zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Donnerstag, 7. November 2013

Nationalpark Conguillo

In Temuco stehen wir fast so früh wie vor dem Roadtrip mit den Velos auf der Strasse vor dem Hotel. Noch schnell etwas einkaufen, dann los, so denken wir. Daraus wird nichts, alles ist geschlossen und vergittert. Sonntag? Nein, es ist Donnerstag. Zu früh? Wir werden aufgeklärt: Feiertag. Was für einer, dass haben wir bis heute nicht herausgefunden. Zum Glück haben wir das meiste schon besorgt. Das haben wir mittlerweile gelernt, niemals, niemals etwas verschieben wenn du es gerade erledigen kannst. Weil das nächste Mal, wenn du dort auftauchst und zb einkaufen willst, ist der Laden geschlossen. Immer. So sind wir auf jeden Fall paar Mal reingefallen in Bolivien und auch Chile, und dann konnten wir nicht mehr einkaufen. Wir erinnern uns jedes Mal an Visviri, wo wir nach der Einreise in Chile kein Essen mehr hatten, den Einkauf vor dem noch offenen Laden aber auf den nächsten Morgen verschoben. "jaja morgen ist offen, kein Problem, ab 9 Uhr". Am nächsten Morgen ist der Ort wie ausgestorben, alle 3 Läden zu und niemand mehr da. Man lernt dazu, auch haben wir später am selben Tag unseres Aufbruchs in Temuco wieder viel gelernt, doch dazu später.

Wir fahren also los, raus aus der Stadt, bald nach Osten, richtung Anden, Vulkane und Nationalparks. Das Wetter ist grau, die Wolken tief, kühl, Gegenwind. Nach 10 Tagen im Auto haben wir das Gefühl mit den Velos an der Strasse zu kleben, es geht nicht vorwärts, uns scheint dass unsere Velos noch schwerer sind als zu Beginn der Lagunenroute. Wir konzentrieren uns auf die Umgebung. Wir fahren durch das schweizer Mittelland, den eher flachen Teil, Landwirtschaft, viel grün, Bäume, Kühe, kleine Dörfli. Zmittag gibt es im Restaurant, wir bestellen einmal Suppe und einmal Empanadas. Roman hat schon Angst es gäbe nur eins oder zwei, doch bringt er am Schluss die 6 frittierten Hackfleisch-Teigtaschen kaum weg. Normalerweise gibt es vor den Empanadas noch die Suppe als Vorspeise. Martina reicht die Suppe als Hauptmahlzeit, denn drin schwimmen ein paar Härdöpfu und ein halbes Huhn.

Seit Tagen schon versuchen wir den Campingführer von Copec, dem (staatlichen?) Tankstellenbetreiber aufzutreiben. In Temuco gibt es 4 Tankstellen von Copec, Martina kennt sie alle nach einer Tankstellentour, und nirgends gibt es diesen Führer. Auch in dem Dorf beim Zmittaghalt werden wir an der Copectankstelle enttäuscht. Der sehr hilfsbereite Chef dort erklärt uns aber gerne wo wir am besten durchfahren sollen. Wir wollen durch den Nationalpark Conguillo, rund um den Vulkan Llaima. Auf unsere Frage nach Campingplätzen auf der Route meint er, wir sollen direkt am Park vorbei zum nächsten grossen Ort, der Vulkan sei langweilig. Unsere Einwände ignoriert er kurzerhand, obwohl wir ihm sagen das wir durch den Park fahren werden, erklärt er uns die Route am Park vorbei. Wir kapitulieren und akzeptieren, der Vulkan ist langweilig, bedanken uns und fahren weiter richtung Park.

Bei den ersten Regenschauern reagieren wir panisch, wir rupfen alles Regenzeug aus den Saccoschen (natürlich zuunterst), und bis wir uns vermummt haben, sind wir nass. 3 Minuten später stoppt der Regen und wir ziehen das Regenzeug wegen der Wärme wieder aus. Immerhin haben wir es beim nächsten Schauer schneller wieder angezogen, da es jetzt hinten auf dem Velo festgemacht ist und nicht ganz unten in den Saccoschen begraben. Mit der Zeit und im Wechselbad zwischen Sonne und Regen entwickelt jeder seine eigene Strategie, Martina behält einfach alles Regenzeug immer an, Roman verzichtet auf alles ausser der Jacke da die Hosen und Tewa sowieso schnell wieder trocknen.

Gegen Abend sind wir dann schon nahe beim Park, doch wird zelten schwierig, entlang der Strasse liegen nur eingezaunte Privatgrundstücke, und die Zäune sind sehr stabil, Brust-bis Kopfhöhe, mit fünf Reihen Stacheldraht, keine Chance mit Velo und Gepäck da drüber um im Wald zu verschwinden. Ein trügerisches Schild mit einem Agro-Camping beschehrt uns einen Umweg und die Einsicht, dass die Touristen-Saison hinten und vorne noch nicht begonnen hat. Doch wir finden einen schönen wilden Zeltplatz, Dank einem Tipp und der Erlaubnis von einer Bäuerin. Neben einer Brücke, auf der Wiese unter Bäumen direkt am Fluss dürfen wir unser Zelt aufstellen. Trotz Romans kritischer Inspektion des Geländes fallen uns die Nachteile unseres Platzes nicht auf, wir stellen auf und kochen, es beginnt wieder zu regnen. Als wir dann bereit sind zum essen, hat der Regen und der Wind zugenommen, und es beginnt zu donnern:ein kleines Gewitter. Alles kein Problem, unser Zelt ist ja stabil und dicht, Martinas einzige Angst ist der Bach neben der Wiese. Nach 5 Minuten Wasserfall aufs Zelt erkennen wir unseren Fehler bei der Zeltplatzwahl, langsam fliesst Wasser in unser Vorzelt und unter das Innenzelt, der See wird immer grösser. Eigentlich ist das kein Problem, Saccoschen und Innenzelt sind ja dicht, auch wenn sie im Wasser stehen, die Frage ist nur, wie hoch steht das Wasser am Schluss? Und wann tritt der Bach über die Ufer? Was macht man in einer solchen Situation? Nun, zuerst einmal fertig essen, wäre schade um das warme Znacht. In der Zwischenzeit ist es aber stockdunkel, und aus dem Zelt sieht man nicht wie schlimm es draussen aussieht. Also Regenkleider montieren, dazu bluttfuss in die Tewa, Stirnlampe, und dann raus in den Sturm. Der Bach ist kein Problem, der bleibt wo er ist, doch das Wasser fliesst schön von rund herum unter unser Zelt, da haben wir schon ein paar Zentimeter. Das ganze Zelt verschieben ist keine Option, zu viel Arbeit und dann wäre alles nass. Also muss das Wasser weg. Roman legt in der nächsten halben Stunde ein äusserst ausgeklügeltes Kanalsystem an, um das Zelt möglichst effektiv zu entwässern, ab dem Moment wo die Seen beginnen abzufliessen, machts dem Roman sogar richtig Spass im strömendem Regen mit einem Stein Gräben zu graben. Nachdem gemäss dem Vorbild Kanderdurchstich der Erdwall durchbrochen ist, zieht die braune Suppe richtung Bach ab, 10 Minuten später ist dank eines Grabens durch unser Vorzelt auch dieses trockengelegt und wir können endlich ins Bett. Was für eine markante Begrüssung zu Beginn der zweiten Hälfte unserer Reise! Sie steht ganz im Zeichen der wohl in Patagonien vorherrschenden Wetterverhältnisse. Doch falls wir unser Zelt nicht wieder so sautumm platzieren, sollte Wind und Regen uns nicht viel anhaben können.

Am nächsten Morgen ist es strahlend blau, alles dampft, Vögeli zwitschern, Kühe muhen, und wir können alles an der Sonne trocknen.


Dann gehts weiter zum ersten Nationalpark, dem ersten von vielen bis Feuerland. Bald können wir endlich den Vulkan Llaima sehen, wir erwarten nichts spektakuläres, schliesslich soll der Vulkan ja total langweilig sein. Wunderschön frisch weiss verschneit steht der zmiz in Araukarienwäldern, halt total langweilig eben, und wir bleiben immer wieder stehen um uns das anzusehen. Die Bäume, Araukarien, werden hier mit diesem Nationalpark geschützt, sie scheinen direkt aus der Dinosaurierzeit zu stammen. Bis zu 50 m hoch, und dann oben ein Dach aus Ästen, sieht von weitem aus wie ein Regenschirm. Die Blätter wachsen wie Schuppen direkt aus den Ästen, so wie bei einer Tanne die Nadeln.

der langweilige Vulkan
Jurassic Parc

Wir schwitzen tüchtig, es ist steil und die Strasse schon lange nicht mehr geteert, und wir fahren um den langweiligen Vulkan herum. Bis jetzt hat noch nicht viel darauf hingewiesen, dass dies einer der aktivsten Vulkane der Region ist, kein Rauch, keine glühenden Lavaströme, Explosionen, Aschewolken oder dergleichen, wie wir das erwartet haben. Auf der anderen Seite des Passes dann kommen wir aus dem Wald, und vor uns liegt ein riesiger schwarzer Fluss aus kalter Lava, wie ein Gletscher, quer durch die Bäume. Wir sind sehr beeindruckt, es sieht aus als ob das nicht allzu lange her ist. Der schwarze Gletscher zieht sich kilometerlang durch den Wald, und dann die Hänge vom Vulkan hinauf. Bei einer Infotafel erfahren wir, dass dies vom Ausbruch vor etwa 50 Jahren stammt. Entlang der Strasse stehen immer wieder Schilder zur Markierung der Fluchtwege bei einem Ausbruch, daneben immer wieder Schilder mit der aktuellen Einstufung der Gefahr: grün, orange und rot. Spätestens jetzt haben wir das Gefühl, wirklich bei den Vulkanen angekommen zu sein. Zu unserem Glück liegt die letzte Aktivität etwa 10 Jahre zurück, doch noch vorletztes Jahr, als Michu Schüpbach mit dem Velo den Park durchquerte, war die Einstufung auf orange und er durfte nicht im Park übernachten. Jetzt ist er auf grün, die Parkwächter versichern uns "todo tranquillo". Also los, rein in den Park und um den Vulkan!


Wir durchqueren immer wieder Vulcanic Risk Area, die Strasse geht durch riesige Lavazüge, und wir haben immer ein wachsames Auge auf den Vulkan, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule aus dem Krater schiesst. Am Parkeingang merken wir, dass Wochenende ist, es wimmelt von Chilenen, die einen Ausflug in den Park machen. Wir besorgen uns ein Jahresabi für alle Nationalparks in Chile, somit müssen wir nicht bei jedem Park einzeln Eintritt bezahlen. Schade nur, dass sie zu unflexibel sind, uns den zuvor schon gelösten Einzeleintritt im Jahresabi anzurechnen. Wir regen uns dort gutschweizerisch bünzlig auf und wollen unser Geld zurück, da lässt sich aber nichts machen, irgendetwas wegen Quittung und andere Organisation. Ja tja, die Billigländer Peru und Bolivien liegen jetzt definitiv hinter uns. Wir lassen es gut sein und geniessen den wunderschönen Park, bezahlen kommentarlos den schweineteuren Campingplatz am Lago Conguillo nach nur gerade 15 km Tagesstrecke und ruhen uns am See in Gesellschaft von Loïc, einem französischen Weltreise-Tourenfahrer, bei unterhaltsamen Gesprächen aus (loicvelomonde.blogspot.com).



Die Landschaft bleibt weiterhin sehr beeindruckend, wir machen unsere Vulkanumrundung fertig und verlassen am nächsten Tag den Park wieder, im Wissen, dass wir in den kommenden Parks wohl ähnliches zu sehen bekommen werden. Uns solls recht sein, all die grünen Wälder, Wasserfälle, Seen, Kühe und das doch angenehm warme Wetter sind eine schöne Abwechslung zu den vergangenen, halt doch auch sehr schönen Landschaften des Altiplano. Wir fahren in den Frühling, überall blüht und summt es, kräftige Farben, und wir müssen immer wieder mal erniessen ab all den Pollen in der Luft.

Vulkan Villarica

Einzig die Suche nach Schlafgelegenheiten ist ein bisschen schwierig, die Touri-Saison hat noch nicht begonnen, und alle Campings sind geschlossen, viele Hotels sind auf Sparbetrieb, Geschäfte geschlossen und Öffnungszeiten eingeschränkt. Bis jetzt haben wir immer etwas gefunden, es hat hier viele Dörfer, doch müssen wir immer etwa um 5 oder 6 Uhr abends noch 10 km mehr machen um halt den nächsten Camping zu erreichen, der dann vielleicht doch geöffnet hat. Wild zelten ist eher mühsam, viel ist Privatgrund und eingezaunt, Kühe drauf, und doch nirgends ein Hof zum fragen. Wir fahren durch das schweizer Mittelland nach Villarica an den ersten der grossen Seen. Von dort ist es nicht weit zum zweiten See, dem Lago Calafquen mit den Ortschaften Lican Ray und Coñaripe. Pucon mit dem Nationalpark Villarica lassen wir aus, hat es dort zwar viel schönes, doch nichts allzu spezielles. In Lican Ray werden wir beim Zmittag am See von einer Seniorengruppe in Beschlag genommen, sie können kaum glauben, dass wir keinen Motor haben und Romans Beine werden darauf vom rüstigen Manuel fachkundig abgetastet. Später, bei der etwa siebenhundertsten Copectankstelle seit Temuco erleben wir ein Wunder: wir können den Campingführer ergattern, sogar aktuell von 2013. Das sollte uns ab und zu das Leben erleichtern. Leider fällt damit aber unser Running Gag bei jeder Tankstelle aus...

Loïc haben wir noch 3 weitere Male getroffen, das letzte Mal in Lican Ray, wo er uns verkündete, dass es ab dem nächsten Tag für 4 Tage regnen wird. Meteoblue.org, unsere bevorzugte Wetterseite (man kann dort fast jeden Ort für Prognosen eingeben) bestätigt den Regen, und wir verschieben die Weiterreise nach San Martin de los Andes aufs Wochenende. Wir erreichen noch gäbig Coñaripe am Ostufer des Lago Calafquen, und finden ein schönes Hotel wo wir die Regenzeit verbringen wollen. Am Abend im noch schönsten Sonnenschein misstrauen wir den Wetterprognosen. Bei der Gelegenheit können wir endlich unsere Veloketten mal richtig putzen, Loïc hatte da ein Spezialtipp: man demontiere die Kette und stopfe sie in ein PET-Fläschli, leere 1 bis 2 dl Benzin dazu, und schüttle das ganze, natürlich bei geschlossenem Deckel, kräftig durch. Seit dieser Aktion bewegen sich die Kettenglieder wieder besser, allerdings kriegten wir so trotzdem nicht den gesamten Rost weg. Dafür ist jetzt unser bolivianisches Benzin endlich aufgebraucht, und wir konnten für den Kocher Reinbenzin auftreiben.

Nun warten wir im Hotel auf besseres Wetter, der Regen kam, mit 3 Stunden Verspätung auf die Prognose, dann doch noch. Aus dem warmen Schlafsack beobachten wir das Hudelwetter durch das Panoramafenster. Falls wir Unterhaltung brauchen, öffnen wir einfach die Türe, dort sitzt seit Stunden und Tagen ein kleines Gränni-Chätzli und will vorallem Roman nicht mehr in Ruhe lassen.

drei Graennibuessi (eins hat sich rasiert...)

Sobald sich das Wetter bessert, wahrscheinlich morgen, werden wir wohl wieder aufbrechen, nach Puerto Fuy, wo wir bis zur argentinischen Grenze mit einer Fähre über einen fjord-ähnlichen See tuckern werden. Danach erwartet uns die Ruta de los siete Lagos in Argentinien, bevor wir wieder nach Chile zurückkehren.