zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Montag, 2. Dezember 2013

Baustelle

Dass sich die Blogeinträge häufen hat eventuell auch damit zu tun, dass wir hier chronisch unterversorgt sind mit Büchern. An einem Ruhetag wie heute, draussen kalt, windig und regnerisch, liegen wir meist fast den ganzen Tag im Bett und lesen. Da uns aber die Papier-Bücher (also diese richtigen, zum anfassen, total analog) nicht weit reichen, und wir auch nicht eine ganze Bibliothek mitschleppen können, lesen wir halt digitale Bücher auf unserem eBook-Reader. Allerdings haben wir ja nur eins dieser magischen Geräte dabei, also kann auch nur einer von uns zwei lesen. Viel anderes als Blog schreiben bleibt neben essen und schlafen nicht übrig. Die Blogeinträge können wir, wie auch Mails, mit Romans altem Handy schreiben, welches, oh Wunder, sogar W-LAN beherrscht! Wir haben also schon das kleine, überschaubare Dörfli Puyuhuapi inspiziert, eingekauft und uns im Touristen-Info über die lokale Geschichte informiert (von Sudeten-Deutschen 1935 gegruendet), sind wieder zurück in unserem bescheidenen Hostel und Martina hat sich unsere digitale Bibliothek (wir nennen es liebevoll "z Kobo") geschnappt. Bleibt Roman das Handy.

Nach Chaiten ging es in rasendem Tempo weiter, weil seidenfein geteert, bis zum Lago Yelcho. Dort war dann leider wieder Ende Asphalt, und wir lernten das richtige Gesicht der Carretera Austral kennen. Sowieso, die Strasse ist in sehr unterschiedlichen Zuständen, wir werden immer wieder von noch nie gesehenen Stadien der Wandlung überrascht. Das liegt wahrscheinlich an der eher jungen und bewegten Geschichte des Strassenbaus an der Carretera: Wer die Karte von Chile mal angesehen hat, versteht vielleicht das Problem. Der Süden ist etwa 3000 km lang und etwa 200 km oder weniger breit, dazu besteht das Land südlich von Puerto Montt aus Bergen, dichtem Wald, Flüssen und Fjorden. Es gibt hier unten einige wenige kleine Orte wo Menschen leben. Diese Orte waren nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar, oder, 1000 mal schlimmer, über Argentinien. Als sich im Beagle-Konflikt die Stimmung nicht gerade besserte zwischen Chile und Argentinien, beschloss der eher negativ aufgefallene Diktator Pinochet, es braucht eine Strasse um das Land zu einen und Präsenz zu markieren. So begann 1976 der Bau, mit mehr als 10'000 Soldaten. Die Strasse wurde 1988 eröffnet, allerdings noch nicht bis ganz unten. Erst im Jahr 2000 wurde der letzte Abschnitt bis Villa O'Higgins fertig gestellt, wobei die Strasse auf nur etwa einem Viertel asphaltiert ist, sonst aus einer einspurigen Schotterstrasse besteht. Der Spass hat neben einigen Menschenleben etwa 200 Millionen Franken gekostet, und doch wurden damit nur knapp 100'000 Chilenen erreicht. Auch liegt Villa O'Higgins überhaupt nicht am südlichsten Punkt von Chile, es fehlen also noch weitere 1000 km durch noch viel umwegsameres Gelände. Der Bauplan umfasst 9 Fährpassagen und es dauert wohl weitere 20 bis 30 Jahre, bis die Strasse wirklich fertig ist. Das Militär ist bereits emsig am weiterbauen. Auf den nördlichen Abschnitten wird die ehemals einspurige Schotterstrasse momentan auf Doppelspur verbreitert, und anschliessend asphaltiert. Die Chilenen hier bestätigen uns voller Enthusiasmus, dass in etwa 50 Jahren von Puerto Montt bis Villa O'Higgins asphaltiert sein wird.

Karte Carretera Austral (Wikipedia)

Die Anstrengungen, die dazu betrieben werden, bremsen uns sehr bald ab. Nach den 50 asphaltierten Kilometern hinter Chaiten beginnt schon bald eine etwa 80 km lange Baustelle. Das funktioniert so, dass die Strasse einfach verbreitert wird, durch Fels gesprengt und durch den Wald geholzt, und aus den naheliegenden Flüssen wird Kies und Sand aufgeschüttet.



Auf unserer Fahrt durch die Baustelle können wir jeden nötigen Schritt begutachten, immer umschwärmt von riesigen Lastwagen und Bagger, Walzen und diesen Dingern, die die Strasse flach kratzen.



Nach La Junta nehmen die Baustellen ab, und als wir weiter kommen, stellen wir fest, dass ja überhaupt keine Autos unterwegs sind. Warum die Strasse verbreitert und asphaltiert wird ist uns ein Rätsel. Die einzigen anderen Verkehrsteilnehmer sind Touristen, die mit riesigen geländegängigen Wohnwagen an uns vorbei tuckern. Scheinbar haben sie das Gefühl, die Strasse sei kaum zu befahren, alle Motorradfahrer sind mit Helmkamera ausgestattet. Die Gelände-Wohnwagen, Jeeps und Offroad-Motorräder können uns ein bisschen übertrieben vor, wir kommen hier ja sogar mit 60 kg Gewicht und ohne Federgabel vorwärts. Da könnten wir wieder Mal ein Kommentar mit "damals in Bolivien..." starten, dort, wo man im Bachbett fuhr. Sie müssen wohl das Offroad-Feeling noch erleben, bevor die gesamte Carretera Austral asphaltiert ist.

Nun, schön ist es hier, und die Baustelle hat jetzt wohl auch ein Ende. Bald erreichen wir Coihaique, eine der einzigen grösseren Orten im Süden, und damit auch schon etwa die Hälfte der Carretera Austral. Von dort werdet ihr wohl oder übel wieder von uns hören!