nicht, welche wir nehmen. Mit Hilfe unseres Reisefuehrers wiegen wir Sehenswuerdigkeiten gegeneinander ab. Nach Villa O'Higgins steht uns eine abenteuerliche Passage per Wanderweg ueber die Grenze bevor, wir haben auch schon vernommen, dass eventuell eine Faehre nicht faehrt, die fahren sollte. Doch bis wir Villa O'Higgins erreichen, kommt noch Weihnachten, und vielleicht sogar Neujahr. Der naechste groessere Ort ist Cochrane, dann Villa O'Higgins. Spaetestens von da gibt es sicher wieder was von uns zu lesen. Auch sind wir wohl ab und zu per Mail erreichbar auf den naechsten 450 km.
Montag, 2. Dezember 2013
Baustelle
Dass sich die Blogeinträge häufen hat eventuell auch damit zu tun, dass wir hier chronisch unterversorgt sind mit Büchern. An einem Ruhetag wie heute, draussen kalt, windig und regnerisch, liegen wir meist fast den ganzen Tag im Bett und lesen. Da uns aber die Papier-Bücher (also diese richtigen, zum anfassen, total analog) nicht weit reichen, und wir auch nicht eine ganze Bibliothek mitschleppen können, lesen wir halt digitale Bücher auf unserem eBook-Reader. Allerdings haben wir ja nur eins dieser magischen Geräte dabei, also kann auch nur einer von uns zwei lesen. Viel anderes als Blog schreiben bleibt neben essen und schlafen nicht übrig. Die Blogeinträge können wir, wie auch Mails, mit Romans altem Handy schreiben, welches, oh Wunder, sogar W-LAN beherrscht! Wir haben also schon das kleine, überschaubare Dörfli Puyuhuapi inspiziert, eingekauft und uns im Touristen-Info über die lokale Geschichte informiert (von Sudeten-Deutschen 1935 gegruendet), sind wieder zurück in unserem bescheidenen Hostel und Martina hat sich unsere digitale Bibliothek (wir nennen es liebevoll "z Kobo") geschnappt. Bleibt Roman das Handy.
Nach Chaiten ging es in rasendem Tempo weiter, weil seidenfein geteert, bis zum Lago Yelcho. Dort war dann leider wieder Ende Asphalt, und wir lernten das richtige Gesicht der Carretera Austral kennen. Sowieso, die Strasse ist in sehr unterschiedlichen Zuständen, wir werden immer wieder von noch nie gesehenen Stadien der Wandlung überrascht. Das liegt wahrscheinlich an der eher jungen und bewegten Geschichte des Strassenbaus an der Carretera: Wer die Karte von Chile mal angesehen hat, versteht vielleicht das Problem. Der Süden ist etwa 3000 km lang und etwa 200 km oder weniger breit, dazu besteht das Land südlich von Puerto Montt aus Bergen, dichtem Wald, Flüssen und Fjorden. Es gibt hier unten einige wenige kleine Orte wo Menschen leben. Diese Orte waren nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar, oder, 1000 mal schlimmer, über Argentinien. Als sich im Beagle-Konflikt die Stimmung nicht gerade besserte zwischen Chile und Argentinien, beschloss der eher negativ aufgefallene Diktator Pinochet, es braucht eine Strasse um das Land zu einen und Präsenz zu markieren. So begann 1976 der Bau, mit mehr als 10'000 Soldaten. Die Strasse wurde 1988 eröffnet, allerdings noch nicht bis ganz unten. Erst im Jahr 2000 wurde der letzte Abschnitt bis Villa O'Higgins fertig gestellt, wobei die Strasse auf nur etwa einem Viertel asphaltiert ist, sonst aus einer einspurigen Schotterstrasse besteht. Der Spass hat neben einigen Menschenleben etwa 200 Millionen Franken gekostet, und doch wurden damit nur knapp 100'000 Chilenen erreicht. Auch liegt Villa O'Higgins überhaupt nicht am südlichsten Punkt von Chile, es fehlen also noch weitere 1000 km durch noch viel umwegsameres Gelände. Der Bauplan umfasst 9 Fährpassagen und es dauert wohl weitere 20 bis 30 Jahre, bis die Strasse wirklich fertig ist. Das Militär ist bereits emsig am weiterbauen. Auf den nördlichen Abschnitten wird die ehemals einspurige Schotterstrasse momentan auf Doppelspur verbreitert, und anschliessend asphaltiert. Die Chilenen hier bestätigen uns voller Enthusiasmus, dass in etwa 50 Jahren von Puerto Montt bis Villa O'Higgins asphaltiert sein wird.
Die Anstrengungen, die dazu betrieben werden, bremsen uns sehr bald ab. Nach den 50 asphaltierten Kilometern hinter Chaiten beginnt schon bald eine etwa 80 km lange Baustelle. Das funktioniert so, dass die Strasse einfach verbreitert wird, durch Fels gesprengt und durch den Wald geholzt, und aus den naheliegenden Flüssen wird Kies und Sand aufgeschüttet.
Auf unserer Fahrt durch die Baustelle können wir jeden nötigen Schritt begutachten, immer umschwärmt von riesigen Lastwagen und Bagger, Walzen und diesen Dingern, die die Strasse flach kratzen.
Nach La Junta nehmen die Baustellen ab, und als wir weiter kommen, stellen wir fest, dass ja überhaupt keine Autos unterwegs sind. Warum die Strasse verbreitert und asphaltiert wird ist uns ein Rätsel. Die einzigen anderen Verkehrsteilnehmer sind Touristen, die mit riesigen geländegängigen Wohnwagen an uns vorbei tuckern. Scheinbar haben sie das Gefühl, die Strasse sei kaum zu befahren, alle Motorradfahrer sind mit Helmkamera ausgestattet. Die Gelände-Wohnwagen, Jeeps und Offroad-Motorräder können uns ein bisschen übertrieben vor, wir kommen hier ja sogar mit 60 kg Gewicht und ohne Federgabel vorwärts. Da könnten wir wieder Mal ein Kommentar mit "damals in Bolivien..." starten, dort, wo man im Bachbett fuhr. Sie müssen wohl das Offroad-Feeling noch erleben, bevor die gesamte Carretera Austral asphaltiert ist.
Nun, schön ist es hier, und die Baustelle hat jetzt wohl auch ein Ende. Bald erreichen wir Coihaique, eine der einzigen grösseren Orten im Süden, und damit auch schon etwa die Hälfte der Carretera Austral. Von dort werdet ihr wohl oder übel wieder von uns hören!
Nach Chaiten ging es in rasendem Tempo weiter, weil seidenfein geteert, bis zum Lago Yelcho. Dort war dann leider wieder Ende Asphalt, und wir lernten das richtige Gesicht der Carretera Austral kennen. Sowieso, die Strasse ist in sehr unterschiedlichen Zuständen, wir werden immer wieder von noch nie gesehenen Stadien der Wandlung überrascht. Das liegt wahrscheinlich an der eher jungen und bewegten Geschichte des Strassenbaus an der Carretera: Wer die Karte von Chile mal angesehen hat, versteht vielleicht das Problem. Der Süden ist etwa 3000 km lang und etwa 200 km oder weniger breit, dazu besteht das Land südlich von Puerto Montt aus Bergen, dichtem Wald, Flüssen und Fjorden. Es gibt hier unten einige wenige kleine Orte wo Menschen leben. Diese Orte waren nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar, oder, 1000 mal schlimmer, über Argentinien. Als sich im Beagle-Konflikt die Stimmung nicht gerade besserte zwischen Chile und Argentinien, beschloss der eher negativ aufgefallene Diktator Pinochet, es braucht eine Strasse um das Land zu einen und Präsenz zu markieren. So begann 1976 der Bau, mit mehr als 10'000 Soldaten. Die Strasse wurde 1988 eröffnet, allerdings noch nicht bis ganz unten. Erst im Jahr 2000 wurde der letzte Abschnitt bis Villa O'Higgins fertig gestellt, wobei die Strasse auf nur etwa einem Viertel asphaltiert ist, sonst aus einer einspurigen Schotterstrasse besteht. Der Spass hat neben einigen Menschenleben etwa 200 Millionen Franken gekostet, und doch wurden damit nur knapp 100'000 Chilenen erreicht. Auch liegt Villa O'Higgins überhaupt nicht am südlichsten Punkt von Chile, es fehlen also noch weitere 1000 km durch noch viel umwegsameres Gelände. Der Bauplan umfasst 9 Fährpassagen und es dauert wohl weitere 20 bis 30 Jahre, bis die Strasse wirklich fertig ist. Das Militär ist bereits emsig am weiterbauen. Auf den nördlichen Abschnitten wird die ehemals einspurige Schotterstrasse momentan auf Doppelspur verbreitert, und anschliessend asphaltiert. Die Chilenen hier bestätigen uns voller Enthusiasmus, dass in etwa 50 Jahren von Puerto Montt bis Villa O'Higgins asphaltiert sein wird.
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| Karte Carretera Austral (Wikipedia) |
Die Anstrengungen, die dazu betrieben werden, bremsen uns sehr bald ab. Nach den 50 asphaltierten Kilometern hinter Chaiten beginnt schon bald eine etwa 80 km lange Baustelle. Das funktioniert so, dass die Strasse einfach verbreitert wird, durch Fels gesprengt und durch den Wald geholzt, und aus den naheliegenden Flüssen wird Kies und Sand aufgeschüttet.
Auf unserer Fahrt durch die Baustelle können wir jeden nötigen Schritt begutachten, immer umschwärmt von riesigen Lastwagen und Bagger, Walzen und diesen Dingern, die die Strasse flach kratzen.
Nach La Junta nehmen die Baustellen ab, und als wir weiter kommen, stellen wir fest, dass ja überhaupt keine Autos unterwegs sind. Warum die Strasse verbreitert und asphaltiert wird ist uns ein Rätsel. Die einzigen anderen Verkehrsteilnehmer sind Touristen, die mit riesigen geländegängigen Wohnwagen an uns vorbei tuckern. Scheinbar haben sie das Gefühl, die Strasse sei kaum zu befahren, alle Motorradfahrer sind mit Helmkamera ausgestattet. Die Gelände-Wohnwagen, Jeeps und Offroad-Motorräder können uns ein bisschen übertrieben vor, wir kommen hier ja sogar mit 60 kg Gewicht und ohne Federgabel vorwärts. Da könnten wir wieder Mal ein Kommentar mit "damals in Bolivien..." starten, dort, wo man im Bachbett fuhr. Sie müssen wohl das Offroad-Feeling noch erleben, bevor die gesamte Carretera Austral asphaltiert ist.
Nun, schön ist es hier, und die Baustelle hat jetzt wohl auch ein Ende. Bald erreichen wir Coihaique, eine der einzigen grösseren Orten im Süden, und damit auch schon etwa die Hälfte der Carretera Austral. Von dort werdet ihr wohl oder übel wieder von uns hören!
Donnerstag, 28. November 2013
Pumalin-Park und Vulkan Chaiten
Nach der kurzen Pause in Hornopiren sind wir schon wieder weiter, durch den Pumalin-Park nach Chaitén. Das war unser in Temuco angekündigtes Etappenziel nach dem Seenland. Prognostizierte 800 km waren es, schlussendlich sind wir rund 960 km im Zickzack durch die Anden und um die Seen zwischen Chile und Argentinien gefahren. Wir haben auch nicht schlecht gestaunt als wir die zusammengekommenen Höhenmeter ausgerechnet haben: mit 12'600 m haben wir unsere Einstiegsetappe von Nasca nach Cusco sogar knapp übertroffen! Das dauernde Auf und Ab hat uns unterwegs einiges an Kraft und Nerven gekostet, doch haben wir niemals erwartet, das sich diese Gesamthöhe aufsummiert. Übrigens: für die ganz abhängigen Fans und Überinteressierten gibt es auf der Statistik-Seite (rechts im Menü) jetzt alle Etappen bis kurz vor Hornopiren. Dort könnt ihr von Höhen- über Streckenmeter, Fahrzeiten, Schlafhöhen und Ruhetage bis zu Unterkunftsart einfach alles herausfinden, wir überlegen uns die Tabelle um verschiedene Kategorien zu erweitern, zB. transportierte Essensmenge, konsumierte Schokoladenmenge, Anzahl Ausraster weil man mit dem Velo in den Graben fuhr (die Velos haben tatsächlich einen eigenen Willen! So häufig wie Roman inzwischen unfreiwillig in den Graben neben der Strasse fuhr, muss hier eine unterschwellige Aufmüpfigkeit von Penny vermutet werden...) und viele andere ebenso wichtige statistisch interessante Vorkommnisse. Item, die Statistiken interessieren nicht jeden, das ist auch bei uns zwei Reisenden so.
Nun zu den wirklich interessanten Dingen. Nach den Ruhetagen in Hornopiren steht uns schon wieder ein eher gemütlicher Tag bevor. Wir, vorausschauend wie wir halt so sind, schauen schon mal im Internet den Fahrplan der Fähre an damit wir entsprechend unseren Wecker programmieren können. Unsere Gastgeberin gibt uns dann kurz bevor es zu spät ist den Privattipp, dass die Fähre eine halbe Stunde früher fährt als wir annehmen. Nach einer hektischen halben Stunde stehen wir am Schalter und erfahren, dass die Fähre eine halbe Stunde später fährt als im Internet angegeben. So läuft das hier, auch Chile liegt in Südamerika. Die Passage besteht aus zwei Fährstrecken und einer 10 km langen Strecke über Land dazwischen. Für die 10 km Schotterstrasse mit Auf und Ab bleiben uns gemäss Fahrplan 30 Minuten. Die Person hinter dem Schalter interessiert sich herzlich wenig für unsere Rechnung mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von Autos und Velos und den daraus folgenden Schluss, dass wir wohl die zweite Fähre verpassen. Zum Glück fährt hier jeder ein Pickup (so kann man auch gut mal eine Schaufel transportieren, die hat ja in einem normalen Auto kein Platz), und wir finden ein Opfer, welches unsere Velos über die kurze Landpassage transportiert. Die Fahrt mit der Fahre geht durch schöne Landschaft, überall Wald, im Hintergrund Berge, wieder könnte es auch Norwegen sein. Wir sind fast den ganzen Tag mit den zwei Fähren unterwegs, und am späten Nachmittag erreichen wir Caleta Gonzalo. Hier liegt der Eingang zum Pumalin-Park. Wir organisieren uns eine Karte, und rollen noch einige Meter bis zum laut unserem Reiseführer schönsten Campingplatz von ganz Chile. Das war mit rund 2 km Velostrecke ein ganz schön anstrengender Tag, darum lassen wir uns diesen Camping nicht entgehen! Er liegt wirklich sehr schön mitten im Wald, kleine Holzstege führen durch das dunkle Unterholz, zu Lichtungen mit weichem Gras und riesigem Farn und Nalca-Pflanzen. Die Nalcapflanzen sehen aus wie gen-manipulierter Rabarber, scheinbar sogar damit verwandt und essbar. Wir werden das selbstverständlich bei Gelegenheit testen und auf dem Benzinkocher einen Riesenrabarber-Kuchen kochen.
Anstatt Rabarber-Kuchen gibts heute aber Reis mit Bohnen und Ruebli. Die Bohnen muessen natuerlich zuerst eingelegt werden, doch wie macht man das wenn man den ganzen Tag mit dem Velo unterwegs ist?
Eher nervenaufreiben ist es, die Bohnen in die Flasche zu kriegen. Die Oeffnung einer Petflasche ist eher klein, da sitzt Martina dann 10 Minuten am Strassenrand und schmeisst Bohne fuer Bohne in die Flasche.
Weiter gehts durch den Park, wir unterbrechen für eine kleine Wanderung (man kann auch darüber diskutieren ob 40 Minuten noch ein Spaziergang ist, oder schon eine ausgewachsene Wanderung. Ihr könnt raten wer von uns welche Position vertreten tut) zu einem kleinen Bestand von Alerce-Bäumen. Wie auch sonst so oft in der glorreichen Geschichte der Menschheit im Umgang mit der Natur wurden diese riesigen Bäume effektiv abgeholzt und fast vernichtet. Die Bäume werden mehrere 1000 Jahre alt, mit Stammdurchmesser zwischen 3 und 5 Meter. Wir stehen klein und still am Fuss dieser Riesen, die schon da standen bevor wir Menschen in Europa auch nur im entferntesten daran dachten nach Südamerika zu kommen um Land und Leute zu unterwerfen und vernichten. Wir fahren, wieder einmal nachdenklich gestimmt, weiter zum nächsten Highlight: dem Vulkan Chaitén. Wir erwarten einen unscheinbaren Hügel, und sind überaus erstaunt als wir das Teil zum ersten Mal sehen. Uns überrascht die grosse Wolke am Krater, zwar weiss weil Wasserdampf, aber gross, so richtig vulkan-mässig.
Man möchte instinktiv umkehren und davon weg fahren, doch auf unserer Infobrochüre steht, dass man in einer Wanderung (1.5 h, also schon einigermassen happig) zum Krater gelangen kann. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, der Vulkan war das letzte Mal 2009 ausgebrochen, das vorletzte Mal lag mehr als 9000 Jahre zurück! Wir können uns noch nicht ganz vorstellen wie wir dort rauf können mit all dem Dampf, doch riskieren wir für ein paar Föteli gerne unser Leben. Wir deponieren unser Gepäck auf dem nahen Zeltplatz und fahren mit dem Rucksack zum Start des Wanderwegs. Der Parkwächter ist nicht anwesend, und der Wanderweg nicht so einfach zu finden. Sonst ist hier immer alles bestens angeschrieben und erklärt, doch da fehlt die Information. Wir bereiten uns für das Schlimmste vor und nehmen viel Schoggi mit. Dazu noch GPS und Stirnlampe. Am Fuss des Vulkans herrscht Zerstörung, der Wald ist über weite Strecken tot, viele Bäume gebrochen oder gefällt. Erdrutsche sind provisorisch von der Strasse gebaggert worden, überall liegt graue Asche. Der Wanderweg ist liebevoll mit der Motorsäge durch die liegenden Baumstämme gefräst, bald gehts ordentlich bergauf. Der Wald ist abrasiert, die grossen Bäume stehen zwar noch, jedoch nur noch Stamm und die dicken Äste. Der Rest ist teils mit Wurzeln ausgerissen oder splitternd gebrochen, die Stämme liegen einige Meter neben den Strünken. Doch ist der Boden dazwischen mit viel jungem Grün bewachsen, und man kann erkennen, das sich die Natur in nur 4 Jahren schon gewaltig erholt hat. Es bleibt kein beklemmendes Gefühl zurück, eher ein zaghafter Optimismus. Alles in Allem eine unglaublich beeindruckende Gegend für uns. Wir keuchen bergauf, steil, und es wird immer karger, die toten Bäume haben in der Zwischenzeit keine Rinde mehr, das ganze sieht aus wie Treibholz. Wir erreichen den Kraterrand, alle Bäume liegen wie ein Haufen Zündhölzli, aber alle schön hangabwärts ausgerichtet.
Die Aussicht ist fantastisch, auf der einen Seite liegt Wald und Meer, auf der anderen Seite erhebt sich in der Mitte des Kraters der Lavadom. Die Geografie des Kraters ist übrigens sehr schön auf unserer Spotkarte zu erkennen, es befindet sich ein Spotpunkt auf dem Kraterrand. Der Krater hat einige Kilometer Durchmesser, und der Lavadom ist riesig. Er füllt den Krater aus und überragt ihn, unten liegt ein kleiner See und Landschaften wie in Starwars. Der Dom dampft, und wir fühlen nun doch etwas Beklommenheit. Zwar hat es hier (leider) keinen glühenden Lavasee (wie das Roman erwartet hat), doch führt einem die Landschaft doch vor Augen wie viel Gewalt hier schlummert.
Wir essen zur Beruhigung Schoggi und warten auf den nächsten Ausbruch. Als die Sonne langsam tiefer geht, machen wir uns auf den Rückweg, drehen uns ab und zu um und kontrollieren, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule hinter uns in den Himmel schiesst. Zum Glück haben wir vorsorglich den Aufstieg mit dem GPS getrackt, so könnten wir auch im Aschenebel wieder zurück zu unserem Zelt finden.
Trotz dem ganz wenig mulmigem Gefühl (es steht schliesslich ein aktiver, rauchender Vulkan 8 km neben dem Zelt) schlafen wir mit müden Beinen bald tief. Am nächsten Tag nehmen wir es gemütlich und sind bald in Chaiten. Wir haben schon einiges gehört und gelesen über dieses Dorf, zweimal komplet evakuiert (2008 und 2009), und jetzt von etwa einem Viertel der ehemaligen Bevölkerung (4000 Leute) wieder bewohnt. Das Dorf wurde teilweise metertief unter Asche begraben, Häuser zerstört, und der Fluss mit Schlamm und Asche floss quer durch das Dorf. Der Strand lag früher gerade vor dem Dorf, heute ist die Bucht um die Flussmündung mit Asche gefüllt und das Meer liegt etwa einen Kilometer weiter aussen. Noch haben wir den zerstörten Teil nicht gesehen, das wollen wir morgen nachholen. Unsere Priorität lag bei Wäsche waschen und einkaufen, doch wissen wir noch nicht wie lange wir hier in diesem Dorf sein werden und wie unsere Pläne zur Weiterreise aussehen.
Damit lassen wir es jetzt auch mit der Textmenge gut sein, je länger wir unterwegs sind, desto weniger können wir uns kurz fassen. Wir haben uns wie immer über zahlreiche Mails gefreut, mit Geschichten von Zuhause. Auch gibs immer mal wieder Leute die Fotos schicken, das ist natürlich auch sehr lustig für uns. Dazu Danke an Alle, welche am Dählenweg-Truthahn-Thanksgiving für uns vor der Kamera posiert haben! Wir sind nun bestens über jeden Schritt bei der Zubereitung informiert und werden das Menü demnächst auf dem Benzinkocher nachkochen.
Soweit sogut. Wir werden in der nächsten Zeit wohl wieder seltener an Orten mit Internet vorbei kommen, ganz grob rechnen wir damit, in etwa 2 Wochen in Coyhaique zu sein, spätestens dort haben wir wieder volle Versorgung. Aber es gibt wohl auch einige Orte dazwischen wo es mal für ein Mail reicht!
Nun zu den wirklich interessanten Dingen. Nach den Ruhetagen in Hornopiren steht uns schon wieder ein eher gemütlicher Tag bevor. Wir, vorausschauend wie wir halt so sind, schauen schon mal im Internet den Fahrplan der Fähre an damit wir entsprechend unseren Wecker programmieren können. Unsere Gastgeberin gibt uns dann kurz bevor es zu spät ist den Privattipp, dass die Fähre eine halbe Stunde früher fährt als wir annehmen. Nach einer hektischen halben Stunde stehen wir am Schalter und erfahren, dass die Fähre eine halbe Stunde später fährt als im Internet angegeben. So läuft das hier, auch Chile liegt in Südamerika. Die Passage besteht aus zwei Fährstrecken und einer 10 km langen Strecke über Land dazwischen. Für die 10 km Schotterstrasse mit Auf und Ab bleiben uns gemäss Fahrplan 30 Minuten. Die Person hinter dem Schalter interessiert sich herzlich wenig für unsere Rechnung mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von Autos und Velos und den daraus folgenden Schluss, dass wir wohl die zweite Fähre verpassen. Zum Glück fährt hier jeder ein Pickup (so kann man auch gut mal eine Schaufel transportieren, die hat ja in einem normalen Auto kein Platz), und wir finden ein Opfer, welches unsere Velos über die kurze Landpassage transportiert. Die Fahrt mit der Fahre geht durch schöne Landschaft, überall Wald, im Hintergrund Berge, wieder könnte es auch Norwegen sein. Wir sind fast den ganzen Tag mit den zwei Fähren unterwegs, und am späten Nachmittag erreichen wir Caleta Gonzalo. Hier liegt der Eingang zum Pumalin-Park. Wir organisieren uns eine Karte, und rollen noch einige Meter bis zum laut unserem Reiseführer schönsten Campingplatz von ganz Chile. Das war mit rund 2 km Velostrecke ein ganz schön anstrengender Tag, darum lassen wir uns diesen Camping nicht entgehen! Er liegt wirklich sehr schön mitten im Wald, kleine Holzstege führen durch das dunkle Unterholz, zu Lichtungen mit weichem Gras und riesigem Farn und Nalca-Pflanzen. Die Nalcapflanzen sehen aus wie gen-manipulierter Rabarber, scheinbar sogar damit verwandt und essbar. Wir werden das selbstverständlich bei Gelegenheit testen und auf dem Benzinkocher einen Riesenrabarber-Kuchen kochen.
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| Riesen-Rabarber Nalca |
Anstatt Rabarber-Kuchen gibts heute aber Reis mit Bohnen und Ruebli. Die Bohnen muessen natuerlich zuerst eingelegt werden, doch wie macht man das wenn man den ganzen Tag mit dem Velo unterwegs ist?
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| Bohnen einlegen einfach gemacht |
Eher nervenaufreiben ist es, die Bohnen in die Flasche zu kriegen. Die Oeffnung einer Petflasche ist eher klein, da sitzt Martina dann 10 Minuten am Strassenrand und schmeisst Bohne fuer Bohne in die Flasche.
Weiter gehts durch den Park, wir unterbrechen für eine kleine Wanderung (man kann auch darüber diskutieren ob 40 Minuten noch ein Spaziergang ist, oder schon eine ausgewachsene Wanderung. Ihr könnt raten wer von uns welche Position vertreten tut) zu einem kleinen Bestand von Alerce-Bäumen. Wie auch sonst so oft in der glorreichen Geschichte der Menschheit im Umgang mit der Natur wurden diese riesigen Bäume effektiv abgeholzt und fast vernichtet. Die Bäume werden mehrere 1000 Jahre alt, mit Stammdurchmesser zwischen 3 und 5 Meter. Wir stehen klein und still am Fuss dieser Riesen, die schon da standen bevor wir Menschen in Europa auch nur im entferntesten daran dachten nach Südamerika zu kommen um Land und Leute zu unterwerfen und vernichten. Wir fahren, wieder einmal nachdenklich gestimmt, weiter zum nächsten Highlight: dem Vulkan Chaitén. Wir erwarten einen unscheinbaren Hügel, und sind überaus erstaunt als wir das Teil zum ersten Mal sehen. Uns überrascht die grosse Wolke am Krater, zwar weiss weil Wasserdampf, aber gross, so richtig vulkan-mässig.
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| Vulkan Chaiten |
Man möchte instinktiv umkehren und davon weg fahren, doch auf unserer Infobrochüre steht, dass man in einer Wanderung (1.5 h, also schon einigermassen happig) zum Krater gelangen kann. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, der Vulkan war das letzte Mal 2009 ausgebrochen, das vorletzte Mal lag mehr als 9000 Jahre zurück! Wir können uns noch nicht ganz vorstellen wie wir dort rauf können mit all dem Dampf, doch riskieren wir für ein paar Föteli gerne unser Leben. Wir deponieren unser Gepäck auf dem nahen Zeltplatz und fahren mit dem Rucksack zum Start des Wanderwegs. Der Parkwächter ist nicht anwesend, und der Wanderweg nicht so einfach zu finden. Sonst ist hier immer alles bestens angeschrieben und erklärt, doch da fehlt die Information. Wir bereiten uns für das Schlimmste vor und nehmen viel Schoggi mit. Dazu noch GPS und Stirnlampe. Am Fuss des Vulkans herrscht Zerstörung, der Wald ist über weite Strecken tot, viele Bäume gebrochen oder gefällt. Erdrutsche sind provisorisch von der Strasse gebaggert worden, überall liegt graue Asche. Der Wanderweg ist liebevoll mit der Motorsäge durch die liegenden Baumstämme gefräst, bald gehts ordentlich bergauf. Der Wald ist abrasiert, die grossen Bäume stehen zwar noch, jedoch nur noch Stamm und die dicken Äste. Der Rest ist teils mit Wurzeln ausgerissen oder splitternd gebrochen, die Stämme liegen einige Meter neben den Strünken. Doch ist der Boden dazwischen mit viel jungem Grün bewachsen, und man kann erkennen, das sich die Natur in nur 4 Jahren schon gewaltig erholt hat. Es bleibt kein beklemmendes Gefühl zurück, eher ein zaghafter Optimismus. Alles in Allem eine unglaublich beeindruckende Gegend für uns. Wir keuchen bergauf, steil, und es wird immer karger, die toten Bäume haben in der Zwischenzeit keine Rinde mehr, das ganze sieht aus wie Treibholz. Wir erreichen den Kraterrand, alle Bäume liegen wie ein Haufen Zündhölzli, aber alle schön hangabwärts ausgerichtet.
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| Aussicht vom Kraterrand |
Die Aussicht ist fantastisch, auf der einen Seite liegt Wald und Meer, auf der anderen Seite erhebt sich in der Mitte des Kraters der Lavadom. Die Geografie des Kraters ist übrigens sehr schön auf unserer Spotkarte zu erkennen, es befindet sich ein Spotpunkt auf dem Kraterrand. Der Krater hat einige Kilometer Durchmesser, und der Lavadom ist riesig. Er füllt den Krater aus und überragt ihn, unten liegt ein kleiner See und Landschaften wie in Starwars. Der Dom dampft, und wir fühlen nun doch etwas Beklommenheit. Zwar hat es hier (leider) keinen glühenden Lavasee (wie das Roman erwartet hat), doch führt einem die Landschaft doch vor Augen wie viel Gewalt hier schlummert.
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| Lavadom im Krater |
Wir essen zur Beruhigung Schoggi und warten auf den nächsten Ausbruch. Als die Sonne langsam tiefer geht, machen wir uns auf den Rückweg, drehen uns ab und zu um und kontrollieren, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule hinter uns in den Himmel schiesst. Zum Glück haben wir vorsorglich den Aufstieg mit dem GPS getrackt, so könnten wir auch im Aschenebel wieder zurück zu unserem Zelt finden.
Trotz dem ganz wenig mulmigem Gefühl (es steht schliesslich ein aktiver, rauchender Vulkan 8 km neben dem Zelt) schlafen wir mit müden Beinen bald tief. Am nächsten Tag nehmen wir es gemütlich und sind bald in Chaiten. Wir haben schon einiges gehört und gelesen über dieses Dorf, zweimal komplet evakuiert (2008 und 2009), und jetzt von etwa einem Viertel der ehemaligen Bevölkerung (4000 Leute) wieder bewohnt. Das Dorf wurde teilweise metertief unter Asche begraben, Häuser zerstört, und der Fluss mit Schlamm und Asche floss quer durch das Dorf. Der Strand lag früher gerade vor dem Dorf, heute ist die Bucht um die Flussmündung mit Asche gefüllt und das Meer liegt etwa einen Kilometer weiter aussen. Noch haben wir den zerstörten Teil nicht gesehen, das wollen wir morgen nachholen. Unsere Priorität lag bei Wäsche waschen und einkaufen, doch wissen wir noch nicht wie lange wir hier in diesem Dorf sein werden und wie unsere Pläne zur Weiterreise aussehen.
Damit lassen wir es jetzt auch mit der Textmenge gut sein, je länger wir unterwegs sind, desto weniger können wir uns kurz fassen. Wir haben uns wie immer über zahlreiche Mails gefreut, mit Geschichten von Zuhause. Auch gibs immer mal wieder Leute die Fotos schicken, das ist natürlich auch sehr lustig für uns. Dazu Danke an Alle, welche am Dählenweg-Truthahn-Thanksgiving für uns vor der Kamera posiert haben! Wir sind nun bestens über jeden Schritt bei der Zubereitung informiert und werden das Menü demnächst auf dem Benzinkocher nachkochen.
Soweit sogut. Wir werden in der nächsten Zeit wohl wieder seltener an Orten mit Internet vorbei kommen, ganz grob rechnen wir damit, in etwa 2 Wochen in Coyhaique zu sein, spätestens dort haben wir wieder volle Versorgung. Aber es gibt wohl auch einige Orte dazwischen wo es mal für ein Mail reicht!
Samstag, 23. November 2013
Seenland
So, da sind wir wieder, bereit euch mit unendlichen Texten über unsern Reisealltag zu versorgen. Die ausufernde Berichterstattung ist wohl nicht jedermans Sache, doch hat es ja auch immer mal wieder ein Föteli. Und "Biudli luege" ist in den meisten Fällen sowieso einfacher, die Landschaften in Text darzustellen hinkt den Fotos meistens nach.
Wir sind jetzt in Hornopiren, einem Dorf auf den ersten Kilometern der Carretera Austral. Doch dazu später, zuerst werden hier gewissenhaft die letzten rund 2 Wochen resümiert:
Argentinien, San Martin de los Andes, wir logieren mit Ely und Bastel in einem Hostel und warten auf besseres Wetter. Wir verstehen uns gut, die Frauen achten darauf, dass sich die Männer auch mal gesund ernähren und die Männer achten darauf, dass uns die Velos auch die restlichen Kilometer bis ans Ende der Welt tragen. Das Gesundheitsprogramm der Frauen zwingt die Männer aber zu heimlichen Einkaufstouren im Supermarkt (getarnt als Besuch im Veloshop), wo Schoggi für Krisenzeiten besorgt werden.
Wir beschliessen, bis auf Weiteres nun zu viert zu radeln, wir haben für die nächsten paar Tage dieselbe Route: die Ruta de los siete Lagos. Eine wunderschöne Strecke durch Wald und vorbei an Seen, immer schön hügelig damit niemand auf die Idee kommt, das sei ein Sonntagsspaziergang.
Wir treffen auf dem Gratiszeltplatz eine Schweizer Familie mit umgebautem Lastwagen (nenei, dä brucht nid so viu Sprit. Di normale Camper bruche ja o so 12 Liter uf 100 Kilometer, üse Lastwage haut gäg di 20 Liter...), wir merken, langsam aber sicher kehren wir definitiv ins Touri-Gebiet zurück, selbst in der Nebensaison trifft man wieder Leute aus aller Welt (oder eben der Schweiz). Einen weiteren Tag verbringen wir auf einem anderen Gratiszeltplatz, weil es in Strömen regnet. Die Temperatur fällt und bald hat es Schneeflocken im Regen. Wir verkriechen uns im Schlafsack und lesen, und erweitern unser Kochrepertoire um selbstgebackenes Brot. Man glaubt es erst wenn man es versucht hat, aber auf einem quasi nicht regulierbaren Benzinkocher lässt sich ganz passables Brot "backen". Nach intensiven Recherchen zu diesem Thema (es gibt auch hier wieder Freaks die es masslos übertreiben und aus mehreren Pfannen, Kies und Alufolie Öfen bauen) stellt sich die Angelegenheit als biresimpu heraus. Mehl, Hefe, Wasser, Fladen daraus, und ab in die Bratpfanne. Hätten wir das doch schon früher versucht, zb. in Bolivien...
Nach und nach zeichnet sich auch ab, welches wohl die bisher prägendsten Abschnitte waren. Immer wieder wenn wir mit Bastel und Ely zurückschauen (auch sie fuhren durch Peru und Bolivien) beginnen wir die Sätze mit "damals auf der Lagunenroute..." oder "Als wir in Bolivien waren...". Und dann folgt irgendeine Räubergeschichte mit Kampf um Leben und Tod im Sandsturm, sinngemäss: Damals in Bolivien, als wir kein Brot mehr hatten und uns deshalb von WC-Papier ernähren mussten...
Schon bald gehts wieder zurück nach Chile. Die Grenzformalitäten bemerken wir kaum noch, wir wissen schon auswendig wo wir unsere Kreuze setzen müssen.
Wir radeln über den Grenzpass, und schon im Aufstieg werden wir auf die grossen Haufen am Strassenrand aufmerksam. Wie von der Strasse geschobener Schnee liegen da Berge von grau-braunem Kies, und auch weiter weg von der Strasse ist der Boden unter einer Schicht von diesem Kies begraben. Aus der Nähe sieht das Zeug aus wie Bimsstein zum Hornhaut an den Füssen wegschaben, halt in Form von Kies. Wir fahren in den Nationalpark Puyehue, in welchem auch der gleichnamige Vulkan steht, und genau der ist auch für die Sauerei zuständig: 2010 gab es mehrere Ausbrüche und das Gerumpel dauerte bis zu Beginn 2013 an. Es gab damals das Gesamtprogramm mit viel Asche, welche vom Wind über Argentinien verteilt wurde, und die wie gewohnt den Flugverkehr störte, und die sogar einmal die Erde umrundete und dann wieder in Chile eintraf.
Die Fotos vom Ausbruch im Nationalpark-Büro sind beeindruckend. Auf der Passhöhe liegt Schnee (wir sind aber auf nur 1300 Meter Höhe!). Wir fahren durch eine bedrückende Landschaft, alle Bäume sind abgestorben.
Haufenweise liegt Asche herum, wie Schnee, doch wird das Zeug niemals schmelzen. Leider ist der Krater und das Gebiet mit Asche und noch rauchenden Lavaströmen eine zweitägige Wanderung entfernt. So lassen wir den toten Wald hinter uns (die Bäume starben aufgrund eines giftigen Stoffs in der Asche). Nach dem Katastrophengebiet um den Vulkan sind wir bald zurück im lieblich grünen Gebiet mit den Seen. Dazwischen liegt kalter Regenwald, mit viel Gruen und viel Nass.
Einen weiteren Regentag verbringen wir in einer Cabaña am See mit essen, schlafen und lesen. Wir sind immer noch mit Bastel und Ely unterwegs, doch rückt die Trennung näher.
In Ensenada schliesslich ist der traurige Moment gekommen, unsere beiden deutschen Velofreunde fahren nach Puerto Montt um ihre arg in Mitleidenschaft gezogene Ausrüstung zu ersetzen, wir zwei aber wollen entlang eines Fjords direkt zur Carretera Austral gelangen. Vor der beeindruckenden Kulisse des Vulkan Osorno machen wir ein Abschiedsfoto, bevor jeder seiner Wege geht.
Der Wetterbericht droht mit Regen und wir wollen die 2 oder 3 trockenen Tage nutzen, um einen grösseren Ort zu erreichen. Nach fast 2 Wochen gemütlichem Reisetempo und kurzen Tagesetappen übernehmen wir uns mit unserer Routen- und Zeitplanung. Wir wollen auf Schotter gegen 80 km und 1000 Höhenmeter pro Tag machen, nur um vor dem Regen Chaiten zu erreichen. Die Strecke entlang dem Fjord könnte in Norwegen liegen, Lachsfarmen, Kühe bis an den Strand, daneben dichter Wald und eine Strasse, die eher anstrengend ist. Steil und grob geschottert bremst es uns wieder gehörig ab. Wir vermissen unsere Reisegefährten, und so versuchen wir den Verlust wegzupedalen.
So erreichen wir dann die Carretera Austral, welche 50 km weiter nördlich in Puerto Montt beginnt. Diese Strasse ist ähnlich bekannt unter den Velofahrern wie die Lagunenroute. Sie führt von Puerto Montt etwa 1300 km durch den Regenwald gegen Süden, bis Villa O'Higgins. Auf dieser Strecke gibt es wieder das volle Wohlfühl-Angebot mit Schotter, Wind und Regen, garniert mit schlechter Versorgungslage und gefährlichem Verkehr. Wir kennen die Unkenrufe, all die Beschreibungen im Internet und den Reiseführern übertreiben masslos. Meistens ist es dann nur halb so schlimm, oder die Berichtschreibenden waren halt einfach Waschlappen. Unsere gestählte Psyche steckt das alles locker weg. So kommt es, dass wir, getrieben von der Wetterprognose, noch nach Hornopiren wollen. Weil wir uns die Küstenroute aber nicht entgehen lassen wollen, nehmen wir 30 Extrakilometer in Kauf. So können wir das verpasste Chiloé kompensieren: herzige Fischerdörfli mit farbigen Fischerbooten am Strand und farbigen Holzschindel-Kirchen. Immer der kritische Blick in die Wolken, es sollte doch regnen? Es fehlt nicht viel und wir ziehen das Regenzeug an obwohl es gar nicht regnet, so fest haben wir uns auf schlechtes Wetter eingestellt! Zurück auf der Carretera verlässt uns langsam die Kraft und wir haben eigentlich keine Lust mehr weiterzufahren, doch hat es hier nichts zu übernachten und es soll ja Regen kommen. Die Strasse ist stark befahren, vorallem fahren die Chilenen hier als ob sie Rallyefahrer wären. Im aufgewirbelten Staub sehen wir noch gerade 10 Meter weit. Schotterstrassen eignen sich gut zum driften, und das lassen auch die Lastwagenfahrer nicht ungenutzt. Als dann ein Kleinlaster neben uns hält, brauchen wir nicht lange zu überlegen und wir wuchten die Velos auf die Ladefläche, quetschen uns auch noch hinten drauf und los gehts, mit 80 km/h (mit dem GPS verifiziert!) rasen wir richtung Hornopiren.
Wir zittern, sei es wegen dem Schotter, oder vor Kälte, oder auch wegen der Angst diese Fahrt nicht zu überleben. Die Steine fliegen meterweit, beim Bremsen zerquetschen uns unsere eigenen Velos. Manchmal kann man im Staub die Umrisse der anderen Verkehrsteilnehmer erkennen. Kurz darauf stehen wir an der Plaza in Hornopiren, 20 geschenkte Kilometer. Unser erster Tag auf der Carretera Austral war keiner -zuerst die Umfahrung entlang der Küste, dann mit dem Lastwagen.
Hier haben wir ein Hostel gefunden, und laut der Wetterprognose regnet es gerade jetzt in Strömen. Was in der Wirklichkeit draussen gar nicht so ist, es scheint sogar ab und zu die Sonne. Wir müssen hier von der wetterbedingten Routenplanung Abschied nehmen, der Regen lässt sich nicht umgehen, doch ist es wohl, wie schon angenommen, nur halb so schlimm und es regnet gar nicht so häufig wie die Prognose sagt! Seis drum, wir müssen den Ruhetag wohl auch geniessen obwohl es gar nicht regnet.
Weiter geht es dann mit der Fähre in den Pumalin-Park und in das vom Vulkanausbruch 2008 zerstörte Chaiten, danach heisst es Kilometer um Kilometer südwärts über die Carretera Austral.
Noch eine kleine Bemerkung zu unserem Spot-Gerät, welches die Position auf der Karte aktualisiert: das Ding funktioniert, doch wird die Übertragung manchmal schwierig. Das Gerät ermittelt unseren Standort mit GPS-Satelliten, das stellt noch kein Problem dar. Anschliessend werden unsere Koordinaten über einen kommerziellen Nachrichtensatelliten ins Internet übertragen.
Die weltweite Abdeckung über die kommerziellen Satelliten ist nicht überall gleich gut, und der Hersteller beschreibt das mit der folgenden Klausel: 96% bis 99% Wahrscheinlichkeit, dass in 20 Minuten eine Nachricht übertragen wird. Praktisch wirkt sich das so aus, dass nur noch etwa die Hälfte bis zwei Drittel unserer Punkte übertragen werden. Die Berge schränken den Empfang weiter ein, und wir können nicht bei jeden Punkt 20 Minuten bei bester Himmelssicht warten. Wir wissen, einige wenige hängen sehr an unserem Positionssignal, interpretiert aber bitte die Standorte nicht als endgültig. Ein Wegpunkt im Meer ohne Aktualisierung in den nächsten Tagen bedeutet nicht, dass wir ertrunken sind!! Auch nicht dass wir mit unseren Velos übers Wasser fahren können. Sondern wahrscheinlich wurde halt einfach das Folgesignal nach der Fährpassage zurück im Wald nicht mehr übertragen.
Wir sind jetzt in Hornopiren, einem Dorf auf den ersten Kilometern der Carretera Austral. Doch dazu später, zuerst werden hier gewissenhaft die letzten rund 2 Wochen resümiert:
Argentinien, San Martin de los Andes, wir logieren mit Ely und Bastel in einem Hostel und warten auf besseres Wetter. Wir verstehen uns gut, die Frauen achten darauf, dass sich die Männer auch mal gesund ernähren und die Männer achten darauf, dass uns die Velos auch die restlichen Kilometer bis ans Ende der Welt tragen. Das Gesundheitsprogramm der Frauen zwingt die Männer aber zu heimlichen Einkaufstouren im Supermarkt (getarnt als Besuch im Veloshop), wo Schoggi für Krisenzeiten besorgt werden.
Wir beschliessen, bis auf Weiteres nun zu viert zu radeln, wir haben für die nächsten paar Tage dieselbe Route: die Ruta de los siete Lagos. Eine wunderschöne Strecke durch Wald und vorbei an Seen, immer schön hügelig damit niemand auf die Idee kommt, das sei ein Sonntagsspaziergang.
Wir treffen auf dem Gratiszeltplatz eine Schweizer Familie mit umgebautem Lastwagen (nenei, dä brucht nid so viu Sprit. Di normale Camper bruche ja o so 12 Liter uf 100 Kilometer, üse Lastwage haut gäg di 20 Liter...), wir merken, langsam aber sicher kehren wir definitiv ins Touri-Gebiet zurück, selbst in der Nebensaison trifft man wieder Leute aus aller Welt (oder eben der Schweiz). Einen weiteren Tag verbringen wir auf einem anderen Gratiszeltplatz, weil es in Strömen regnet. Die Temperatur fällt und bald hat es Schneeflocken im Regen. Wir verkriechen uns im Schlafsack und lesen, und erweitern unser Kochrepertoire um selbstgebackenes Brot. Man glaubt es erst wenn man es versucht hat, aber auf einem quasi nicht regulierbaren Benzinkocher lässt sich ganz passables Brot "backen". Nach intensiven Recherchen zu diesem Thema (es gibt auch hier wieder Freaks die es masslos übertreiben und aus mehreren Pfannen, Kies und Alufolie Öfen bauen) stellt sich die Angelegenheit als biresimpu heraus. Mehl, Hefe, Wasser, Fladen daraus, und ab in die Bratpfanne. Hätten wir das doch schon früher versucht, zb. in Bolivien...
Nach und nach zeichnet sich auch ab, welches wohl die bisher prägendsten Abschnitte waren. Immer wieder wenn wir mit Bastel und Ely zurückschauen (auch sie fuhren durch Peru und Bolivien) beginnen wir die Sätze mit "damals auf der Lagunenroute..." oder "Als wir in Bolivien waren...". Und dann folgt irgendeine Räubergeschichte mit Kampf um Leben und Tod im Sandsturm, sinngemäss: Damals in Bolivien, als wir kein Brot mehr hatten und uns deshalb von WC-Papier ernähren mussten...
Schon bald gehts wieder zurück nach Chile. Die Grenzformalitäten bemerken wir kaum noch, wir wissen schon auswendig wo wir unsere Kreuze setzen müssen.
Wir radeln über den Grenzpass, und schon im Aufstieg werden wir auf die grossen Haufen am Strassenrand aufmerksam. Wie von der Strasse geschobener Schnee liegen da Berge von grau-braunem Kies, und auch weiter weg von der Strasse ist der Boden unter einer Schicht von diesem Kies begraben. Aus der Nähe sieht das Zeug aus wie Bimsstein zum Hornhaut an den Füssen wegschaben, halt in Form von Kies. Wir fahren in den Nationalpark Puyehue, in welchem auch der gleichnamige Vulkan steht, und genau der ist auch für die Sauerei zuständig: 2010 gab es mehrere Ausbrüche und das Gerumpel dauerte bis zu Beginn 2013 an. Es gab damals das Gesamtprogramm mit viel Asche, welche vom Wind über Argentinien verteilt wurde, und die wie gewohnt den Flugverkehr störte, und die sogar einmal die Erde umrundete und dann wieder in Chile eintraf.
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| Vulkan Puyehue |
Die Fotos vom Ausbruch im Nationalpark-Büro sind beeindruckend. Auf der Passhöhe liegt Schnee (wir sind aber auf nur 1300 Meter Höhe!). Wir fahren durch eine bedrückende Landschaft, alle Bäume sind abgestorben.
Haufenweise liegt Asche herum, wie Schnee, doch wird das Zeug niemals schmelzen. Leider ist der Krater und das Gebiet mit Asche und noch rauchenden Lavaströmen eine zweitägige Wanderung entfernt. So lassen wir den toten Wald hinter uns (die Bäume starben aufgrund eines giftigen Stoffs in der Asche). Nach dem Katastrophengebiet um den Vulkan sind wir bald zurück im lieblich grünen Gebiet mit den Seen. Dazwischen liegt kalter Regenwald, mit viel Gruen und viel Nass.
Einen weiteren Regentag verbringen wir in einer Cabaña am See mit essen, schlafen und lesen. Wir sind immer noch mit Bastel und Ely unterwegs, doch rückt die Trennung näher.
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| Vulkan Osorno |
In Ensenada schliesslich ist der traurige Moment gekommen, unsere beiden deutschen Velofreunde fahren nach Puerto Montt um ihre arg in Mitleidenschaft gezogene Ausrüstung zu ersetzen, wir zwei aber wollen entlang eines Fjords direkt zur Carretera Austral gelangen. Vor der beeindruckenden Kulisse des Vulkan Osorno machen wir ein Abschiedsfoto, bevor jeder seiner Wege geht.
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| Bastel, Ely, Martina, Roman |
Der Wetterbericht droht mit Regen und wir wollen die 2 oder 3 trockenen Tage nutzen, um einen grösseren Ort zu erreichen. Nach fast 2 Wochen gemütlichem Reisetempo und kurzen Tagesetappen übernehmen wir uns mit unserer Routen- und Zeitplanung. Wir wollen auf Schotter gegen 80 km und 1000 Höhenmeter pro Tag machen, nur um vor dem Regen Chaiten zu erreichen. Die Strecke entlang dem Fjord könnte in Norwegen liegen, Lachsfarmen, Kühe bis an den Strand, daneben dichter Wald und eine Strasse, die eher anstrengend ist. Steil und grob geschottert bremst es uns wieder gehörig ab. Wir vermissen unsere Reisegefährten, und so versuchen wir den Verlust wegzupedalen.
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| Schwarzwaelder-Torte auf chilenisch |
So erreichen wir dann die Carretera Austral, welche 50 km weiter nördlich in Puerto Montt beginnt. Diese Strasse ist ähnlich bekannt unter den Velofahrern wie die Lagunenroute. Sie führt von Puerto Montt etwa 1300 km durch den Regenwald gegen Süden, bis Villa O'Higgins. Auf dieser Strecke gibt es wieder das volle Wohlfühl-Angebot mit Schotter, Wind und Regen, garniert mit schlechter Versorgungslage und gefährlichem Verkehr. Wir kennen die Unkenrufe, all die Beschreibungen im Internet und den Reiseführern übertreiben masslos. Meistens ist es dann nur halb so schlimm, oder die Berichtschreibenden waren halt einfach Waschlappen. Unsere gestählte Psyche steckt das alles locker weg. So kommt es, dass wir, getrieben von der Wetterprognose, noch nach Hornopiren wollen. Weil wir uns die Küstenroute aber nicht entgehen lassen wollen, nehmen wir 30 Extrakilometer in Kauf. So können wir das verpasste Chiloé kompensieren: herzige Fischerdörfli mit farbigen Fischerbooten am Strand und farbigen Holzschindel-Kirchen. Immer der kritische Blick in die Wolken, es sollte doch regnen? Es fehlt nicht viel und wir ziehen das Regenzeug an obwohl es gar nicht regnet, so fest haben wir uns auf schlechtes Wetter eingestellt! Zurück auf der Carretera verlässt uns langsam die Kraft und wir haben eigentlich keine Lust mehr weiterzufahren, doch hat es hier nichts zu übernachten und es soll ja Regen kommen. Die Strasse ist stark befahren, vorallem fahren die Chilenen hier als ob sie Rallyefahrer wären. Im aufgewirbelten Staub sehen wir noch gerade 10 Meter weit. Schotterstrassen eignen sich gut zum driften, und das lassen auch die Lastwagenfahrer nicht ungenutzt. Als dann ein Kleinlaster neben uns hält, brauchen wir nicht lange zu überlegen und wir wuchten die Velos auf die Ladefläche, quetschen uns auch noch hinten drauf und los gehts, mit 80 km/h (mit dem GPS verifiziert!) rasen wir richtung Hornopiren.
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| Carretera Austral |
Wir zittern, sei es wegen dem Schotter, oder vor Kälte, oder auch wegen der Angst diese Fahrt nicht zu überleben. Die Steine fliegen meterweit, beim Bremsen zerquetschen uns unsere eigenen Velos. Manchmal kann man im Staub die Umrisse der anderen Verkehrsteilnehmer erkennen. Kurz darauf stehen wir an der Plaza in Hornopiren, 20 geschenkte Kilometer. Unser erster Tag auf der Carretera Austral war keiner -zuerst die Umfahrung entlang der Küste, dann mit dem Lastwagen.
Hier haben wir ein Hostel gefunden, und laut der Wetterprognose regnet es gerade jetzt in Strömen. Was in der Wirklichkeit draussen gar nicht so ist, es scheint sogar ab und zu die Sonne. Wir müssen hier von der wetterbedingten Routenplanung Abschied nehmen, der Regen lässt sich nicht umgehen, doch ist es wohl, wie schon angenommen, nur halb so schlimm und es regnet gar nicht so häufig wie die Prognose sagt! Seis drum, wir müssen den Ruhetag wohl auch geniessen obwohl es gar nicht regnet.
Weiter geht es dann mit der Fähre in den Pumalin-Park und in das vom Vulkanausbruch 2008 zerstörte Chaiten, danach heisst es Kilometer um Kilometer südwärts über die Carretera Austral.
Noch eine kleine Bemerkung zu unserem Spot-Gerät, welches die Position auf der Karte aktualisiert: das Ding funktioniert, doch wird die Übertragung manchmal schwierig. Das Gerät ermittelt unseren Standort mit GPS-Satelliten, das stellt noch kein Problem dar. Anschliessend werden unsere Koordinaten über einen kommerziellen Nachrichtensatelliten ins Internet übertragen.
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| Spot |
Die weltweite Abdeckung über die kommerziellen Satelliten ist nicht überall gleich gut, und der Hersteller beschreibt das mit der folgenden Klausel: 96% bis 99% Wahrscheinlichkeit, dass in 20 Minuten eine Nachricht übertragen wird. Praktisch wirkt sich das so aus, dass nur noch etwa die Hälfte bis zwei Drittel unserer Punkte übertragen werden. Die Berge schränken den Empfang weiter ein, und wir können nicht bei jeden Punkt 20 Minuten bei bester Himmelssicht warten. Wir wissen, einige wenige hängen sehr an unserem Positionssignal, interpretiert aber bitte die Standorte nicht als endgültig. Ein Wegpunkt im Meer ohne Aktualisierung in den nächsten Tagen bedeutet nicht, dass wir ertrunken sind!! Auch nicht dass wir mit unseren Velos übers Wasser fahren können. Sondern wahrscheinlich wurde halt einfach das Folgesignal nach der Fährpassage zurück im Wald nicht mehr übertragen.
Montag, 11. November 2013
nach Argentinien
Unser Plan, den Regen im Hotel an uns vorbeiziehen zu lassen, hat nicht ganz funktioniert. Wir brechen auf nach 2 Tagen in Coñaripe, und machen uns auf den Weg nach Argentinien. Wir haben uns eine hübsche Passage durch die Berge ausgesucht: mit der Fähre über den Lago Pirihueico zur Grenze, und dann dem anschliessenden See entlang nach San Martin de los Andes. Zuerst gilt es aber zum Hafen Puerto Fuy zu gelangen. Als wir losfahren regnet es nicht, doch kurze Zeit später setzt ein Dauerregen ein. Egal was uns die Verkäufer in jeglichen Outdoor-Läden versichern, nach einigen Stunden Regen und Anstrengung ist alles nass oder mindestens feucht. GoreTex und all die entsprechenden Technologien versagen früher oder später. Wie soll bei einer komplett nassen Außenschicht noch irgendwelche Feuchtigkeit von innen nach aussen gelangen? Unser Zmittag essen wir stehend, das oberste aus der Saccosche. Wir müssen uns für die folgenden Wochen besser organisieren. Wir durchqueren schönen Wald und erreichen den Lago Neltume, nebelverhangen, grau. Beim ersten Bushäuschen machen wir einen Zwischenstop und untersuchen unsere unteren Kleiderschichten. Kritische Bereiche sind Schultern und Arme, dort hat es durchgedrückt, aber sonst können wir mit den feuchten Flecken leben.
Weiter gehts, weiterhin Schotter, zum Glück grob und mit Steinen, so versinken wir nicht im Schlamm. Auf und ab, wir werden müde und sehen erst am Abend warum: mehr als 1000 Höhenmeter obwohl wir kaum höher sind als am Morgen. Wir finden eine kleine Pension, ein altes Paar nimmt uns auf, der Mann spaltet Holz und macht ein Feuer im Ofen, kurz darauf ist alles mit unseren nassen Sachen zugehängt. Zum Znacht gibts ein Pouletschenkel mit selbstgemachten Pommesfrites. Die ganze Nacht prasselt der Regen aufs Dach, am nächsten Morgen ist endlich Schluss mit dem nassen Intermezzo, und wir fahren bei Sonnenschein an die Mole wo die Fähre wartet. Dort treffen wir kurz vor der Abfahrt Ely und Bastel aus Deutschland, welche die letzten 3 Tage Hudelwetter im Zelt durchgestanden haben. Wir machen uns nach der Fährpassage gemeinsam auf den Weg nach San Martin. Für die beiden anderen ist es eine Rückkehr nach Argentinien, für uns der letzte Grenzübertritt in ein unbekanntes neues Land.
Die Zeltnacht am See beschert uns eine wunderschöne Abendstimmung und Millionen von Raupen, die sich hinterrücks von den Bäumen abseilen und sich über all unsere Ausrüstung verteilen. Wir habens lustig zusammen, die beiden anderen wissen viel von ihrer Weltreise zu erzählen.
Am nächsten Tag erreichen wir schon bald San Martin, und nach der Konsultation des Wetterberichts nehmen wir uns zu viert ein Zimmer in einem Hostel. Uns stehen wieder Wind und Regen bevor, wir machen einen Tag Pause um gewisse administrative Belange aus der Schweiz zu erledigen. Nichts liegt uns hier im Moment ferner als Freizügigkeits-Konten zu eröffnen und über Geldflüsse von Pensionskassengeldern nachzudenken. Wir sind unendlich dankbar für Mänus kompetente Verwaltung von unseren Finanzen, mit Aufatmen lesen wir seine Mails, welche viel "kein Problem" und "ich werde mich darum kümmern" enthalten. Merci Mänu, für all die Anrufe bei Versicherungen, Banken und vorallem bei der Post. Bei einigen Hotlines wird er wohl mit einer Warnung wegen renitentem Verhalten im System gespeichert sein.
Bald gehts weiter, wir können jetzt nicht mehr bei jedem Regenschauer Pause machen denn die häufen sich. Es gibt keine offizielle Grenze zur Region Patagonien, doch taucht diese Bezeichnung hier immer öfters auf. Patagonien, immer mit Wind und Regen im Schlepptau, wenn wir die Carretera Austral bis ans Ende der Welt befahren wollen, gehört das einfach dazu. Verzeiht uns schon jetzt die permanente Erwähnung der Verhältnisse, das gehört wohl in gewissem Mass zur psychischen Verarbeitung.
Bei dieser Gelegenheit, wir haben jetzt schon ein paar mal von euch, geschätzten Lesern, Mails erhalten mit der Frage ob es uns überhaupt Spass macht bei all den Beschreibungen von Schotter, Wind, Regen, Sand und Salz. Das gehört dazu! Klar ist das anstrengend und mühsam, und wenns den ganzen Tag regnet haben wir irgendwann die Nase voll. Und das ist dann halt auch das Thema unter Velölern, die Verhältnisse bestimmen den Alltag. Wir stecken in wechselhaften Gemütszuständen, und das drückt dann im Blog halt durch, im Moment macht das manchmal kein Spass, aber wenn das dann vorbei ist, ist es nur noch halb so schlimm. Wir sind dann stolz darauf es geschafft zu haben, trotz schwierigen Umständen, aber im Blog geht das vielleicht ein bisschen unter. Darum jetzt hier mal zusammenfassend: es macht uns Spass und wir geniessen es sehr, manchmal ist es mühsam, wir leiden, aber das ist schon ok weil das dazu gehört. Macht euch also keine Sorgen wenns mal düster klingt.
Weiter gehts, weiterhin Schotter, zum Glück grob und mit Steinen, so versinken wir nicht im Schlamm. Auf und ab, wir werden müde und sehen erst am Abend warum: mehr als 1000 Höhenmeter obwohl wir kaum höher sind als am Morgen. Wir finden eine kleine Pension, ein altes Paar nimmt uns auf, der Mann spaltet Holz und macht ein Feuer im Ofen, kurz darauf ist alles mit unseren nassen Sachen zugehängt. Zum Znacht gibts ein Pouletschenkel mit selbstgemachten Pommesfrites. Die ganze Nacht prasselt der Regen aufs Dach, am nächsten Morgen ist endlich Schluss mit dem nassen Intermezzo, und wir fahren bei Sonnenschein an die Mole wo die Fähre wartet. Dort treffen wir kurz vor der Abfahrt Ely und Bastel aus Deutschland, welche die letzten 3 Tage Hudelwetter im Zelt durchgestanden haben. Wir machen uns nach der Fährpassage gemeinsam auf den Weg nach San Martin. Für die beiden anderen ist es eine Rückkehr nach Argentinien, für uns der letzte Grenzübertritt in ein unbekanntes neues Land.
Die Zeltnacht am See beschert uns eine wunderschöne Abendstimmung und Millionen von Raupen, die sich hinterrücks von den Bäumen abseilen und sich über all unsere Ausrüstung verteilen. Wir habens lustig zusammen, die beiden anderen wissen viel von ihrer Weltreise zu erzählen.
Am nächsten Tag erreichen wir schon bald San Martin, und nach der Konsultation des Wetterberichts nehmen wir uns zu viert ein Zimmer in einem Hostel. Uns stehen wieder Wind und Regen bevor, wir machen einen Tag Pause um gewisse administrative Belange aus der Schweiz zu erledigen. Nichts liegt uns hier im Moment ferner als Freizügigkeits-Konten zu eröffnen und über Geldflüsse von Pensionskassengeldern nachzudenken. Wir sind unendlich dankbar für Mänus kompetente Verwaltung von unseren Finanzen, mit Aufatmen lesen wir seine Mails, welche viel "kein Problem" und "ich werde mich darum kümmern" enthalten. Merci Mänu, für all die Anrufe bei Versicherungen, Banken und vorallem bei der Post. Bei einigen Hotlines wird er wohl mit einer Warnung wegen renitentem Verhalten im System gespeichert sein.
Bald gehts weiter, wir können jetzt nicht mehr bei jedem Regenschauer Pause machen denn die häufen sich. Es gibt keine offizielle Grenze zur Region Patagonien, doch taucht diese Bezeichnung hier immer öfters auf. Patagonien, immer mit Wind und Regen im Schlepptau, wenn wir die Carretera Austral bis ans Ende der Welt befahren wollen, gehört das einfach dazu. Verzeiht uns schon jetzt die permanente Erwähnung der Verhältnisse, das gehört wohl in gewissem Mass zur psychischen Verarbeitung.
Bei dieser Gelegenheit, wir haben jetzt schon ein paar mal von euch, geschätzten Lesern, Mails erhalten mit der Frage ob es uns überhaupt Spass macht bei all den Beschreibungen von Schotter, Wind, Regen, Sand und Salz. Das gehört dazu! Klar ist das anstrengend und mühsam, und wenns den ganzen Tag regnet haben wir irgendwann die Nase voll. Und das ist dann halt auch das Thema unter Velölern, die Verhältnisse bestimmen den Alltag. Wir stecken in wechselhaften Gemütszuständen, und das drückt dann im Blog halt durch, im Moment macht das manchmal kein Spass, aber wenn das dann vorbei ist, ist es nur noch halb so schlimm. Wir sind dann stolz darauf es geschafft zu haben, trotz schwierigen Umständen, aber im Blog geht das vielleicht ein bisschen unter. Darum jetzt hier mal zusammenfassend: es macht uns Spass und wir geniessen es sehr, manchmal ist es mühsam, wir leiden, aber das ist schon ok weil das dazu gehört. Macht euch also keine Sorgen wenns mal düster klingt.
Donnerstag, 7. November 2013
Nationalpark Conguillo
In Temuco stehen wir fast so früh wie vor dem Roadtrip mit den Velos auf der Strasse vor dem Hotel. Noch schnell etwas einkaufen, dann los, so denken wir. Daraus wird nichts, alles ist geschlossen und vergittert. Sonntag? Nein, es ist Donnerstag. Zu früh? Wir werden aufgeklärt: Feiertag. Was für einer, dass haben wir bis heute nicht herausgefunden. Zum Glück haben wir das meiste schon besorgt. Das haben wir mittlerweile gelernt, niemals, niemals etwas verschieben wenn du es gerade erledigen kannst. Weil das nächste Mal, wenn du dort auftauchst und zb einkaufen willst, ist der Laden geschlossen. Immer. So sind wir auf jeden Fall paar Mal reingefallen in Bolivien und auch Chile, und dann konnten wir nicht mehr einkaufen. Wir erinnern uns jedes Mal an Visviri, wo wir nach der Einreise in Chile kein Essen mehr hatten, den Einkauf vor dem noch offenen Laden aber auf den nächsten Morgen verschoben. "jaja morgen ist offen, kein Problem, ab 9 Uhr". Am nächsten Morgen ist der Ort wie ausgestorben, alle 3 Läden zu und niemand mehr da. Man lernt dazu, auch haben wir später am selben Tag unseres Aufbruchs in Temuco wieder viel gelernt, doch dazu später.
Wir fahren also los, raus aus der Stadt, bald nach Osten, richtung Anden, Vulkane und Nationalparks. Das Wetter ist grau, die Wolken tief, kühl, Gegenwind. Nach 10 Tagen im Auto haben wir das Gefühl mit den Velos an der Strasse zu kleben, es geht nicht vorwärts, uns scheint dass unsere Velos noch schwerer sind als zu Beginn der Lagunenroute. Wir konzentrieren uns auf die Umgebung. Wir fahren durch das schweizer Mittelland, den eher flachen Teil, Landwirtschaft, viel grün, Bäume, Kühe, kleine Dörfli. Zmittag gibt es im Restaurant, wir bestellen einmal Suppe und einmal Empanadas. Roman hat schon Angst es gäbe nur eins oder zwei, doch bringt er am Schluss die 6 frittierten Hackfleisch-Teigtaschen kaum weg. Normalerweise gibt es vor den Empanadas noch die Suppe als Vorspeise. Martina reicht die Suppe als Hauptmahlzeit, denn drin schwimmen ein paar Härdöpfu und ein halbes Huhn.
Seit Tagen schon versuchen wir den Campingführer von Copec, dem (staatlichen?) Tankstellenbetreiber aufzutreiben. In Temuco gibt es 4 Tankstellen von Copec, Martina kennt sie alle nach einer Tankstellentour, und nirgends gibt es diesen Führer. Auch in dem Dorf beim Zmittaghalt werden wir an der Copectankstelle enttäuscht. Der sehr hilfsbereite Chef dort erklärt uns aber gerne wo wir am besten durchfahren sollen. Wir wollen durch den Nationalpark Conguillo, rund um den Vulkan Llaima. Auf unsere Frage nach Campingplätzen auf der Route meint er, wir sollen direkt am Park vorbei zum nächsten grossen Ort, der Vulkan sei langweilig. Unsere Einwände ignoriert er kurzerhand, obwohl wir ihm sagen das wir durch den Park fahren werden, erklärt er uns die Route am Park vorbei. Wir kapitulieren und akzeptieren, der Vulkan ist langweilig, bedanken uns und fahren weiter richtung Park.
Bei den ersten Regenschauern reagieren wir panisch, wir rupfen alles Regenzeug aus den Saccoschen (natürlich zuunterst), und bis wir uns vermummt haben, sind wir nass. 3 Minuten später stoppt der Regen und wir ziehen das Regenzeug wegen der Wärme wieder aus. Immerhin haben wir es beim nächsten Schauer schneller wieder angezogen, da es jetzt hinten auf dem Velo festgemacht ist und nicht ganz unten in den Saccoschen begraben. Mit der Zeit und im Wechselbad zwischen Sonne und Regen entwickelt jeder seine eigene Strategie, Martina behält einfach alles Regenzeug immer an, Roman verzichtet auf alles ausser der Jacke da die Hosen und Tewa sowieso schnell wieder trocknen.
Gegen Abend sind wir dann schon nahe beim Park, doch wird zelten schwierig, entlang der Strasse liegen nur eingezaunte Privatgrundstücke, und die Zäune sind sehr stabil, Brust-bis Kopfhöhe, mit fünf Reihen Stacheldraht, keine Chance mit Velo und Gepäck da drüber um im Wald zu verschwinden. Ein trügerisches Schild mit einem Agro-Camping beschehrt uns einen Umweg und die Einsicht, dass die Touristen-Saison hinten und vorne noch nicht begonnen hat. Doch wir finden einen schönen wilden Zeltplatz, Dank einem Tipp und der Erlaubnis von einer Bäuerin. Neben einer Brücke, auf der Wiese unter Bäumen direkt am Fluss dürfen wir unser Zelt aufstellen. Trotz Romans kritischer Inspektion des Geländes fallen uns die Nachteile unseres Platzes nicht auf, wir stellen auf und kochen, es beginnt wieder zu regnen. Als wir dann bereit sind zum essen, hat der Regen und der Wind zugenommen, und es beginnt zu donnern:ein kleines Gewitter. Alles kein Problem, unser Zelt ist ja stabil und dicht, Martinas einzige Angst ist der Bach neben der Wiese. Nach 5 Minuten Wasserfall aufs Zelt erkennen wir unseren Fehler bei der Zeltplatzwahl, langsam fliesst Wasser in unser Vorzelt und unter das Innenzelt, der See wird immer grösser. Eigentlich ist das kein Problem, Saccoschen und Innenzelt sind ja dicht, auch wenn sie im Wasser stehen, die Frage ist nur, wie hoch steht das Wasser am Schluss? Und wann tritt der Bach über die Ufer? Was macht man in einer solchen Situation? Nun, zuerst einmal fertig essen, wäre schade um das warme Znacht. In der Zwischenzeit ist es aber stockdunkel, und aus dem Zelt sieht man nicht wie schlimm es draussen aussieht. Also Regenkleider montieren, dazu bluttfuss in die Tewa, Stirnlampe, und dann raus in den Sturm. Der Bach ist kein Problem, der bleibt wo er ist, doch das Wasser fliesst schön von rund herum unter unser Zelt, da haben wir schon ein paar Zentimeter. Das ganze Zelt verschieben ist keine Option, zu viel Arbeit und dann wäre alles nass. Also muss das Wasser weg. Roman legt in der nächsten halben Stunde ein äusserst ausgeklügeltes Kanalsystem an, um das Zelt möglichst effektiv zu entwässern, ab dem Moment wo die Seen beginnen abzufliessen, machts dem Roman sogar richtig Spass im strömendem Regen mit einem Stein Gräben zu graben. Nachdem gemäss dem Vorbild Kanderdurchstich der Erdwall durchbrochen ist, zieht die braune Suppe richtung Bach ab, 10 Minuten später ist dank eines Grabens durch unser Vorzelt auch dieses trockengelegt und wir können endlich ins Bett. Was für eine markante Begrüssung zu Beginn der zweiten Hälfte unserer Reise! Sie steht ganz im Zeichen der wohl in Patagonien vorherrschenden Wetterverhältnisse. Doch falls wir unser Zelt nicht wieder so sautumm platzieren, sollte Wind und Regen uns nicht viel anhaben können.
Am nächsten Morgen ist es strahlend blau, alles dampft, Vögeli zwitschern, Kühe muhen, und wir können alles an der Sonne trocknen.
Dann gehts weiter zum ersten Nationalpark, dem ersten von vielen bis Feuerland. Bald können wir endlich den Vulkan Llaima sehen, wir erwarten nichts spektakuläres, schliesslich soll der Vulkan ja total langweilig sein. Wunderschön frisch weiss verschneit steht der zmiz in Araukarienwäldern, halt total langweilig eben, und wir bleiben immer wieder stehen um uns das anzusehen. Die Bäume, Araukarien, werden hier mit diesem Nationalpark geschützt, sie scheinen direkt aus der Dinosaurierzeit zu stammen. Bis zu 50 m hoch, und dann oben ein Dach aus Ästen, sieht von weitem aus wie ein Regenschirm. Die Blätter wachsen wie Schuppen direkt aus den Ästen, so wie bei einer Tanne die Nadeln.
Wir schwitzen tüchtig, es ist steil und die Strasse schon lange nicht mehr geteert, und wir fahren um den langweiligen Vulkan herum. Bis jetzt hat noch nicht viel darauf hingewiesen, dass dies einer der aktivsten Vulkane der Region ist, kein Rauch, keine glühenden Lavaströme, Explosionen, Aschewolken oder dergleichen, wie wir das erwartet haben. Auf der anderen Seite des Passes dann kommen wir aus dem Wald, und vor uns liegt ein riesiger schwarzer Fluss aus kalter Lava, wie ein Gletscher, quer durch die Bäume. Wir sind sehr beeindruckt, es sieht aus als ob das nicht allzu lange her ist. Der schwarze Gletscher zieht sich kilometerlang durch den Wald, und dann die Hänge vom Vulkan hinauf. Bei einer Infotafel erfahren wir, dass dies vom Ausbruch vor etwa 50 Jahren stammt. Entlang der Strasse stehen immer wieder Schilder zur Markierung der Fluchtwege bei einem Ausbruch, daneben immer wieder Schilder mit der aktuellen Einstufung der Gefahr: grün, orange und rot. Spätestens jetzt haben wir das Gefühl, wirklich bei den Vulkanen angekommen zu sein. Zu unserem Glück liegt die letzte Aktivität etwa 10 Jahre zurück, doch noch vorletztes Jahr, als Michu Schüpbach mit dem Velo den Park durchquerte, war die Einstufung auf orange und er durfte nicht im Park übernachten. Jetzt ist er auf grün, die Parkwächter versichern uns "todo tranquillo". Also los, rein in den Park und um den Vulkan!
Wir durchqueren immer wieder Vulcanic Risk Area, die Strasse geht durch riesige Lavazüge, und wir haben immer ein wachsames Auge auf den Vulkan, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule aus dem Krater schiesst. Am Parkeingang merken wir, dass Wochenende ist, es wimmelt von Chilenen, die einen Ausflug in den Park machen. Wir besorgen uns ein Jahresabi für alle Nationalparks in Chile, somit müssen wir nicht bei jedem Park einzeln Eintritt bezahlen. Schade nur, dass sie zu unflexibel sind, uns den zuvor schon gelösten Einzeleintritt im Jahresabi anzurechnen. Wir regen uns dort gutschweizerisch bünzlig auf und wollen unser Geld zurück, da lässt sich aber nichts machen, irgendetwas wegen Quittung und andere Organisation. Ja tja, die Billigländer Peru und Bolivien liegen jetzt definitiv hinter uns. Wir lassen es gut sein und geniessen den wunderschönen Park, bezahlen kommentarlos den schweineteuren Campingplatz am Lago Conguillo nach nur gerade 15 km Tagesstrecke und ruhen uns am See in Gesellschaft von Loïc, einem französischen Weltreise-Tourenfahrer, bei unterhaltsamen Gesprächen aus (loicvelomonde.blogspot.com).
Die Landschaft bleibt weiterhin sehr beeindruckend, wir machen unsere Vulkanumrundung fertig und verlassen am nächsten Tag den Park wieder, im Wissen, dass wir in den kommenden Parks wohl ähnliches zu sehen bekommen werden. Uns solls recht sein, all die grünen Wälder, Wasserfälle, Seen, Kühe und das doch angenehm warme Wetter sind eine schöne Abwechslung zu den vergangenen, halt doch auch sehr schönen Landschaften des Altiplano. Wir fahren in den Frühling, überall blüht und summt es, kräftige Farben, und wir müssen immer wieder mal erniessen ab all den Pollen in der Luft.
Einzig die Suche nach Schlafgelegenheiten ist ein bisschen schwierig, die Touri-Saison hat noch nicht begonnen, und alle Campings sind geschlossen, viele Hotels sind auf Sparbetrieb, Geschäfte geschlossen und Öffnungszeiten eingeschränkt. Bis jetzt haben wir immer etwas gefunden, es hat hier viele Dörfer, doch müssen wir immer etwa um 5 oder 6 Uhr abends noch 10 km mehr machen um halt den nächsten Camping zu erreichen, der dann vielleicht doch geöffnet hat. Wild zelten ist eher mühsam, viel ist Privatgrund und eingezaunt, Kühe drauf, und doch nirgends ein Hof zum fragen. Wir fahren durch das schweizer Mittelland nach Villarica an den ersten der grossen Seen. Von dort ist es nicht weit zum zweiten See, dem Lago Calafquen mit den Ortschaften Lican Ray und Coñaripe. Pucon mit dem Nationalpark Villarica lassen wir aus, hat es dort zwar viel schönes, doch nichts allzu spezielles. In Lican Ray werden wir beim Zmittag am See von einer Seniorengruppe in Beschlag genommen, sie können kaum glauben, dass wir keinen Motor haben und Romans Beine werden darauf vom rüstigen Manuel fachkundig abgetastet. Später, bei der etwa siebenhundertsten Copectankstelle seit Temuco erleben wir ein Wunder: wir können den Campingführer ergattern, sogar aktuell von 2013. Das sollte uns ab und zu das Leben erleichtern. Leider fällt damit aber unser Running Gag bei jeder Tankstelle aus...
Loïc haben wir noch 3 weitere Male getroffen, das letzte Mal in Lican Ray, wo er uns verkündete, dass es ab dem nächsten Tag für 4 Tage regnen wird. Meteoblue.org, unsere bevorzugte Wetterseite (man kann dort fast jeden Ort für Prognosen eingeben) bestätigt den Regen, und wir verschieben die Weiterreise nach San Martin de los Andes aufs Wochenende. Wir erreichen noch gäbig Coñaripe am Ostufer des Lago Calafquen, und finden ein schönes Hotel wo wir die Regenzeit verbringen wollen. Am Abend im noch schönsten Sonnenschein misstrauen wir den Wetterprognosen. Bei der Gelegenheit können wir endlich unsere Veloketten mal richtig putzen, Loïc hatte da ein Spezialtipp: man demontiere die Kette und stopfe sie in ein PET-Fläschli, leere 1 bis 2 dl Benzin dazu, und schüttle das ganze, natürlich bei geschlossenem Deckel, kräftig durch. Seit dieser Aktion bewegen sich die Kettenglieder wieder besser, allerdings kriegten wir so trotzdem nicht den gesamten Rost weg. Dafür ist jetzt unser bolivianisches Benzin endlich aufgebraucht, und wir konnten für den Kocher Reinbenzin auftreiben.
Nun warten wir im Hotel auf besseres Wetter, der Regen kam, mit 3 Stunden Verspätung auf die Prognose, dann doch noch. Aus dem warmen Schlafsack beobachten wir das Hudelwetter durch das Panoramafenster. Falls wir Unterhaltung brauchen, öffnen wir einfach die Türe, dort sitzt seit Stunden und Tagen ein kleines Gränni-Chätzli und will vorallem Roman nicht mehr in Ruhe lassen.
Sobald sich das Wetter bessert, wahrscheinlich morgen, werden wir wohl wieder aufbrechen, nach Puerto Fuy, wo wir bis zur argentinischen Grenze mit einer Fähre über einen fjord-ähnlichen See tuckern werden. Danach erwartet uns die Ruta de los siete Lagos in Argentinien, bevor wir wieder nach Chile zurückkehren.
Wir fahren also los, raus aus der Stadt, bald nach Osten, richtung Anden, Vulkane und Nationalparks. Das Wetter ist grau, die Wolken tief, kühl, Gegenwind. Nach 10 Tagen im Auto haben wir das Gefühl mit den Velos an der Strasse zu kleben, es geht nicht vorwärts, uns scheint dass unsere Velos noch schwerer sind als zu Beginn der Lagunenroute. Wir konzentrieren uns auf die Umgebung. Wir fahren durch das schweizer Mittelland, den eher flachen Teil, Landwirtschaft, viel grün, Bäume, Kühe, kleine Dörfli. Zmittag gibt es im Restaurant, wir bestellen einmal Suppe und einmal Empanadas. Roman hat schon Angst es gäbe nur eins oder zwei, doch bringt er am Schluss die 6 frittierten Hackfleisch-Teigtaschen kaum weg. Normalerweise gibt es vor den Empanadas noch die Suppe als Vorspeise. Martina reicht die Suppe als Hauptmahlzeit, denn drin schwimmen ein paar Härdöpfu und ein halbes Huhn.
Seit Tagen schon versuchen wir den Campingführer von Copec, dem (staatlichen?) Tankstellenbetreiber aufzutreiben. In Temuco gibt es 4 Tankstellen von Copec, Martina kennt sie alle nach einer Tankstellentour, und nirgends gibt es diesen Führer. Auch in dem Dorf beim Zmittaghalt werden wir an der Copectankstelle enttäuscht. Der sehr hilfsbereite Chef dort erklärt uns aber gerne wo wir am besten durchfahren sollen. Wir wollen durch den Nationalpark Conguillo, rund um den Vulkan Llaima. Auf unsere Frage nach Campingplätzen auf der Route meint er, wir sollen direkt am Park vorbei zum nächsten grossen Ort, der Vulkan sei langweilig. Unsere Einwände ignoriert er kurzerhand, obwohl wir ihm sagen das wir durch den Park fahren werden, erklärt er uns die Route am Park vorbei. Wir kapitulieren und akzeptieren, der Vulkan ist langweilig, bedanken uns und fahren weiter richtung Park.
Bei den ersten Regenschauern reagieren wir panisch, wir rupfen alles Regenzeug aus den Saccoschen (natürlich zuunterst), und bis wir uns vermummt haben, sind wir nass. 3 Minuten später stoppt der Regen und wir ziehen das Regenzeug wegen der Wärme wieder aus. Immerhin haben wir es beim nächsten Schauer schneller wieder angezogen, da es jetzt hinten auf dem Velo festgemacht ist und nicht ganz unten in den Saccoschen begraben. Mit der Zeit und im Wechselbad zwischen Sonne und Regen entwickelt jeder seine eigene Strategie, Martina behält einfach alles Regenzeug immer an, Roman verzichtet auf alles ausser der Jacke da die Hosen und Tewa sowieso schnell wieder trocknen.
Gegen Abend sind wir dann schon nahe beim Park, doch wird zelten schwierig, entlang der Strasse liegen nur eingezaunte Privatgrundstücke, und die Zäune sind sehr stabil, Brust-bis Kopfhöhe, mit fünf Reihen Stacheldraht, keine Chance mit Velo und Gepäck da drüber um im Wald zu verschwinden. Ein trügerisches Schild mit einem Agro-Camping beschehrt uns einen Umweg und die Einsicht, dass die Touristen-Saison hinten und vorne noch nicht begonnen hat. Doch wir finden einen schönen wilden Zeltplatz, Dank einem Tipp und der Erlaubnis von einer Bäuerin. Neben einer Brücke, auf der Wiese unter Bäumen direkt am Fluss dürfen wir unser Zelt aufstellen. Trotz Romans kritischer Inspektion des Geländes fallen uns die Nachteile unseres Platzes nicht auf, wir stellen auf und kochen, es beginnt wieder zu regnen. Als wir dann bereit sind zum essen, hat der Regen und der Wind zugenommen, und es beginnt zu donnern:ein kleines Gewitter. Alles kein Problem, unser Zelt ist ja stabil und dicht, Martinas einzige Angst ist der Bach neben der Wiese. Nach 5 Minuten Wasserfall aufs Zelt erkennen wir unseren Fehler bei der Zeltplatzwahl, langsam fliesst Wasser in unser Vorzelt und unter das Innenzelt, der See wird immer grösser. Eigentlich ist das kein Problem, Saccoschen und Innenzelt sind ja dicht, auch wenn sie im Wasser stehen, die Frage ist nur, wie hoch steht das Wasser am Schluss? Und wann tritt der Bach über die Ufer? Was macht man in einer solchen Situation? Nun, zuerst einmal fertig essen, wäre schade um das warme Znacht. In der Zwischenzeit ist es aber stockdunkel, und aus dem Zelt sieht man nicht wie schlimm es draussen aussieht. Also Regenkleider montieren, dazu bluttfuss in die Tewa, Stirnlampe, und dann raus in den Sturm. Der Bach ist kein Problem, der bleibt wo er ist, doch das Wasser fliesst schön von rund herum unter unser Zelt, da haben wir schon ein paar Zentimeter. Das ganze Zelt verschieben ist keine Option, zu viel Arbeit und dann wäre alles nass. Also muss das Wasser weg. Roman legt in der nächsten halben Stunde ein äusserst ausgeklügeltes Kanalsystem an, um das Zelt möglichst effektiv zu entwässern, ab dem Moment wo die Seen beginnen abzufliessen, machts dem Roman sogar richtig Spass im strömendem Regen mit einem Stein Gräben zu graben. Nachdem gemäss dem Vorbild Kanderdurchstich der Erdwall durchbrochen ist, zieht die braune Suppe richtung Bach ab, 10 Minuten später ist dank eines Grabens durch unser Vorzelt auch dieses trockengelegt und wir können endlich ins Bett. Was für eine markante Begrüssung zu Beginn der zweiten Hälfte unserer Reise! Sie steht ganz im Zeichen der wohl in Patagonien vorherrschenden Wetterverhältnisse. Doch falls wir unser Zelt nicht wieder so sautumm platzieren, sollte Wind und Regen uns nicht viel anhaben können.
Am nächsten Morgen ist es strahlend blau, alles dampft, Vögeli zwitschern, Kühe muhen, und wir können alles an der Sonne trocknen.
Dann gehts weiter zum ersten Nationalpark, dem ersten von vielen bis Feuerland. Bald können wir endlich den Vulkan Llaima sehen, wir erwarten nichts spektakuläres, schliesslich soll der Vulkan ja total langweilig sein. Wunderschön frisch weiss verschneit steht der zmiz in Araukarienwäldern, halt total langweilig eben, und wir bleiben immer wieder stehen um uns das anzusehen. Die Bäume, Araukarien, werden hier mit diesem Nationalpark geschützt, sie scheinen direkt aus der Dinosaurierzeit zu stammen. Bis zu 50 m hoch, und dann oben ein Dach aus Ästen, sieht von weitem aus wie ein Regenschirm. Die Blätter wachsen wie Schuppen direkt aus den Ästen, so wie bei einer Tanne die Nadeln.
| der langweilige Vulkan |
| Jurassic Parc |
Wir schwitzen tüchtig, es ist steil und die Strasse schon lange nicht mehr geteert, und wir fahren um den langweiligen Vulkan herum. Bis jetzt hat noch nicht viel darauf hingewiesen, dass dies einer der aktivsten Vulkane der Region ist, kein Rauch, keine glühenden Lavaströme, Explosionen, Aschewolken oder dergleichen, wie wir das erwartet haben. Auf der anderen Seite des Passes dann kommen wir aus dem Wald, und vor uns liegt ein riesiger schwarzer Fluss aus kalter Lava, wie ein Gletscher, quer durch die Bäume. Wir sind sehr beeindruckt, es sieht aus als ob das nicht allzu lange her ist. Der schwarze Gletscher zieht sich kilometerlang durch den Wald, und dann die Hänge vom Vulkan hinauf. Bei einer Infotafel erfahren wir, dass dies vom Ausbruch vor etwa 50 Jahren stammt. Entlang der Strasse stehen immer wieder Schilder zur Markierung der Fluchtwege bei einem Ausbruch, daneben immer wieder Schilder mit der aktuellen Einstufung der Gefahr: grün, orange und rot. Spätestens jetzt haben wir das Gefühl, wirklich bei den Vulkanen angekommen zu sein. Zu unserem Glück liegt die letzte Aktivität etwa 10 Jahre zurück, doch noch vorletztes Jahr, als Michu Schüpbach mit dem Velo den Park durchquerte, war die Einstufung auf orange und er durfte nicht im Park übernachten. Jetzt ist er auf grün, die Parkwächter versichern uns "todo tranquillo". Also los, rein in den Park und um den Vulkan!
Wir durchqueren immer wieder Vulcanic Risk Area, die Strasse geht durch riesige Lavazüge, und wir haben immer ein wachsames Auge auf den Vulkan, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule aus dem Krater schiesst. Am Parkeingang merken wir, dass Wochenende ist, es wimmelt von Chilenen, die einen Ausflug in den Park machen. Wir besorgen uns ein Jahresabi für alle Nationalparks in Chile, somit müssen wir nicht bei jedem Park einzeln Eintritt bezahlen. Schade nur, dass sie zu unflexibel sind, uns den zuvor schon gelösten Einzeleintritt im Jahresabi anzurechnen. Wir regen uns dort gutschweizerisch bünzlig auf und wollen unser Geld zurück, da lässt sich aber nichts machen, irgendetwas wegen Quittung und andere Organisation. Ja tja, die Billigländer Peru und Bolivien liegen jetzt definitiv hinter uns. Wir lassen es gut sein und geniessen den wunderschönen Park, bezahlen kommentarlos den schweineteuren Campingplatz am Lago Conguillo nach nur gerade 15 km Tagesstrecke und ruhen uns am See in Gesellschaft von Loïc, einem französischen Weltreise-Tourenfahrer, bei unterhaltsamen Gesprächen aus (loicvelomonde.blogspot.com).
Die Landschaft bleibt weiterhin sehr beeindruckend, wir machen unsere Vulkanumrundung fertig und verlassen am nächsten Tag den Park wieder, im Wissen, dass wir in den kommenden Parks wohl ähnliches zu sehen bekommen werden. Uns solls recht sein, all die grünen Wälder, Wasserfälle, Seen, Kühe und das doch angenehm warme Wetter sind eine schöne Abwechslung zu den vergangenen, halt doch auch sehr schönen Landschaften des Altiplano. Wir fahren in den Frühling, überall blüht und summt es, kräftige Farben, und wir müssen immer wieder mal erniessen ab all den Pollen in der Luft.
| Vulkan Villarica |
Einzig die Suche nach Schlafgelegenheiten ist ein bisschen schwierig, die Touri-Saison hat noch nicht begonnen, und alle Campings sind geschlossen, viele Hotels sind auf Sparbetrieb, Geschäfte geschlossen und Öffnungszeiten eingeschränkt. Bis jetzt haben wir immer etwas gefunden, es hat hier viele Dörfer, doch müssen wir immer etwa um 5 oder 6 Uhr abends noch 10 km mehr machen um halt den nächsten Camping zu erreichen, der dann vielleicht doch geöffnet hat. Wild zelten ist eher mühsam, viel ist Privatgrund und eingezaunt, Kühe drauf, und doch nirgends ein Hof zum fragen. Wir fahren durch das schweizer Mittelland nach Villarica an den ersten der grossen Seen. Von dort ist es nicht weit zum zweiten See, dem Lago Calafquen mit den Ortschaften Lican Ray und Coñaripe. Pucon mit dem Nationalpark Villarica lassen wir aus, hat es dort zwar viel schönes, doch nichts allzu spezielles. In Lican Ray werden wir beim Zmittag am See von einer Seniorengruppe in Beschlag genommen, sie können kaum glauben, dass wir keinen Motor haben und Romans Beine werden darauf vom rüstigen Manuel fachkundig abgetastet. Später, bei der etwa siebenhundertsten Copectankstelle seit Temuco erleben wir ein Wunder: wir können den Campingführer ergattern, sogar aktuell von 2013. Das sollte uns ab und zu das Leben erleichtern. Leider fällt damit aber unser Running Gag bei jeder Tankstelle aus...
Loïc haben wir noch 3 weitere Male getroffen, das letzte Mal in Lican Ray, wo er uns verkündete, dass es ab dem nächsten Tag für 4 Tage regnen wird. Meteoblue.org, unsere bevorzugte Wetterseite (man kann dort fast jeden Ort für Prognosen eingeben) bestätigt den Regen, und wir verschieben die Weiterreise nach San Martin de los Andes aufs Wochenende. Wir erreichen noch gäbig Coñaripe am Ostufer des Lago Calafquen, und finden ein schönes Hotel wo wir die Regenzeit verbringen wollen. Am Abend im noch schönsten Sonnenschein misstrauen wir den Wetterprognosen. Bei der Gelegenheit können wir endlich unsere Veloketten mal richtig putzen, Loïc hatte da ein Spezialtipp: man demontiere die Kette und stopfe sie in ein PET-Fläschli, leere 1 bis 2 dl Benzin dazu, und schüttle das ganze, natürlich bei geschlossenem Deckel, kräftig durch. Seit dieser Aktion bewegen sich die Kettenglieder wieder besser, allerdings kriegten wir so trotzdem nicht den gesamten Rost weg. Dafür ist jetzt unser bolivianisches Benzin endlich aufgebraucht, und wir konnten für den Kocher Reinbenzin auftreiben.
Nun warten wir im Hotel auf besseres Wetter, der Regen kam, mit 3 Stunden Verspätung auf die Prognose, dann doch noch. Aus dem warmen Schlafsack beobachten wir das Hudelwetter durch das Panoramafenster. Falls wir Unterhaltung brauchen, öffnen wir einfach die Türe, dort sitzt seit Stunden und Tagen ein kleines Gränni-Chätzli und will vorallem Roman nicht mehr in Ruhe lassen.
| drei Graennibuessi (eins hat sich rasiert...) |
Sobald sich das Wetter bessert, wahrscheinlich morgen, werden wir wohl wieder aufbrechen, nach Puerto Fuy, wo wir bis zur argentinischen Grenze mit einer Fähre über einen fjord-ähnlichen See tuckern werden. Danach erwartet uns die Ruta de los siete Lagos in Argentinien, bevor wir wieder nach Chile zurückkehren.
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