Weiter gehts, weiterhin Schotter, zum Glück grob und mit Steinen, so versinken wir nicht im Schlamm. Auf und ab, wir werden müde und sehen erst am Abend warum: mehr als 1000 Höhenmeter obwohl wir kaum höher sind als am Morgen. Wir finden eine kleine Pension, ein altes Paar nimmt uns auf, der Mann spaltet Holz und macht ein Feuer im Ofen, kurz darauf ist alles mit unseren nassen Sachen zugehängt. Zum Znacht gibts ein Pouletschenkel mit selbstgemachten Pommesfrites. Die ganze Nacht prasselt der Regen aufs Dach, am nächsten Morgen ist endlich Schluss mit dem nassen Intermezzo, und wir fahren bei Sonnenschein an die Mole wo die Fähre wartet. Dort treffen wir kurz vor der Abfahrt Ely und Bastel aus Deutschland, welche die letzten 3 Tage Hudelwetter im Zelt durchgestanden haben. Wir machen uns nach der Fährpassage gemeinsam auf den Weg nach San Martin. Für die beiden anderen ist es eine Rückkehr nach Argentinien, für uns der letzte Grenzübertritt in ein unbekanntes neues Land.
Die Zeltnacht am See beschert uns eine wunderschöne Abendstimmung und Millionen von Raupen, die sich hinterrücks von den Bäumen abseilen und sich über all unsere Ausrüstung verteilen. Wir habens lustig zusammen, die beiden anderen wissen viel von ihrer Weltreise zu erzählen.
Am nächsten Tag erreichen wir schon bald San Martin, und nach der Konsultation des Wetterberichts nehmen wir uns zu viert ein Zimmer in einem Hostel. Uns stehen wieder Wind und Regen bevor, wir machen einen Tag Pause um gewisse administrative Belange aus der Schweiz zu erledigen. Nichts liegt uns hier im Moment ferner als Freizügigkeits-Konten zu eröffnen und über Geldflüsse von Pensionskassengeldern nachzudenken. Wir sind unendlich dankbar für Mänus kompetente Verwaltung von unseren Finanzen, mit Aufatmen lesen wir seine Mails, welche viel "kein Problem" und "ich werde mich darum kümmern" enthalten. Merci Mänu, für all die Anrufe bei Versicherungen, Banken und vorallem bei der Post. Bei einigen Hotlines wird er wohl mit einer Warnung wegen renitentem Verhalten im System gespeichert sein.
Bald gehts weiter, wir können jetzt nicht mehr bei jedem Regenschauer Pause machen denn die häufen sich. Es gibt keine offizielle Grenze zur Region Patagonien, doch taucht diese Bezeichnung hier immer öfters auf. Patagonien, immer mit Wind und Regen im Schlepptau, wenn wir die Carretera Austral bis ans Ende der Welt befahren wollen, gehört das einfach dazu. Verzeiht uns schon jetzt die permanente Erwähnung der Verhältnisse, das gehört wohl in gewissem Mass zur psychischen Verarbeitung.
Bei dieser Gelegenheit, wir haben jetzt schon ein paar mal von euch, geschätzten Lesern, Mails erhalten mit der Frage ob es uns überhaupt Spass macht bei all den Beschreibungen von Schotter, Wind, Regen, Sand und Salz. Das gehört dazu! Klar ist das anstrengend und mühsam, und wenns den ganzen Tag regnet haben wir irgendwann die Nase voll. Und das ist dann halt auch das Thema unter Velölern, die Verhältnisse bestimmen den Alltag. Wir stecken in wechselhaften Gemütszuständen, und das drückt dann im Blog halt durch, im Moment macht das manchmal kein Spass, aber wenn das dann vorbei ist, ist es nur noch halb so schlimm. Wir sind dann stolz darauf es geschafft zu haben, trotz schwierigen Umständen, aber im Blog geht das vielleicht ein bisschen unter. Darum jetzt hier mal zusammenfassend: es macht uns Spass und wir geniessen es sehr, manchmal ist es mühsam, wir leiden, aber das ist schon ok weil das dazu gehört. Macht euch also keine Sorgen wenns mal düster klingt.


