zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

Rechts im Menu Seiten hat es weitere Infos wie Statistiken, Hoehenprofile und das Post-Archiv.

Wenn ihr mit uns Kontakt aufnehmen wollt, schreibt uns ein E-Mail auf unsere privaten Adressen. Wer diese nicht kennt, benutzt diese Adresse: velo.martina.roman
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Samstag, 31. August 2013

Titicaca-See und nach Bolivien

Zuerst: Wir haben die zweite grosse Etappe geschafft - von Cusco nach La Paz. Die ganzen Eindruecke zu La Paz folgen dann wieder spaeter in einem separaten Eintrag. Wir sind in dieser riesigen Stadt im Casa de Ciclistas untergekommen, doch auch dazu spaeter mehr.

Schon in Puno haben wir einen Wetterumschwung bemerkt, manchmal gabs am Abend Regen oder sogar Hagel, dunkle Wolken zogen auf, die Temperaturen sanken und der Wind nahm zu. Wir sind aber trotzdem von Puno losgeradelt, alles dem Ufer des Titicaca-Sees entlang Richtung Sueden. Im Verlauf des Tages nahm der Wind zu, zum Glueck von Nord, fuer uns also Rueckenwind. Bei der Mittagspause dann wurde es immer grauer, und wir hatten einige Probleme den Kocher in den Windboen in Betrieb zu halten. Waehrend dem Essen dann fings an zu regnen, die Temperaturen sind auf 7 Grad abgestuerzt. Wir haben das erste Mal seit einem Monat schoenem Wetter unsere Regenausruestung hervor gesucht und uns warm eingepackt. Durch Regen und mit starkem Rueckenwind sind wir dann weiter gefahren, doch der Spassfaktor war eher klein und wir haben im naechsten kleinen Staedtchen (Juli) das erstbeste Hospedaje angesteuert. Wir wurden sehr herzlich empfangen, Tisch und Fernseher wurden aus dem Zimmer geraeumt und wir konnten so unsere nassen und dreckigen Velos und Saccoschen rein nehmen. Trotz heisser Dusche wurde uns nach diesem kalten und nassen Tag nicht mehr richtig warm (12 Grad im Zimmer), wir haben im Zimmer gekocht und uns bald in den Schlafsack verzogen.

Der naechste Tag war um einiges besser, der Regen hatte aufgehoert und der Himmel war wieder blau. Der Rueckenwind hat uns weiter Richtung Sueden geschoben, doch schon bald kam die Abzweigung nach Osten, zur bolivianischen Grenze und dem Touristen-Ort Copacabana. Kein einziges Schild gab einen Hinweis auf die nahe Grenze oder die Staedte in Bolivien, wir fuhren bis in das letzte Dorf in Peru, auch dort kein Hinweis das man bald das Land verlaesst. An der Grenze selbst dann ein riesen Volksfest, es war Sonntag. Eher truemmlige Blasmusik, Marktstaende und soviele Leute, dass wir kaum den Polizisten bemerkten, der uns dann zur Migration schickte. Die Formalitaeten waren rasch und unkompliziert erledigt, Ausreisestempel gabs ohne Kommentar. Auf der bolivianischen Seite begruesste uns ein netter Beamter, welcher uns nach einem Blick auf die Velos ohne Probleme 90 Tage Aufenthalt gewaehrte.

Die restlichen peruanischen Soles haben wir gerade dort in Bolivianos getauscht, und nach einigem Rechnen war uns auch der Wechselkurs zu Schweizerfranken klar (1 CHF = 7.4 BOB). Von der Grenze wars nicht mehr weit in das bekannte Touristenstaedtchen Copacabana, welches wir auch schon bald erreichten. Als wir dann das Hostel gefunden haben, waren wir ganz sicher, dass es das von Chrigi empfohlene Hostel Sonia war; an der Eingangstuer prangte gross und unuebersehbar ein gelb-schwarzer YB-Chlaeber. Das es hier wieder touristisch war, merkten wir bald daran, dass wir nicht die einzigen Schweizer waren, doch war uns Copacaban sympatisch weil klein und eher westlich-alternativ. Die Lage ist wunderschoen zwischen zwei Huegeln direkt am Suedufer des Titicaca-Sees, mit (eher klaeglichem) Sandstrand und Mittelmeer-Feeling. Es gab eine Reihe Strand-Beizli mit Liegestuehlen, Bier, Crepes, Pizza und anderem europaeischem Essen. Die Restaurants werden hauptsaechlich von ausgewanderten Hippies gefuehrt, sei es aus Nordamerika oder auch Europa. Trotz der hohen Touristen-Dichte waren die Preise sehr tief, zwei Pizzas mit Bier in einem sehr gemuetlichen Lokal mit Cheminee kosteten gerade mal 10 Franken. Auch fuer das schoene Hostel haben wir nur gerade 12 Franken pro Nacht und Zimmer bezahlt, die Dachterasse bot einen wunderbaren Ausblick ueber Copacabana und den Titicaca-See.


Neben der riesigen Kirche (wo auch irgend eine sehr bekannte schwarze Modonna stehen soll) sind vorallem die zwei Inseln sehr bekannt. Etwa 2 Stunden Schifffahrt entfernt liegen die Islas del Sol y Luna, auf welcher laut der Legende irgend ein Inka-Gott die ersten Menschen (eben die ersten Inkas) ausgesetzt hat. Diese mussten dann von dort aus den Nabel der Welt suchen und dort eine Stadt bauen (Cusco). Nette Geschichte, und weil uns die Insel wegen der Landschaft sehr empfohlen wurde, unternahmen wir einen Tagesausflug dorthin. Der Durchschnitts-Tourist verbringt auch eine Nacht in den teuren Hostels auf der Insel, darauf haben wir aber verzichtet. Nach 2 Stunden Schifffahrt waren wir trotz all unserer Kleider- und GoreTex-Schichten total durchgefrohren, trotz strahlend blauem Wetter mit Sonnenschein. Der Wind und die tiefen Temperaturen trotz Sonne duerfen nicht unterschaetzt werden! Wir haben wieder gemerkt, dass wir uns auf 3800 Meter Hoehe befinden...

Das Nord-Ende der Insel ist ueber einen Wanderweg mit dem Sued-Ende verbunden, die 15 km lassen sich gut in ein paar Stunden erwandern. Trotz Vorwarnung von Chrigi hat uns dann die hinterhaeltige Ticket-Strategie hier wieder genervt. Am Hafen wird dir ein Ticket fuers Schiff verkauft, keinen Hinweis auf weitere Kosten. Man wandert los, nach einigen 100 Metern kommt eine erste Zahlstelle. Man erkauft sich fuer wenig Geld das Recht, durch das Dorf zu wandern, wenig spaeter muss man die Tickets schon wieder vorweisen. Wie soll man ueberhaupt dorthin gelangen ohne Ticket? Egal, so gibts eine Arbeitsstelle mehr... kein 5 km weiter wird einem dann das naechste Ticket verkauft. Uns nervts, dass die Preise nirgends zum voraus ersichtlich sind, wir sind eher knapp bei Kasse. Bei der dritten Zahlstelle dann reklamieren wir, sie seien selber schuld wenn wir hier jetzt nichts mehr bezahlen, schliesslich haben wir nicht genug Geld dabei weil niemand etwas von den Extrakosten gesagt hat. Die Entschuldigung ist, dass es auf der Insel 3 Gemeinden gibt, und jede will natuerlich ihren Teil vom Touristen-Geld. Als ob die nicht genau wuessten wer wieviel Geld verlangt... Jaenu, wir bezahlen und haben danach gerade gar nichts mehr, aus dem ersehnten Bier nach der Wanderung wird nichts. Schlussendlich gehts um kleine Betraege, uns stoert es nicht dass wir bezahlen muessen, sondern dass niemand fruehzeitig informiert wieviel man dann dabei haben muss. Wir armen schweizer Buenzlis...

Die Aussicht auf der Insel ist wunderschoen, wir fuehlen uns wie auf Sardinien. Der See geht im Norden bis zum Horizont, man koennte meinen es sei ein Meer. Im Osten ragen die hohen Gipfel der Cordillera Real auf. Die Farben sind intensiv, es riecht nach Eykaliptusbaeumen. Teilen von uns zweien gefaellt auch die Wanderung, es geht auf und ab ueber die Huegel der Insel.


Obwohl gerade diese Umgebung sehr schoen ist, der Rest der Landschaft um den Titicaca-See war fuer uns nicht so spektakulaer. Die Landschaft erinnert uns eben ans Mittelmeer, doch fehlen die Sandstraende und vorallem die angenehmen Temperaturen. Nie kaeme es uns in den Sinn im See zu baden, auch haben wir immer mehrere Schichten Kleider an. Auch hier ist es im Hostel zwischen 12 und 16 Grad, wir sind froh um unsere Schlafsaecke und die Alpaka-Ergaenzungs-Kleidung. In der Zwischenzeit sind wir beide mit Alpaka-Socken und Alpaka-Pullovern, Roman zusaetzlich mit Alpaka-Kappe und Martina mit Alpaka-Decke ausgestattet.

Nach einem Ruhetag schlug dann das Wetter wieder um, doch laut Wetterbericht sollten keine groesseren Niederschlaege zu erwarten sein. Nach einem Pass erreichen wir die See-Enge zum Ost-Ufer. Auf einer eher abenteuerlich zusammengebastelten Faehre ueberqueren wir die Enge und sind froh sind auf unserem Schiff nur noch zwei Kleinbusse. Die grossen Cars und Lastwagen werden in zum Teil bedenklicher Schieflage mit den Holzfaehren mit Aussenbord-Motor uebergesetzt.


Nach einem weiteren Pass finden wir ein am Abend ein gross angekundigtes Hotel mit Sauna und Schwimmbad am See-Ufer. Den Feldweg runter finden wir dann ein grosses Gebaeude, eher verlassen, Kuehe und Esel drum herum. Der grosse Ess-Saal, die Stuehle auf den Tischen, niemand scheint da zu sein. Die Bauersfrau schreit nach dem schwerhoerigen Lorenzo, welcher uns sehr wortkarg fuer teure 100 Bolivianos ein Zimmer anbietet.Sobald wir das Zimmer gesehen haben steht fest - wir bleiben hier. Das Eckzimmer mit breiter Fensterfront steht direkt am Ufer, zwei Meter weiter aussen steht Schilf und am Horizont die hohen Berge. Es ist zwar ein bisschen staubig, ein paar tote Spinnen auf dem Kopfkissen, doch als wir das Gaestebuch sehen, verstehen wir auch warum - die letzten Gaeste waren vor ungefaehr einem Jahr hier. Wir kochen im Zimmer, mit Aussicht auf den See, und am naechsten Morgen geniessen wir den Sonnenaufgang beim Zmorge. Das war ein schoener Abschied vom Titicaca-See.


Weiter radelten wir mit einem etwas gemischten Gefuehl Richtung La Paz, auch die Berichte ueber El Alto machten uns ein bisschen Angst. Lorenzo vom Hotel hat uns am Morgen noch etwas von Strassenblockade erzaehlt, doch so klar waren seine Angaben nicht. Weg vom See fahren wir durch flaches Gelaende, bis wir an der Zahlstelle auf die ersten Polizisten treffen. Kein Problem, alles ruhig, fahrt nur weiter. Also fuhren wir weiter, obwohl der gesamte restliche Verkehr von den Polizisten auf einen Feldweg umgeleitet wurde. Bald schon war die Strasse durch Steinhaufen blockiert, doch die Gruppe Leute liess uns aber durch. Die gesamte Strasse war auf den nachsten 5 bis 10 km mit Steinbrocken uebersaeaet, und die Blockaden mit Steinhaufen versperrten noch weitere zwei Male die Strasse. Am Ende der Blockade erklaert uns die Polizei, dass zwei Gemeinden Streit wegen Territorialfragen haben. Aha.


Wir waren froh dass wir trotzdem durchgekommen sind. Kurz darauf beginnt El Alto. Dieser Vorort von La Paz ist selbst eine riesige Stadt auf 4100 m Hoehe, wirkt arm und heruntergekommen, doch scheint es uns nicht viel schlimmer als es wir auch schon erlebt haben.


Dann ploetzlich zweigt die Autobahn nach La Paz ab, man steht an einer Gelaendekante und blickt 600 Meter runter auf die riesige Stadt La Paz, welche im Talkessel liegt.


Wir fuhren auf die Autobahn, trotz Velo-Verbot. An der Zahlstelle regierte niemand, also fuhren wir weiter. Die Autobahn hat einen breiten Pannenstreifen, und wir rollen die 12 km ins Zentrum herunter, welches auf nur noch 3600 m liegt. Der Verkehr wird immer dichter, die Haeuser immer hoeher, es hat unglaublich viele Leute. Dann sind wir mitten in La Paz, Hochhaeuser rund um uns, dichter Verkehr. Ein weiteres Mal hilft uns das GPS durch das Chaos, wir fanden das Casa de Ciclistas sofort, wurden eingelassen, und da sind wir nun.


Freitag, 23. August 2013

Puno und die Uros

Auf der Passhoehe lag Puno vor uns. Wir haben ein sehr touristisches Staedtchen erwartet und wurden positiv ueberrascht. Bis auf die zentrale Touristenstrasse am Plaza des Armas scheint Puno doch ein authentisches peruanisches Staedtchen am Titicaca-See zu sein.

Puno am Titicaca-See
Wir wussten schon zuvor bei welchem Hostel wir zuerst vorbeischauen werden, uns wurde das Inka's Rest bereits empfohlen, vorallem mit der Bemerkung "Es hat eine Ueberwachungskamera beim Eingang". Wir haben das Hostel dann auch noch im LonelyPlanet gefunden und das erstnoch unter den guenstigen. Nach einer verkehrstechnisch wieder mal anstrengenden Stadtquerung haben wir das Hostel mit Hilfe des GPS schnell gefunden und wurden einmal mehr positiv ueberrascht. Wir wurden sehr nett empfangen (sogar in englisch!), und das zuvor reservierte Zimmer bildet zusammen mit zwei anderen Zimmern, gemeinsamem Bad und einem Aufenthaltsraum mit Fernsehen, Computer mit Internet, Sofas und Esstischen eine gemuetliche WG. Im Hostel hats mehrere solcher WG's, und auch eine gemeinsame Kueche, Dachterasse und Aufenthaltsraum. Zwar ist das Zimmer etwas teurer als in Cusco, doch wird einem sogar kaltes Bier in die WG serviert, und Zmorge ist auch inklusive. Wir haben natuerlich sofort unser Zimmer mit Saccoschen und Velos vollgestopft, und nach ein paar Stunden herrschte, wie immer in unseren Zimmer, ein grosses Chaos.


Hier in Puno haben wir am gleichen Tag nochmals Chrigi und Luca getroffen, welche schon in Cusco einige heitere Stunden mit uns verbracht haben. Nachdem die beiden in La Paz und Copacabana waren, haben wir sie auf ihrer Rueckreise nach Arequipa getroffen. Nach einem gemeinsamen Bier haben wir dann zusammen eine guenstige Znachtgelegenheit gesucht - die beiden haben sich auf Tiefst-Preise spezialisiert, und so haben wir schlussendlich fuer S/. 1.50 (etwa 50 Rappen) eine gute Suppe, Hauptgang (Reis, Gemuese, Kartoffeln, ein bisschen Fleisch) und Tee verputzt. Danach gabs Kuchen und spaeter noch Kaffe im Hostel, bevor die zwei um 23 Uhr dann zum Busbahnhof aufgebrochen sind.

Roman, Martina, Luca, Christian (man beachte auch das Poster im Hintergrund)
Am naechsten Tag haben wir uns ueber die touristischen Attraktionen hier informiert, sehr bekannt sind die Uros, welche auf kuenstlichen Schilf-Inseln etwa 5 km vor der Kueste leben. Auch soll es zwei weitere natuerliche Inseln geben, auf welchem noch in alter Art und Weise gelebt und Landwirtschaft betrieben wird. Auf die Inseln haben wir verzichtet, wir haben bisher genug authentische Landwirtschaft gesehen, welche die Car-Touristen halt bei der naechtlichen Durchfahrt verpassen. Die Uros mit ihren Schilfinseln war aber ein Halbtages-Ausflug, und nicht sehr teuer, daher stiegen wir am morgen mit gemischten Gefuehlen auf ein Boot, welches uns zu den Uros brachte.Schnell wurden unsere eher schlechten Vorahnungen bestaetigt, die Bewohner und die Inseln sind nur auf die Touristen ausgerichtet. Das ganze war wie Ballenberg im Titicaca-See, wir wurden mit einem Liedchen begruesst und verabschiedet, und der Chef der Insel hat gerade zu Beginn das Programm verkuendet: 25 Minuten Zeit um Souveniers zu kaufen, Fotos zu machen und uns umzusehen, dann eine Fahrt mit dem Schilfboot (kostet zusaetzlich, hat natuerlich vorher niemand erwaehnt) zur Hauptinsel mit weiteren Souvenirs und dem Restaurant. Dort hatten wir 1 Stunde Zeit, danach wurde das naechste Boot entladen und wir mussten wieder zurueck. Das viel uns allerdings nicht allzu schwer. Ein kleiner Trost, und was es fuer uns ertraeglicher gemacht hat: es ist nur ein Teil der Inseln fuer Touristen zugaenglich, und diese Bewohner widmen sich einzig und allein den Touristen und leben von den Einnahmen (halt eben wie Ballenberg). Ein weiterer Teil der Inseln ist nicht zugaenglich, und dort wohnen weitere Uros, welche noch "authentisch" leben, Fischfang betreiben und nicht fuer die Touristen Lieder singen. Auch sind die Inseln insofern "modernisiert", als dass sie auch Solarpanels und somit Strom fuer Radio und Fernsehen haben. Intressant sind natuerlich auch die kuenstlichen Inseln, welche vollstaendig aus Schilf bestehen. Das Schilf wird immer oben nachgelegt, weiter unten im Wasser verrottet das Schilf und bildet einen kompakten Schwimmkoerper, bevor es sich zuunterst dann wieder aufloest. So muss oben immer Schilf nachgelegt werden damit sich die Inseln nicht aufloesen. Auf den Schilfinseln werden mit Holzgeruesten und Schilf-Matten einfache Haeuser gebaut, welche eigentlich ganz gemuetlich aussehen.


Natuerlich existieren auch die Boote aus Schilf, beim "Gespraech" mit zwei Bootbauern hat sich aber gezeigt, dass die "modernen" Schilfboote einen Schwimmkoerper aus PET-Flaschen haben, welche mit Schilf ummantelt werden. Danach wurde Roman darauf hingewiesen, dass er doch sehr schoene, neue Hosen habe, auch das T-Shirt, und der Bootsbauer eher schlechte Kleidung. Ob ich nicht etwas Spenden wolle damit sie PET-Flaschen kaufen koennen. Naja.

Nach dem titicaca'ischen Ballenberg hatten wir wieder genug von den touristischen Teilen und konsentrierten uns eher auf die Maerkte und auf den riesen Supermarkt. Dort gabs Spezialitaeten wie Kaese, Aufschnitt, Milch, Milo und sogar Barilla Pesto, wir (vorallem Roman) konnte nicht wiederstehen und das Zmorge im Hostel wurde entsprechend ergaenzt.

Der naechste Tag wurde als Ruhetag deklariert: Ausschlafen, Essen, Lesen, Blog, ein bisschen Routenplanung, Mails, Einkaufen und Kochen im Hostel. Jetzt machen wir uns fuer die Weiterreise bereit, uns stehen zwei Tage entlang des Sees bevor, dann werden wir die Grenze zu Bolivien ueberqueren und wohl einen weiteren Unterbruch in Copacabana machen. Dort liegen die Isla del Sol und Luna, weitere teure, touristische Hoehepunkte (wir wurden bereits von Chrigi und Luca ueber Preise und Hostels informiert), bevors dann in weiteren zwei bis drei Tagen nach La Paz geht. Daher werden wir uns wohl in ungefaehr einer Woche aus der Millionenstadt in Bolivien melden. Auch werden wir schon bald Maenu treffen, die Planung laeuft, wir freuen uns darauf, ihn in etwa einem Monat im Altiplano begruessen zu koennen!

Donnerstag, 22. August 2013

Über den Abra La Raya in das Altiplano

Der nette Besitzer vom Hostel in Cusco hat bei unserer Abreise irgendetwas von Streik und Demonstration erzaehlt, leider haben wir es nicht so genau verstanden und auf unseren Hinweis, wir seien ja mit dem Velo unterwegs, meinte er, das wird wohl schon in Ordnung sein. Wir fuhren los und direkt in die ersten Strassenblockaden. Diese waren aber mit ein paar Steinen, Pneus und Scherben eher harmlos. Ein Flyer hat uns dann aufgeklaert, man demonstriert fuer tiefere Benzinpreise (daher waren alle Bus-Chauffeure im Streik) und allgemein tiefere Lebenskosten. Die Leute haben uns durchgelassen, bei Autos und Lastwagen wurde kurzum gelueftelet. Uns haben sie das im Spass auch angedroht, als sie aber unser Ziel (Lago Titicaca) erfuhren, haben sie uns durchgewunken. Ausserhalb von Cusco war der Spuk dann auch schon wieder vorbei, und wir konnten eine Bus-freie Strasse Richtung Abra La Raya geniessen.

Kurz vor der Passhoehe bogen wir auf Empfehlung eines argentinischen Velo-Paeaerchens von der Passstrasse ab und fuhren zu den Aguas Medicinales. Der Chef wies uns hinter dem Badehaus einen Platz zum Kochen zu, und wir beendeten unsere Tagesetappe nach 40 km, um den Rest des Tages neben dem Bad und den heissen Quellen zu lesen, bis die Peruaner nach Hause gingen. Spaeter am Nachmittag sind wir dann in das heisse Wasser gestiegen, auf etwa 4160 m Hoehe mit Ausblick auf die Passhoehe.

Bild gross machen, dann sieht man den schwimmenden Roman

Das bis zu geschaetzten 60 Grad heisse Wasser kommt direkt aus dem Boden und fliesst durch kleine Kanaele zum Bad und den privaten Becken im Badehaus. Wir blieben dort im Wasser bis die Sonne unterging, danach stellten wir unser Zelt einige 100 Meter neben den Quellen in wunderschoener Umgebung auf.


Es wurde die bisher kaelteste Nacht, am Morgen zeigte unser Thermometer draussen -10 Grad an. Entsprechend dick angezogen wird dann das Zmorge gegessen, auch bei diesen Temperaturen gibts Ruehrei und Coca-Tee. Sobald die Sonne aufgeht, steigen die Temperaturen wieder, und das gefrohrene Kondenswasser im Zelt verfluechtigt sich schnell. Man muss nur aufpassen, dass man das Zelt nicht zu fest schuettelt, sonst gibts einen Schneesturm. Sehr angenehm wenn man noch im Schlafsack liegt und es einem Eis ins Gesicht regnet.


Bei diesen Temperaturen bleibt Martina so lange wie moeglich im warmen Schlafsack.
Roman wagt sich mit seiner Tarnkappe in die Kaelte und kocht das Z'morge.

Kurz nach dem Abra La Raya (ca 4300 m) sind wir ins Altiplano runter gerollt. Das Altiplano liegt auf ungefaehr 3800 m, und ist eine riesige Hochebene umgeben von kahlen Huegelzuegen. Die Strasse zieht sich oft schnurgerade ueber mehrere Kilometer durch das strohig goldig-gelbe Ichu-Gras.

Achtung Wortspiel: Ein Passfoto!!!

Bewohnt wird das Altiplano (und auch alle anderen laendlichen Gegenden im Hochland) fast ausschliesslich von Indigenas. Sie machen 45% der Bevoelkerung Perus aus. Die meisten Menschen, denen wir hier begegnen, sind Indigenas. Was wir weiter unten berschreiben, hat also fuer uns keinen Seltenheitswert mehr, sondern ist der normale Alltag. Die Indigenas sind die aermste Gesellschaftsschicht Perus. Sie sprechen Quechua, eine Sprache, die fuer uns eher ein bisschen asiatisch toent. Verstehen tun wir natuerlich kein Wort. Rund um den Titicacasee ist ausserdem Aymara (eine andere Sprache) vorherrschend. Die meisten Indigenas sprechen aber auch Spanisch. Allerdings wird seit einigen Jahren Quechua auch als Schulsprache wieder benutzt und gefoerdert. Quechua galt lange als minderwertige Sprache, die als Muttersprache die Zukunftsperspektiven mindert. Dem versucht man nun in Peru entgegenzuwirken. Schon seit Beginn unserer Reise begleiten uns Szenerien, die wir eigentlich sehr gerne fotografieren und in den Blog stellen wuerden. Wir finden aber, dass es nicht richtig waere, diese Menschen und ihr Alltag abzulichten und aufs Internet zu stellen. Zumal die Indigenas uns haeufig sehr reserviert begegnen und in jedem Reisefuehrer steht, dass sie es nicht moegen, wenn sie fotografiert werden. Mit Ausnahme derjenigen indigenen Frauen natuerlich, die einen herausgeputzt und mit einem Laemmchen auf dem Arm in den Strassen Cuscos fragen, ob man sich fuer Geld mit ihnen fotografieren lassen moechte.... Da wir keine Fotos haben, versuchen wir nun, etwas zu beschreiben, was wir tagtaeglich sehen: Vor allem die Frauen (auch die jungen) tragen noch ihre traditionelle Kleidung bestehend aus mehreren (unglaublich vielen) Jupes uebereinander und meist einer Strickjacke. Die langen, schwarzen Haare haben sie zu zwei Zoepfen geflochten, die sie auf dem Ruecken zusammenbinden. Auf dem Kopf tragen sie einen Hut, der manchmal mehr an einen Zylinder, manchmal mehr an eine Melone erinnert. Auf dem Ruecken tragen sie fast immer ein farbiges Tuch, in dem sie alles moegliche mit sich herumtragen. Auch ihre Kinder. Die meisten Indigenas sind Bauern, besitzen ein paar Tiere (Schafe, Alpakas, Rinder, Schweine, Huehner) und betreiben Ackerbau. Dies obwohl der Boden oft sehr karg ist (in der Schweiz waere auf dieser Hoehe ja schliesslich ewiges Eis, hier hats noch ein bisschen Vegetation...). Die Aecker werden mit Holzpfluegen und Sicheln bearbeitet und die ganze Familie hilft mit. Gedroschen wird, indem Esel durch das Getreide getrieben werden.

Nachdem die Berge und die Huegelzuege zurueckgewichen sind, erreichten wir wieder groessere Ortschaften. Die meisten Staedte sind gringofreie, grosse und vorallem dreckige Orte. Wir haben im groessten Verkehrschaos Juliaca durchquert, welches von keinem Reisefuehrer positiv erwaehnt wird. Die Hauptstrasse und das Zentrum waren eine riesige, staubige Baustelle, und zweispurige Strassen konnen gut auch drei- oder vierspurig benutzt werden. Quer durch die Stadt und die Strassen fuehrt auch noch die Zugstrecke Cusco - Puno. Mit Hilfe vom GPS, Polizei und Bauarbeiter haben wir auch diese Stadt durchqueren koennen. In den Aussenbezirken ist es wie haeufig auch sonst an der Hauptstrasse aermlich, dreckig und die Haeuser sehen wie unfertige Baracken aus.


Nach einem kurzen Anstieg konnten wir bereits den Titicaca-See sehen, wenn auch nur schwer in der Ferne hinter Unmengen von Schilf erkennbar. Vom Pass fuhren wir direkt nach Puno hinein, welches zwar ein touristisches Zentrum hat, sonst jedoch authentischer als Cusco wirkt. Wir haben uns im empfohlenen Hostel "Inka's Rest" einquartiert und sofort unser Zimmer mit Saccoschen, Velos und unserem Kram vollgestopft.

Hier in Puno bleiben wir wieder ein paar Tage, auf dem Programm stehen nochmals ein Treffen mit Chrigi und Luca (welche wir ja schon in Cusco getroffen haben), ein Besuch bei den Uros, einkaufen im grossen Supermarkt und ausruhen fuer die naechste Etappe an. Die Eindruecke zu Puno folgen bald.

Donnerstag, 15. August 2013

Cu$co

Cusco ist eine einigermassen grosse Stadt, einen ersten Blick konnten wir bei der Passabfahrt erhaschen.


Das einfache und gute Hostel "Estrellita" ist ein Treffpunkt vieler Tourenfahrer, wir haben bereits einige Eindruecke fuer die naechste Strecke erhalten, vorallem auch fuer die Lagunenroute. 

unser Zimmer ist unten, links der Mitte neben dem Eingang


Wir verbringen die Tage mit ausschlafen (bis 8 Uhr, da wir ja sonst um 6 aufstehen...), danach ein ausgedehntes Zmorge im Innenhof (im Preis inklusive, allerdings mussten wir Margarine und Erdbeer-Konfi mit Kaese, Milch, Schoggipulver, Aufschnitt und Fruchtsaft ergaenzen), danach im Internet-Cafe Blog schreiben, mailen, Buecher fuer den Ebook-Reader auftreiben (Merci Aeschli!!), lesen und Routenplanung und Gespraeche mit den anderen Velofahrern. Wir haben auch versucht einen zweiten Rueckspiegel zu organisieren (wir kennen jetzt alle Fahrrad-Laeden in Cusco), doch leider erfolglos. Das sehr sehr touristische Stadtzentrum mit der ausgedehnten Gringo-Zone haben wir vermieden, ebenso die Sehenswuerdigkeiten. Diese sind sowieso nicht allzu spektakulaer, es hat einige Kirchen, doch diese werden durch die europaeischen bei Weitem uebertroffen. 

Plaza des Armas
Dauern wird man angequatscht, jeder will dir irgend etwas unnoetiges verkaufen, alle wollen dein Geld. Darum haben wir uns hauptsaechlich in den Markthallen der Einheimischen herumgetrieben und dort fuers Znacht eingekauft. Der Fleischmarkt erfordert einen eher starken Magen, die Gemuese- und Gewuerzstaende sehen da schon schoener aus. Dann ist natuerlich ueberall die typisch farbige Kleidung zu haben. Das Znacht kochen wir selber in der Kueche vom Hostel. Weiter haben wir hier in Cusco einen FH-Freund von Roman getroffen (saeli Krummen!), welcher per Bus unterwegs ist. Auch haben wir hier wieder die schweizer Tourenfahrer getroffen, welche uns nach Abancay ueberholt haben, und mit ihnen ein netten Mittag bei Pizza und Pasta verbracht. 

Wir konnten uns hier bei gutem Essen und einigen Bieren (das dunkle peruanische Bier "Cusquena" ist super) und fuer Roman Milch mit Milo (sowas wie Ovo) gut erholen. Der naechste Abschnitt bis zum Titicaca-See ist nicht sehr anspruchsvoll, es gibt nur einen Pass und die Versorgungslage ist gut. Wir rechnen mit 2 bis 3 Wochen bis wir in La Paz einrollen. Dort wurde uns bereits ein Zuhause im Casa de Ciclistas empfohlen. Wir sind gespannt auf Bolivien und die Eindruecke des Altiplano, welches nach dem Pass Abra la Raya beginnt. Spaetestens in Puno (ca 400 km) am Titicaca-See werden wir wohl wieder Internetverbindung haben, wir rechnen damit, in etwa einer Woche dort anzukommen. 

Wir freuen uns immer ueber Mails, wenn ihr also Fragen habt oder uns von zuhause erzaehlen wollt, nur zu! 

Mittwoch, 14. August 2013

Abancay - Cusco

Nach zwei (oder eher nur einem) Ruhetag in Abancay haben wir uns auf den Weg ueber den naechsten Pass gemacht. Leider ist Roman in der letzten Nacht in Abancay die gesamte Darmflora abgestorben (vielleicht wegen den 2 Kilo Pasta mit Carbonara am Abend zuvor), daher sind wir, trotz grosser Motivation nur gerade 6 km weit gekommen (immerhin 300 Hoehenmeter), dann setzte sich Roman an den Strassenrand und war eher suermlig. Zum Glueck hatte es dort gerade ein Hospedaje, das letzte im Aufstieg vor dem Pass, und wir haben dort um 10 Uhr morgens bereits wieder eingeckeckt und Roman ins Bett gesteckt, wo er einen Tag mit Fieber schlafend verbrachte. Die Riesenportion Suppe am Abend (mit allerhand fleischigen und gemuesigen Zusaetzen) und weitere 12 Stunden Schlaf haben die mit einer Kapsel wiederangesiedelte Darmflora fest in ihrem neuen Zuhause verankert, und wir konnten am naechsten Morgen weiterfahren. Bei diesem Unterbruch ueberholten uns Simon und Silvia aus der Schweiz mit dem Velo, die bereits seit Mexiko unterwegs sind und dasselbe Ziel haben wie wir. Wahrscheinlich werden wir sie wieder irgendwo treffen. 

Kurz vor der Passhoehe haben wir wieder mal in groesser Hoehe gezeltet, mit wunderbarem Ausblick ins Tal und beeindruckender Wetterstimmung. Die graue Wand ueber dem Pass hat uns ein bisschen Sorgen gemacht, doch der Wind hat sich schnell wieder gelegt und bis auf ein paar Tropfen Regen in der Nacht blieb alles ruhig. Nach der Passhoehe hatten wir ploetzlich hohe Schneeberge vor uns, unter uns ein fruchtbares Tal mit ersten Ruinen.

  


Dort hat dann auch schon die Gringo-Abzockerei begonnen, einige Steine fuer 10 Soles pro Person waren ein Vorgeschmack auf das heilige Tal und Maccu Piccu. Wir haben dankend verzichtet und fuhren wieder auf 1900 Meter ins Tal des Rio Apurimac runter, wo uns die Sandfliegen zum Znacht erwartet haben. Diese putzigen, kaum erkennbaren winzigen Fliegen fressen einem Loecher in die Haut und hinterlassen kleine Bluterguesse die noch heute jucken. Neben den Sandfliegen gibts noch weitere suesse Tierchen auf dieser Hoehe, wie zum Beispiel Spinnen mit ungefaehr 15 cm Durchmesser, sehr zur Freude Martinas. Wir haben das 33 Grad heisse und feuchte Tal nach einer durchgeschwitzten Nacht gerne wieder richtung naechster Pass verlassen, der Anstieg in dieser Hitze war allerdings auch nicht gerade erholsam.



Dafuer fanden wir weiter oben in einem kleinen Dorf auf dem Spielplatz eine Stelle fuer unser Zelt. Keine 5 Minuten spaeter hatte sich die Dorfjugend ums Zelt versammelt und blieb dort bis lange nach dem Eindunkeln sitzen. Dabei wurde jede unserer Bewegungen ueberwacht und kommentiert, wir konnten uns beim Kochen und Essen kaum entspannen. Nachdem aber jegliche Komponenten am Fahrrad mit den Jungs diskutiert worden war, kehrte dann doch langsam Ruhe ein. Die Strasse neben dem Spielplatz wurde gerade neu aufgeschuettet, so hatten wir am Abend und auch am naechsten Morgen tatkraeftige Unterstuetzung beim Gepaeck tragen durch die Strassenarbeiter.



 Nach einem weiteren Pass kamen wir ins Tal, welches Richtung Cusco fuehrte, auf dem Weg trafen wir auf die Kaeserei Suiza Andino, von der uns schon Michu Schuepbach erzahlt hatte. Wir fanden seinen Eintrag im Gaestebuch, schrieben selbst ein Kommentar und haben ein halbes Kilo Kaese und ebensoviel Joghurt gekauft. In Anta stellte sich dann die Frage, ob wir direkt nach Cusco weiterfahren, oder ob wir doch noch einen Umweg durch das heilige Tal machen und uns Maccu Piccu zu Gemuete fuehren. Nachdem wir schon tagelang immer wieder hin und her gerissen waren, ob wir wirklich dort hin wollen, entschieden wir uns doch fuer Maccu Piccu, und fuhren auf einer Schotterpiste Richtung Urubamba, wo wir ein einfaches Hospedaje ausserhalb der Gringozone fanden. Trotzdem, nachdem wir aus dem rueckstaendigsten und aermsten Teil Perus (Apurimac) in dieses Tal kamen, hatten wir einen kleinen Kulturschock (diesmal den anderen Weg rum). Teure Hotels mit Spa, Lodges, Riverrafting, Mountainbiking, Pizza und alles in Englisch angeschrieben neben den aermlichen peruanischen Lehmbauten. Die Gringos mit den Motorraedern oder in den Touristen-Bussen mussten mit den Fingern auf uns zeigen und Kameras zuecken. Trotzdem fuhren wir am naechsten Morgen nach Ollantaytambo. Dort wollten wir den Zug nach Aguas Caliente nehmen und von dort aus zu Maccu Piccu hochwandern. In Ollantaytambo konnten wir nicht in Erfahrung bringen, ob wir dann auch wirklich Tickets fuer Maccu Piccu erhalten, oder ob wir die in Cusco kaufen mussten. Die Tickets seien begrenzt, andere Schweizer haben uns gesagt, sie haetten 5 Tage in Cusco warten muessen, bis sie ueberhaupt mit dem Zug nach Aguas Caliente fahren konnten. Der Zug von Ollantaytambo nach Aguas Caliente kostet auch nur gerade 150 Dollar pro Person, der Eintritt weitere 50 Dollar. Die selbe Strecke fuer die Einheimischen kostet gerade mal 10 Soles. Die Zuggesellschaft gehoert der europaeischen Orient Express, all das Geld fliesst also sicher nicht zu den armen Peruanern. Uns verging die Lust, hier noch grossen Aufwand zu betreiben (man koennte mit Bus ueber Santa Teresa guenstiger nach Aguas Caliente gelangen), doch da wir nicht wussten ob wir ueberhaupt Tickets fuer Maccu Piccu erhalten, liessen wir unseren Plan fallen, und fuhren das Tal zurueck Richtung Cusco. Nach einer weiteren Nacht in Calca haben wirs per Zufall gerade auf den Sonntagsmarkt in Pisaq getroffen, welcher vor 10 Uhr sogar noch fast gringofrei war. Der Markt war zwar schon touristisch, aber doch schoen und Martina hat sich bei dieser Gelegenheit neu eingekleidet. Mindestens gabs neue Hosen und ein warmes Alpaka-Techeli gegen die kalten Naechte im Altiplano.



Nach einem weiteren Pass lag Cusco vor uns, und wir haben mit Hilfe des GPS sofort unser Hostel gefunden, welches uns vor Abancay von zwei norwegischen Velofahrern empfohlen wurde. Offenbar treffen sich hier die meisten Velofahrer, alles durch Empfehlung von unterwegs und Mund-zu-Mund-Propaganda. Hier in Cusco bleiben wir fuer einige Tage, die Eindruecke dazu folgen noch.

Samstag, 3. August 2013

Über die Anden

Von Nazca gings erst mal 100 km hinauf. Von 600 m auf 4100 m. Wir haben uns Zeit gelassen fuer diesen Aufstieg denn wir hatten ziemlich Respekt vor der Hoehe.... Schlussendlich waren wir nach 2 1/2 Tagen oben. Und spuerten kaum was. Geschlafen haben wir auf 3700 m und das ziemlich problemlos. Ob es an den Unmengen an Cocatee lag, den wir getrunken haben?


Nach einer rasanten Abfahrt schliefen wir ein naechstes Mal in Lucanas in einem einfachen Hospedaje. Es war Nationalfeiertag, das heisst Riesenfiesta im ganzen Dorf. Inlusive Stierkampf.... Stoerte uns allerdings nicht, dass wir den grad verpasst haben. Am naechsten Tag 30 angenehme Kilometer nach Puquio und schon kam der naechste Aufstieg. Mutig schliefen wir kurz unterhalb der Passhoehe im Zelt auf 4100m.


Nach der Passhoehe gelangten wir auf eine wunderschoene Hochebene mit blauen Lagunen und gaaaaaanz vielen Alpakas.
Es ist soooooo flauschig!!!

Allerdings wars ziemlich anstrengend, denn wir waren dauernd auf gut 4500m. Martina hatte ein bisschen Kopfweh und die Lungen mussten auch ziemlich hart arbeiten. Im einzigen Doerfchen auf dieser Hochebene haben wir dann geschlafen. Wir bekamen ein kleines Zimmerchen bei einer Frau, die mit ihren Kindern ein Restaurant betreibt und nebenbei noch dutzende Alpakas besitzt. Wir waren auf jeden Fall froh, hinter den Mauern vor dem beissigen Wind geschuetzt zu sein. Es war auch so noch genug kalt...


Am naechsten Tag fuhren wir nach der Hochebene in ein Tal, nur um dann gleich wieder auf 4500 aufzusteigen und noch einmal eine Nacht auf ueber 4000 m in einem Hospedaje zu schlafen. Nach einer rasanten Abfahrt folgte ein ziemlich langweiliges Tal, das uns schliesslich bis auf 1800 m hinunterfuehrte. Irgendwo mittendrin haben wir in einem einfachen aber sehr sauberen und ordentlichen Hospedaje Unterschlupf gefunden.


Nun sind wir in Abancay, wieder auf 2400 m und erholen uns von der ersten Woche. Wir haben in das Hotel eingecheckt, das im Bike-Fuehrer empfohlen wurde. Und haben nun festgestellt, dass wir im teuersten Gringo-Hotel sind! Teuer heisst: 33 Franken pro Nacht fuer ein Doppelzimmer. Obwohl der Standard nicht viel anders ist als in Nazca, haben wir doch das Gefuehl, dass das hier ein bisschen dekadent ist. Nach allem, was wir in der letzten Woche gesehen haben. Die Einfachheit, in der die Menschen hier und vor allem in grosser Hoehe leben, beeindruckt uns immer wieder. Die Haeuser sind einfache Bauten aus Lehmziegeln, gedeckt mit Wellblech. Der Boden ist haeufig einfach gestampfte Erde und es pfeift durch alle Ritzen rein. Und das bei naechtlichen Minustemperaturen!!!! Huehner, Enten und einmal sogar ein kleines Schaf teilen die Raeume mit den Menschen.

Noch ein paar Eindruecke:
  • Pisco sour, das Nationalgetraenk ist alles andere als gut. 
  • Inka Kola schmeckt wie fluessiges Schlaeckzeug und zwar hochkonzentriert! Roman fands am ersten Tag "zwiespaeltig", am zweiten Tag "gar nicht so schlimm" und faehrt seither nirgends mehr hinauf ohne das Gesoeff.
  • Die Tag sind recht kurz: Hell wirds um 6 Uhr (allerdings will man sich hoch oben wegen der Temperaturen kaum vor 7 Uhr aus dem Zelt wagen) und dunkel wirds auch wieder um 6 Uhr. Und danach bitterkalt....
  • Wir sind definitiv Exoten mit unseren Velos: Esel, Vicuñas und Alpakas zucken nicht mit der Wimper, wenn ein Lastwagen vorbeifaehrt. Kommen aber wir, so suchen sie panikartig das Weite....
  • Peruanisches Essen ist nicht sehr variationsreich. Jedenfalls nicht auf dem Land: Huhn, Reis, Kartoffeln (und zwar beides), fertig. Ach ja, noch Trucha (frittierter Fisch).
  • Ich (Martina) haette nie im Leben gedacht, dass ich je mit Steinen nach Hunden werfen werde. Hier tue ich das aber sehr regelmaessig und ohne viel Mitleid. Wenn 4 bis 5 dieser Koeter aggressiv klaeffend neben meinem Velo herrennen und nach meinem Bein schnappen helfen nur noch Steine im Hosensack. Leider.
  • Und noch was: Merci fuer all die lieben Geburimails!