zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Samstag, 7. Dezember 2013

Carretera Austral Nord

------------------ 7. Dez: Foto-Update in "Baustelle" ------------------

Chaiten - Coihaique

Eine weitere Etappe ist geschafft, und wir sind in Coihaique eingetroffen. Coihaique liegt ungefaehr in der Haelfte zwischen Puerto Montt und Villa O'Higgins, und ist die groesste Stadt an der Carretera Austral in Patagonien. Doch "groesste Stadt" ist relativ, hat doch Coihaique gerade mal 43'000 Einwohner (zum Vergleich: Koeniz hat 39'000 Einwohner, und wir wuerden es wohl eher als Dorf bezeichnen...). Wir koennen uns nicht beklagen, die ueberlebenswichtige Infrastruktur ist vollumfaenglich vorhanden: grosser Supermarkt (endlich wieder Erdnuss-Butter (Roman) und feines Muesli (Martina)!), Internet-Cafe und ein Hostal mit Kueche und W-Lan. Das sind unsere Basis-Ansprueche fuer ein kurze Verschnaufpause. Weiter gibts hier sogar Outdoor-Laeden, Fahrrad-Laeden und andere Touri-Institutionen wie Cafes, Restaurants und Elektronik-Shops (wir ueberlegen ob wir uns nicht doch ein Smartphone kaufen sollen, dann koennten wir ueber W-Lan skypen...). Und nach etwas mehr als 4 Monaten braucht Roman dringend eine Haar-Verkuerzung. Die Peluqueria liegt gerade neben dem Hostel, und Roman ist jetzt wieder sommerlich kurz geschoren. Schliesslich gehts hier gegen den Sommer zu! Was allerdings in krassem Kontrast zu der jetzt doch schon haeufiger vorhandenen Weihnachtsdekoration steht. Vom Samichlous haben wir hier nichts gemerkt, allerdings gabs von daheim Fotos und es wird uns schon ein bisschen heimwehlig ums Herz bei Kerzli, Cacao und Grittibaenzen! Wir haben uns mit einem Grosseinkauf im Supermarkt getroestet, mit einem anstaendigen Bier (hier gibts sogar La Trappe! Und zwar von Lager bis Quadrupel!! gell Tobias...) zum Appero und eben, Erdnussbutter und feinem Muesli. So, genug der einleitenden Worte, wir radeln jetzt im Geiste nochmals die letzten 400 km durch.

Der erste Abschnitt bis Puyuhuapi haben wir bereits im letzten Blogeintrag "Baustelle" abgehandelt, doch hier folgt jetzt noch das Bildli vom Yelcho-Gletscher. Wir konnten am Anfang des Wanderwegs zelten, ein eher alternativer, junger Typ wohnt dort in einem kleinen Taetsch-Huesli. Am Morgen stiefelten wir durch den dichten Urwald bis man einen schoenen Ausblick auf den Gletscher hat.

Gletscher Yelcho
 Als wir losfuhren, wollte uns der alternative, junge Typ noch zwei Geschenke machen: Martina erhielt einen selbst gebastelten Traumfaenger, welche sie sofort Pitufo um den Hals band. Roman erhielt ein fuer eine Velo-Reise optimales Geschenk: einen Stein. Der Stein ist ja schon schoen, weiss mit silbrigen Augen, und man kann ihn im Vollmond-Licht mit guter Energie aufladen, doch halt auch nicht gerade leicht. Was solls, wir haben ja schliesslich noch Transport-Kapazitaeten, also schleppt Roman das Teil mal mit.

Die letzte Pause (und den letzten Blogeintrag) haben wir in Puyuhuapi gemacht, einem Dorf, dass erst 1935 von ausgewanderten Sudeten-Deutschen gegruendet und aufgebaut wurde. Die drei grossen, eher europaeisch anmutenden Gruender-Haeuser ueberzeugen uns, dass das nicht nur eine Touristen-Falle ist. Der Himmel ist grau verhangen, ab und zu gibt es Regen. Wir strampeln los, doch fuehlen wir uns nach nur einem Ruhetag irgendwie nicht richtig erholt, in den Beinen zwickts, und es fehlt ein bisschen die Motivation. Nach 6 km fahren wir an den Thermen von Puyuhuapi vorbei. 30 Franken pro Person ist ein wirklich stolzer Preis fuer 3 Steinbecken und gratis Heisswasser aus dem vulkanischen Untergrund. Aber wir haben uns das bis jetzt noch nie geleistet, daher sitzen wir schon bald in kochend heissem Wasser.

Termas Ventisquero Puyuhuapi
Vom heissen Wasser total gekocht, wagen wir unser erstes und wohl auch letztes Bad im Meer unserer gesamten Suedamerika-Reise. Das Meer ist eiskalt, es reicht fuer 3 Zuege schwimmen, dann wieder zurueck in den Kochtopf. Aber immerhin. Wir waren im Meer. Wir bleiben den ganzen Tag in den Thermen hangen, manchmal regnet es. Gegen Abend fahren wir weiter, nicht mehr weit in den naechsten Nationalpark Quelat. Dort gibts wieder mal ein Conaf-Posten mit Ranger, und einen schoenen Zeltplatz. Wir machen die kurze Wanderung zur Lagune, wo im Hintergrund ein beeindruckender Haengegletscher liegen soll.

Suchbild: wer findet den Gletscher?
Da sich der Gletscher eher nicht zeigt, foetelen wir halt uns. 

Der Pirat und seine Piratenbraut
Es liegt auch noch ein kleiner fieser Pass vor uns, doch zuerst zieht sich die Carretera entlang dem Fjord in die Berge. Die Landschaft und die Strasse auf dem Foto ist typisch fuer diesen noerdlichen Teil der Carretera Austral. Das Wetter auch. 
die Strasse in den Regen
Der Pass ist steil, es regnet, wir schwitzen. Anschliessend ist wieder alles nass, und der frische Wind oben laesst uns fast erfrieren. Fast waeren wir am "Bosque Encantado" vorbeigefahren, ein Wanderweg fuert durch urspruenglichen Urwald. Schlotternd und gestaerkt mit ein paar Guetzi von zwei Backpacker wagen wir uns doch noch ein paar Schritte in den Wald.

urspruenglicher Urwald
Auf der anderen Seite des Passes gibts sogar Sonne, das erste Mal seit einigen Tagen! Und gleichzeitig rollen wir auf Asphalt! Ploetzlich gehts rasant vorwaerts, wir fahren durch gruene Taeler mit grossen Fluessen. Auch wenn die Strasse jetzt sehr gut ist, bleiben doch viele fiese Steigungen. Nicht selten machen wir auf 70 km Distanz nebenbei noch 1000 Hoehenmeter. Kein Wunder sind wir am Abend jeweils ziemlich kabudi. Auch merken wir, dass unsere letzte laengere Ruhepause schon ein Weilchen zurueckliegt, die Beine erholen sich ueber Nacht nicht mehr so ganz.

Wir sind froh ueber die auesserst informativen Strassenschilder. So sind wir uns sicher, dass wir in die richtige Richtung fahren.

sehr informativ
Vor Coihaique gibt es nochmals eine Casa de Ciclistas (wie in La Paz, Bolivien), und wir verbringen eine Nacht bei Jorge und seiner Familie. Wieder finden wir im Gaestebuch den Eintrag von Michu Schuepbach, doch scheint es als ob wir dieses Jahr zur Vorhut der suedwaerts fahrenden Veloelern gehoeren. All unsere Velo-Freunde sind noch hinter uns. Mit unserem Roadtrip haben wir einen betraechtlichen Vorsprung herausgeholt. Und koennens jetzt ganz entspannt angehen. Die Gegend um Coihaique ist nicht mehr ganz so wild, die Taeler werden breiter, und der Urwald wurde vielerorts gerodet, damit Landwirtschaft betrieben werden kann. Trotzdem bleibts eine schoene Fahrt, auch dieser Teil Chiles koennte irgendwo in der Schweiz liegen.


Auf der vielbefahrenen Strasse vor Coihaique veranstalten wir ein kleines Rennen mit der Zeit, es ist Samichlouse-Tag, und Martina moechte noch schnell per Skype ein Grittibaenz aus dem Duerrenboden probieren. Zum Glueck schiebt uns ein kraeftiger Rueckenwind durch das Tal, doch der Pass vor der Stadt laesst uns merken, wie noetig wir eine Verschnaufspause haben. Auf der Passhoehe stehen 3 Windraeder. Scheinbar windet es hier oefters. Auch schoen sind die weiten gruenen Grasflaechen rund um Coihaique. Die Brandrodung bei der Besiedlung des Gebiets geriet, wer haette das gedacht bei diesem Wind, ausser Kontrolle und der ganze Urwald brannte ab. Wir erreichen Coihaique ueber eine letzte, fiese Steigung, und vor uns liegen ein paar Tage ausschlafen bevor es dann weiter richtung Sueden geht.

Vor uns liegt eine einsame Strecke, weiter suedlich gibts noch weniger Leute, und der Urwald wird wieder dichter. Bald erreichen wir die riesigen Inland-Gletscher, hoffentlich koennen wir ab und zu einen Blick darauf erhaschen. Um den Lago General Carrera gibt es zwei Routen, noch wissen wir nicht, welche wir nehmen. Mit Hilfe unseres Reisefuehrers wiegen wir Sehenswuerdigkeiten gegeneinander ab. Nach Villa O'Higgins steht uns eine abenteuerliche Passage per Wanderweg ueber die Grenze bevor, wir haben auch schon vernommen, dass eventuell eine Faehre nicht faehrt, die fahren sollte. Doch bis wir Villa O'Higgins erreichen, kommt noch Weihnachten, und vielleicht sogar Neujahr. Der naechste groessere Ort ist Cochrane, dann Villa O'Higgins. Spaetestens von da gibt es sicher wieder was von uns zu lesen. Auch sind wir wohl ab und zu per Mail erreichbar auf den naechsten 450 km.