------------------ 7. Dez: Foto-Update in "Baustelle" ------------------
Chaiten - Coihaique
Eine weitere Etappe ist geschafft, und wir sind in Coihaique eingetroffen. Coihaique liegt ungefaehr in der Haelfte zwischen Puerto Montt und Villa O'Higgins, und ist die groesste Stadt an der Carretera Austral in Patagonien. Doch "groesste Stadt" ist relativ, hat doch Coihaique gerade mal 43'000 Einwohner (zum Vergleich: Koeniz hat 39'000 Einwohner, und wir wuerden es wohl eher als Dorf bezeichnen...). Wir koennen uns nicht beklagen, die ueberlebenswichtige Infrastruktur ist vollumfaenglich vorhanden: grosser Supermarkt (endlich wieder Erdnuss-Butter (Roman) und feines Muesli (Martina)!), Internet-Cafe und ein Hostal mit Kueche und W-Lan. Das sind unsere Basis-Ansprueche fuer ein kurze Verschnaufpause. Weiter gibts hier sogar Outdoor-Laeden, Fahrrad-Laeden und andere Touri-Institutionen wie Cafes, Restaurants und Elektronik-Shops (wir ueberlegen ob wir uns nicht doch ein Smartphone kaufen sollen, dann koennten wir ueber W-Lan skypen...). Und nach etwas mehr als 4 Monaten braucht Roman dringend eine Haar-Verkuerzung. Die Peluqueria liegt gerade neben dem Hostel, und Roman ist jetzt wieder sommerlich kurz geschoren. Schliesslich gehts hier gegen den Sommer zu! Was allerdings in krassem Kontrast zu der jetzt doch schon haeufiger vorhandenen Weihnachtsdekoration steht. Vom Samichlous haben wir hier nichts gemerkt, allerdings gabs von daheim Fotos und es wird uns schon ein bisschen heimwehlig ums Herz bei Kerzli, Cacao und Grittibaenzen! Wir haben uns mit einem Grosseinkauf im Supermarkt getroestet, mit einem anstaendigen Bier (hier gibts sogar La Trappe! Und zwar von Lager bis Quadrupel!! gell Tobias...) zum Appero und eben, Erdnussbutter und feinem Muesli. So, genug der einleitenden Worte, wir radeln jetzt im Geiste nochmals die letzten 400 km durch.Der erste Abschnitt bis Puyuhuapi haben wir bereits im letzten Blogeintrag "Baustelle" abgehandelt, doch hier folgt jetzt noch das Bildli vom Yelcho-Gletscher. Wir konnten am Anfang des Wanderwegs zelten, ein eher alternativer, junger Typ wohnt dort in einem kleinen Taetsch-Huesli. Am Morgen stiefelten wir durch den dichten Urwald bis man einen schoenen Ausblick auf den Gletscher hat.
| Gletscher Yelcho |
Die letzte Pause (und den letzten Blogeintrag) haben wir in Puyuhuapi gemacht, einem Dorf, dass erst 1935 von ausgewanderten Sudeten-Deutschen gegruendet und aufgebaut wurde. Die drei grossen, eher europaeisch anmutenden Gruender-Haeuser ueberzeugen uns, dass das nicht nur eine Touristen-Falle ist. Der Himmel ist grau verhangen, ab und zu gibt es Regen. Wir strampeln los, doch fuehlen wir uns nach nur einem Ruhetag irgendwie nicht richtig erholt, in den Beinen zwickts, und es fehlt ein bisschen die Motivation. Nach 6 km fahren wir an den Thermen von Puyuhuapi vorbei. 30 Franken pro Person ist ein wirklich stolzer Preis fuer 3 Steinbecken und gratis Heisswasser aus dem vulkanischen Untergrund. Aber wir haben uns das bis jetzt noch nie geleistet, daher sitzen wir schon bald in kochend heissem Wasser.
| Termas Ventisquero Puyuhuapi |
| Suchbild: wer findet den Gletscher? |
Da sich der Gletscher eher nicht zeigt, foetelen wir halt uns.
| Der Pirat und seine Piratenbraut |
Es liegt auch noch ein kleiner fieser Pass vor uns, doch zuerst zieht sich die Carretera entlang dem Fjord in die Berge. Die Landschaft und die Strasse auf dem Foto ist typisch fuer diesen noerdlichen Teil der Carretera Austral. Das Wetter auch.
| die Strasse in den Regen |
| urspruenglicher Urwald |
Wir sind froh ueber die auesserst informativen Strassenschilder. So sind wir uns sicher, dass wir in die richtige Richtung fahren.
| sehr informativ |
Auf der vielbefahrenen Strasse vor Coihaique veranstalten wir ein kleines Rennen mit der Zeit, es ist Samichlouse-Tag, und Martina moechte noch schnell per Skype ein Grittibaenz aus dem Duerrenboden probieren. Zum Glueck schiebt uns ein kraeftiger Rueckenwind durch das Tal, doch der Pass vor der Stadt laesst uns merken, wie noetig wir eine Verschnaufspause haben. Auf der Passhoehe stehen 3 Windraeder. Scheinbar windet es hier oefters. Auch schoen sind die weiten gruenen Grasflaechen rund um Coihaique. Die Brandrodung bei der Besiedlung des Gebiets geriet, wer haette das gedacht bei diesem Wind, ausser Kontrolle und der ganze Urwald brannte ab. Wir erreichen Coihaique ueber eine letzte, fiese Steigung, und vor uns liegen ein paar Tage ausschlafen bevor es dann weiter richtung Sueden geht.
Vor uns liegt eine einsame Strecke, weiter suedlich gibts noch weniger Leute, und der Urwald wird wieder dichter. Bald erreichen wir die riesigen Inland-Gletscher, hoffentlich koennen wir ab und zu einen Blick darauf erhaschen. Um den Lago General Carrera gibt es zwei Routen, noch wissen wir nicht, welche wir nehmen. Mit Hilfe unseres Reisefuehrers wiegen wir Sehenswuerdigkeiten gegeneinander ab. Nach Villa O'Higgins steht uns eine abenteuerliche Passage per Wanderweg ueber die Grenze bevor, wir haben auch schon vernommen, dass eventuell eine Faehre nicht faehrt, die fahren sollte. Doch bis wir Villa O'Higgins erreichen, kommt noch Weihnachten, und vielleicht sogar Neujahr. Der naechste groessere Ort ist Cochrane, dann Villa O'Higgins. Spaetestens von da gibt es sicher wieder was von uns zu lesen. Auch sind wir wohl ab und zu per Mail erreichbar auf den naechsten 450 km.