zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

Rechts im Menu Seiten hat es weitere Infos wie Statistiken, Hoehenprofile und das Post-Archiv.

Wenn ihr mit uns Kontakt aufnehmen wollt, schreibt uns ein E-Mail auf unsere privaten Adressen. Wer diese nicht kennt, benutzt diese Adresse: velo.martina.roman
@gmail.com

Sonntag, 29. September 2013

Wind, Sand und Salz

Zwei anstrengende Wochen liegen hinter uns, mit vielen schoenen Landschaften, sehr viel Wind aus allen Richtungen, tiefem Sand auf der sowieso schon schlechten Strasse, Kies, Salz in verschiedenen Formen und Wasser. Doch der Reihe nach...

Wir sind, nachdem wir Maenu in Parinacota getroffen haben, am naechsten Morgen aufgebrochen. Wir fuhren auf super Asphalt von Parinacota zum Lago Chungara. Das soll einer der hoechsten Seen der Welt sein, er liegt auf rund 4500 m Hoehe. Neben dem Lago Chungara liegen die Lagunen Cotacotasi. Die tiefblauen Seen mit den kleinen Inseln auf dieser Hoehe sind wunderschoen. 


Ein bisschen spaeter kommen wir an den Lago Chungara, welcher vor dem Vulkan Parinacota liegt. Wir fuhren bis zum Refugio am See, einer Station der Nationalpark-Verwaltung. Dort sind wir in einem kleinen Zimmer untergekommen, doch den Abend haben wir im "Wohnzimmer" beim Ofen verbracht und mit dem Ranger ueber die Wirtschaft der Schweiz und Chiles gesprochen. Zwischendurch musste man immer wieder in die Kaelte raus um Foeteli vom Parinacota zu machen. 


Es war zwar nur eine kurze Etappe von Parinacota (dem Dorf) zum Lago Chungara, doch der Akklimatisation von Maenu hat das sicher nicht geschadet. Er kam ja direkt in wenigen Tagen von Arica (Meereshoehe) bis an den See auf 4500 m hoch! 

Am naechsten Tag fuhren wir ueber die Grenze zurueck nach Bolivien. Kurz nach der Passhoehe stiessen wir auf einige Lastwagen...


Hier wurde uns bewusst, dass die Strecke von Arica nach Santa Cruz eine der wichtigsten Handelsstrassen Boliviens ist. Wir fuhren gut 5 bis 10 km neben einer Lastwagen-Schlange zum bolivianischen Zoll. Dort haben wir erfolgreich die Migracion durchlaufen und weitere 90 Tage Aufenthalt in Bolivien erhalten. Nach der Grenze haben wir uns nochmals mit Essen eingedeckt, Brot haben wir aber leider nicht gefunden. So nimmt man halt mit Sagex-aehnlichen Broetchen aus dem Plastiksack vorlieb. Allerdings hat uns Maenu ja tonnenweise Essen aus Arica und Putre mitgebracht, so durften wir auf hohem Niveau klagen. 

Kurz nach dem Zoll in Tambo Quemado sind wir von der grossen Strasse gegen Sueden abgebogen, wir waren wieder zurueck auf Schotter! Wir verliessen die Zivilisation und die guten Strassen um uns die naechste Woche durch das bolivianische Hinterland zu kaempfen. 

Die Strasse wurde schnell immer schlechter, der harte Belag wurde immer sandiger und haeufig blieben wir stecken und mussten einige Meter schieben, bis irgendwo in der Fahrspur wieder ein bisschen fester Boden erschien. Maenu hat etwa 2 Millionen Fotos pro Tag gemacht, wir waren dann froh um die kurzen Pausen. Die Vulkane Parinacota und Sajama blieben hinter uns zurueck, und wir fuhren in eine flaechere Gegend, jedoch immer entlang einer Bergkette. Die Pampa ist sehr sandig, darin wachsen kleine Buesche. 


Es hat immer wieder kleine Doerfer, die jedoch meistens verlassen oder von nur 2 bis 3 Familien bewohnt werden, die einige 100 Lamas und Alpakas hueten. Wenn wir Leute trafen, waren dies immer herzliche Leute, die sich erkundigten was wir hier machen, woher wir kommen und wie uns Bolivien gefalle. So kannten wir die Bolivianer nicht - in Copacabana und La Paz sind uns die Leute eher zurueckhalten begegnet, und haben selten Intresse an uns gezeigt. Haufig haben wir sogar so etwas wie Ablehnung erfahren. Hier waren wir aber in einem komplett untouristischen Teil Boliviens, die Leute waren wohl deshalb offen und freundlich. 

Anstrengend war der Wind. Seit wir in diesem westlichen Teil von Bolivien unterwegs sind, begleitet uns regelmaessig ein kraeftiger Wind, der spaetestens am Mittag einsetzt und bis Mitternacht zunimmt. Wir haben, wenn moeglich, hinter alten verlassenen Haeusern Schutz gesucht um zu zelten, doch auch so wurden wir jeden Tag eingestaubt, jeder Bissen Essen hat zwischen den Zaehnen geknirscht. Wasser haben wir immer wieder gefunden, sei es in den Fluessen oder an Handpumpen in den kleinen Doerfern. So kam endlich unser Wasserfilter zum Einsatz, welchen wir bis da nur einfach mitgeschleppt, aber noch nie gebraucht haben. Auch mussten wir einen Fluss (Rio Lauca) durchqueren, was problemlos moeglich war. Das Wasser war nicht tiefer als 30 cm, und die Stroemung war nicht sehr stark. Kalt war das Wasser trotzdem, danach konnten wir die Fuesse auf dem warmen Sand wieder aufwaermen. 

Zum Glueck wehte der Wind hauptsaechlich aus Nord und West, und so hatten wir bald starken Rueckenwind, welcher uns ueber die langsam immer besser werdenen Strassen schob. Bessere Strassen bedeutet, dass der Sand einer holperigen Stein-Erd-Strasse mit viel Wellblech gewichen ist. Mehr als 10 km/h war nicht moeglich, und das Geschuettel zermuerbte Kopf und Schultern. Wenigstens mussten wir wegen dem Wind nicht so hart pedalen um vorwaerts zu kommen. 

Nach vier anstrengenden Tagen haben wir Sabaya erreicht, welches an einer weiteren West-Ost-Hauptstrasse nach Chile liegt. So fanden wir ein Hotel mit heisser Dusche und konnten dort den Staub und Sand der vergangenen Tage abwaschen. Auch konnten wir uns dort erneut mit Essen eindecken, da unsere Strecke bis Uyuni auch nicht gerade viel Versorgungsmoeglichkeiten hat und noch zwei Salzseen vor uns lagen. Wir fanden Brot - frisch gebacken - und hatten einige Muehe, die 30 Broetli in unseren Saccoschen zu verstauen. 

Salar de Coipasa

Suedlich von Sabaya liegt der Salar de Coipasa. Mitten in diesem Salzsee liegt eine Insel mit dem Doerfchen Coipasa. Wir hofften auf ein gemuetliches Zuhause dort um einen Ruhetag zu machen - Sabaya war nicht so amaechelig zum bleiben. Die Leute haben uns mit viel Enthusiasmus die Strecke nach Coipasa beschrieben, und wir fuhren mit Hilfe von Karte, GPS und Einheimischen richtung Salar. Wir fanden die Auffahrt, und kurz darauf konnten wir unsere Durchschnittsgeschwindigkeit markant erhoehen. 


In Coipasa gibt es kein Hotel oder andere Touristeneinrichtungen. Wir fanden dann aber Unterschlupf bei der Familie, welche den Dorfladen betreibt. Wir konnten all unser Zeug in einem grossen Zimmer mit drei Schlafplaetzen verteilen. Zum Znacht gabs dann Fotzu-Schnitten, irgendwie mussten wir die 30 Broetchen verarbeiten, die schon langsam trocken und hart wurden. Wir fuehlten uns wohl dort, so beschlossen wir hier einen Tag Pause zu machen, bevor wir den Rest des Salar de Coipasa ueberqueren. Maenu hatte eine andere Vorstellung von Ruhetag als Roman und Martina, er erkundigte sich noch am Abend, wo und wie die Einheimischen auf dem Salar Salz abbauen. Und ob wir denn da auch ein bisschen helfen duerften. So fuhren wir am naechsten Mittag einige Kilometer auf den Salar zu den Arbeitsplaetzen, wo der Sohn unserer Gastgeber am pickeln war. Er zeigte uns, was sie hier den ganzen Tag machen, und kurz darauf waren wir alle am krampfen.  


Die oberste Schicht Salz ist etwa 20 cm dick, darunter liegt eine Schicht Salz-Sand. Es wird mit Meissel (1.5 Meter lang und etwa 10 Tonnen schwer) diese obere Salzschicht abgespalten. Dazu wird vorgaengig mit einem scharfen Beil (auch etwa 10 Tonnen schwer) eine Sollbruchstelle erzeugt. Im Bild oben Roman ganz links hinten am Sollbruchstellen erzeugen, waehrend Maenu hilft, mit dem Meissel den Spalt zu erzeugen. Dazu wird der Meissel hochgehoben und mit viel Kraft auf das Salz geschlagen. Danach wird die Salzplatte auch in Querrichtung gespalten und es werden handliche Bloecke zu etwa 30 bis 50 kg abgespalten und aufgestellt. 


Die sandige Trennschicht muss dann mit einem weiteren schweren Meissel abgeschabt werden. Danach werden die Bloecke mit einer Garette an einen Haufen gekippt. Die schweren Bloecke werden natuerlich von Hand in die Garette geladen. Dann werden die Bloecke mit einem Pickel zertruemmert und zu grobem Salzpulver geschlagen. Wenn dann der Haufen nach einigen Tagen genuegend gross ist, kommt ein kleiner Lastwagen und der ganze Salzhaufen wird von Hand auf den Lastwagen geschaufelt. Der kleine Lastwagen faehrt zum "Ufer" des Salzsees, wo ein grosser Lastwagen steht. Dort wird das gesamte Salz aus mehreren Arbeitsplaetzen wieder von Hand vom kleinen auf den grossen Lastwagen umgeladen. Martina hatte nach einer Stunde krampfen genug und machte lieber noch einen Schulbesuch im Colegio des Dorfs. Ein Philosphie-Lehrer lud sie in seine Lektion ein, wo sie ausgefragt wurde und schlussendlich eine Englisch-Lektion erteilte. Roman und Maenu konnten nach drei Stunden Arbeit auf dem Salar den Meissel kaum mehr anheben, waehrend die Arbeiter dort taeglich acht Stunden lang chrampfen. Was fuer ein erholsamer Ruhetag!

Am naechsten Tag gings dann weiter, ueber den Salar richtung Sueden. Am anderen Ufer wurden wir dann aprubt gebremst, zuerst Sand-Salz, dann feiner Sand und schliesslich im Pass-Anstieg grobe Steine. So haben wir unsere Velos dann auf den Pass geschoben. Oben hat uns in einem Dorf eine Frau dann erklaert, wir seien hier im Quinoa-Anbaugebiet. Auf der anderen Seite des Passes lag dann der Salar de Uyuni. Nach einer Nacht im Buero des Gemeindepraesidenten eines Doerfchens fuhren wir dann auf den naechsten Salar. 

Salar de Uyuni

Wir hatten viele Erwartungen, hauptsaechlich was die Oberflaeche und somit unsere Geschwindigkeit angeht.  Wir wurden arg enttaeuscht. Von unserem Eintritts-Ort auf dem Salar fuehrte keine "Strasse" in die gewuenschte Richtung, und wir mussten quer-salar-ein pedalen. Die Oberflaeche ist zwar hart, jedoch mit so vielen Pueggeli uebersaeht, dass wir nie schneller als 15 km/h fahren konnten. Weit entfernt am Horizont lag unser Ziel, die Isla Pescado. So quaelten wir uns den halben Tag ueber das ewig weite Salz und wurden einmal mehr kraeftig durchgeschuettelt. Die Isla Pescado aber war dann sehr schoen, von grossen Kakteen (Kak-Tussen?) bewachsen, die anscheinend bis 1200 Jahren alt sind. Uns erschienen sie vorallem stachelig. 


Wir haben dann nahe der Insel unsere Zelte auf dem Salz aufgestellt. Mit einem grossen Stein konnten wir die Heringe knapp 1 cm rein hauen, und so haben wir gehofft, dass uns der Wind nicht mitten in der Nacht die Zelte zusammenlegt. Die Abendstimmung war sehr schoen, Sonne, Wolken und Salz haben Maenu zu weiteren 2 Millionen Fotos veranlasst. 


Am naechsten Morgen fuhren wir zur nahe gelegenen Isla Incahuasi. Zum Glueck fanden wir eine Jeep-Fahrspur, und ploetzlich waren wir einiges schneller unterwegs. Nach 20 Kilometer fuhren wir in den touristischen Teil des Salars. Auf der Isla Incahuasi haben wir dann einen ueberteuerten Kaffee genossen und das Tourenfahrer-Buch studiert. Da wir einigermassen frueh dort ankamen, waren noch keine anderen Touristen da. Nach einer kurzen Pause fuhren wir weiter richtung Uyuni, und dort kamen uns dann einige Jeeps entgegen. Und nochmals einige. Und nochmals einige mehr. Wir kreuzten eine ewig lange Kolonne von Jeeps, die alle zur Insel fuhren, weils dort wohl etwas besonders Gutes zum Zmittag gab. Dafuer war unsere "Strasse" jetzt bestens ausgefahren, und wir konnten mit Rueckenwind 30 km/h zum Ufer fahren. 

Eigentlich wollten wir die etwa 120 km lange Etappe bis Uyuni in zwei Tagen machen, doch waren wir so schnell beim geschlossenen Salzhotel in der Naehe des Ufers angekommen, dass wir dachten, mit hilfe des Rueckenwinds schaffen wir es locker noch nach Uyuni. Unsere glorreiche Idee: wir fahren nicht den Umweg ueber Colchani und die Sandpiste am Ufer, sondern entgegen aller Ratschlaege der Jeep-Guides direkt ueber den Salar bis nach Uyuni. 

Und so begann unsere Odysee. 

Zuerst wars nur holperig. Dann wurde es ein bisschen feucht, dafuer weniger holperig. Aber feucht ist nicht besser. Aus feucht wurde nass, und wir hatten eine Oberflaeche aehnlich Bruchharst im Schnee, eine duenne Salzschicht und darunter Salzwasser, etwa 5  bis 10 cm tief. So konnten wir effektiv die Velos und die Saccoschen einsalzen. Die Bremsen kreischten, die Kette rasselte. So steuerten wir das Ufer an, wo wir dann noch einige Kilometer durch Salz-Sand-Erde stossen durften. Bei Sonnenuntergang erreichten wir dann die Sandpiste zwischen Colchani und Uyuni, dort durften wir dann noch 10 Kilometer durch Sand und Wellblech pedalen. Inzwischen war es schon dunkel, wir hatten keine Kraft mehr in den Beinen und der Sandsturm entlang der Strasse machte die Fahrt auch nicht angenehmer. Voellig entkraeftet kamen wir im dunklen in Uyuni an und suchten ein Hotel. Wir hatten keine Lust mehr auf lange Suche nach dem perfekten Hotel, darum steuerten wir ein teures an, welches auch um diese spaete Zeit noch heisse Duschen und ev ein Znacht anbietet. Wir suchten und fanden. Etwas spaeter sassen wir im gemuetlichen Hotel-Restaurant bei Pizza und Bier, nachdem wir den Staub und das Salz der letzten Woche abgeduscht hatten. Unsere Velos durften wir nicht in die Dusche nehmen, daher mussten wir am naechsten Tag dann in stundenlanger Arbeit alles Salz von den Velos abkratzen. 

Nun bereiten wir uns auf unsere naechste Etappe vor - die Lagunenroute. Wir kaufen Essen ein fuer die naechsten 12 Tage, Benzin und Wasser und zwischendurch moechten wir auch mal ausschlafen. Wir haben unseren Ruhe-Aufenthalt bereits verlaengern muessen da es doch einiges zu erledigen gibt, bevor wir wieder in das Hinterland verschwinden. Auch haben wir nicht sonderlich Lust, die Strecke zurueck auf den Salar nochmals zu fahren, daher werden wir uns einen Transport organisieren. Unser Plan ist, am Dienstag morgen wieder aufzubrechen. Wir kehren wieder zur Isla Incahuasi zurueck, dort moechten wir nochmals auf dem Salar uebernachten. Dann gehts wieder richtung Sueden, zwischen Vulkanen und farbigen Lagunen durch bis nach San Pedro de Atacama in Chile. Wir rechnen fuer diesen anspruchsvollen Abschnitt mit ungefaehr zwei Wochen, wir werden uns also Mitte Oktober wieder aus San Pedro melden koennen. Dazwischen gibts nicht viel, weder Internet noch Essen, doch haben wir wieder kiloweise Essen dabei und mit der Erfahrung der vergangenen Etappen wagen wir uns auf diese doch einigermassen haeufig von Tourenfahrern befahrene Strecke. 

Dienstag, 17. September 2013

Hallo Mänu!

Heute haben wir Mänu getroffen. Er kam uns auf der Hauptstrasse von Arica nach La Paz entgegen. Sein Velo war um einiges schwerer als es unsere waren - er hat kiloweise Essen mitgebracht weil wir hier oben nichts einkaufen können. Dazu noch Geschenke von Zuhause: Ovosport und Eimalzin! Weiter noch alles was wir bestellt haben. Seit wir uns gegen Mittag getroffen haben, sind wir ununterbrochen am quatschen, alles erzählen was in den letzten Wochen passiert ist. Zmittag gab es im Restaurant, dann zurück nach Parinacota ins Hotel. Nach einer riesen Auslegeordnung mit allem Essen machen wir uns keine Sorgen mehr, dass wir in den nächsten Tagen verhungern werden. Nach dem Znacht im verlassenen Hotel (ganz Parinacota ausser dem Pfarrer ist in Arica, morgen ist hier Nationalfeiertag) machen wir noch etwas Routenplanung, Saccoschen packen, und dann sind wir 3 bereit für die nächste Etappe!

Montag, 16. September 2013

Nach Parinacota

Ganz unerwartet sind wir nach einer anstrengenden Woche in Parinacota (ein Dorf südwestlich vom gleichnamigen Vulkan) in einem Hotel mit Wifi untergekommen. So versuchen wir einen Blogeintrag zur Strecke von La Paz hierhin per Mail zu machen. Daher gibt es leider keine Bilder, die folgen später wenn wir das nächste mal schnelles Internet und einen PC z
um benutzen haben (ev. Uyuni, sonst dann San Pedro de Atacama).

Der Abschied vom Casa de Ciclistas fiel uns schwer, wir hatten eine super Zeit mit unseren neuen Velofreunden Vincent + Kay, Robert + Sabine, Silvia + Simon und Rosina + Mirko! Zum Glück sind dann die meisten auch aufgebrochen, nach hause, in die Berge oder weiter mit dem Velo. Zum Abschied am morgen haben wir alle zusammen vor der Tür noch für Gruppenfotos posiert und nochmals das Treffen im März in Zürich versichert, dann haben wir den langen Anstieg von La Paz nach El Alto in Angriff genommen. Wir haben uns für die Hauptstrasse entschieden, die Autopista hat zwar einen Pannenstreifen, doch hat es sehr viel Verkehr und vorallem Lastwagen. So sind wir im Zickzack die steile Talwand rauf, durch die halbe Stadt, die sich bis El Alto den Hang rauf zieht. Wir haben uns natürlich wieder tüchtig mit Essen versorgt, das haben wir dann beim rauf fahren auch gespürt. Die Strecke dann bis Viacha war wohl die bisher hässlichste unserer gesamten Reise. Viel Verkehr, teilweise war die Strasse eher schlecht, tonnenweise Abfall entlang der Strasse, die Kühe weiden zwischen Plastiksäcken und anderem Abfall, der so dicht liegt, das kaum Gras dazwischen zu finden ist. Dazu Staub, Abgase, Gehupe und auch kein Seitenstreifen. Zum Glück ging es leicht bergab, und wir könnten die Stadt gegen Nachmittag hinter uns lassen. Gegen Abend dann, einige Kilometer nach der Abzweigung gegen Westen, war der Asphalt zu Ende, und unsere Geschwindigkeit sank rapide von 15 auf etwa 5 km/h. Plötzlich musste man sah sehr darauf konzentrieren wo man fährt, die Strassenoberfläche ändert sich dauernd, und in der Breite unterscheidet sich die Oberfläche ebenfalls sehr stark. Jeder Bus und jeder Auto zieht eine riesen Staubfahne hinter sich her, und langsamer wird hier sicher nicht gefahren. Wir werden immer wieder eingestaubt und müssen für genügend Abstand sorgen, denn da fliegen auch kleine Steine rum. Wir wissen, Asphalt sehen wir jetzt wohl nicht mehr den nächsten Monat, also finden wir uns mit der neuen Strasse ab. Oder versuchen es wenigstens.

Auf der Strecke bis zur chilenischen Grenze hat es zwar einige kleine Dörfer, doch sicher keine Hospedajes. Auch Läden und Tankstellen gibt es keine mehr, man muss sich jeweils durchfragen bis man etwas Essen findet. Die Auswahl ist sehr eingeschränkt, Brot und Eier kriegt man immer, Gemüse und Früchte, Milch und Käse eigentlich nie. Dann gibt es jegliche Süssgetränke doch eher selten grosse Flaschen Wasser, Schokolade und Güetzi hat es meistens auch, Teigwaren und Reis kriegt man in 10 kg Säcken, und auch Konserven mit Thunfisch oder Mais gibt es ab und zu. Wir kriegen auch 2 l Benzin in einer Petflasche, keine Ahnung welche Qualität, unser unverwüstbarer Kocher verbrennt es auf jeden Fall anstandslos. Wir zelten da es nichts anderes gibt, meistens finden wir ein von der Strasse blickgeschützten Ort, doch müssen wir uns dazu meistens durch Sand, Dornenbüsche und Ichugras kämpfen bis wir eine flache und freie Fläche finden. Auch erscheint dann häufig früher oder später irgend ein Bauer und erklärt uns zuerst es sei gefährlich hier (was wohl, es hat ja nichts da, fast keine Leute und vor sehr wenig Verkehr), und nach 10 Minuten Gespräch dann todo tranquillo hier, alles kein Problem, da passiert nichts. Wir schlafen fast immer gut und vorallem lange, 10 Stunden, weil draussen ist es ab der Dämmerung kalt und schnell dunkel. Am morgen ist das Zelt dann mit Reif bedeckt, auch die Velos, unsere Flaschen sind teilweise gefroren, die Saccoschen gstabig. Draussen ist es jetzt immer etwa -10 Grad, und im Innenzelt haben wir es etwa 5 Grad wärmer. Erstaunlich wie gut dieser Zeltstoff und der Raum zwischen Innen- und Aussenzelt isoliert! Mit klammen Fingern kocht dann Roman Rührei mit Brot, dazu gibt es Coca-Tee und Instant-Cappuccino. Bald geht die Sonne auf, und geht die Temperatur in nur 2 Stunden von -10 auf +15, und wir ziehen Schicht um Schicht Kleider aus. Wir brauchen jeden Morgen mindestens 2 Stunden vom Aufstehen bis wir dann losfahren. Am Mittag machen wir meistens eine Pause, und dann wird die Hauptmahlzeit gekocht, häufig leider in der prallen Sonne weil es nirgends Bäume oder sonstigen Sonnenschutz hat. So quetschen wir uns in den winzigen Schatten unserer Velos, die Sonne steht fast senkrecht. Wir gewöhnen uns langsam an das dauernde Geholpere, machen nicht mehr als 50 km pro Tag.

Je weiter wir gegen Westen und die chilenische Grenze kommen, desto mehr nimmt der tägliche Wind zu. Er setzt am Nachmittag ein und wird bis zum Sonnenuntergang immer stärker, und klingt dann im Laufe der Nacht wieder ab. Zelt aufstellen wird plötzlich anspruchsvoll, doch wenn das Ding mal steht haben wir einen stabilen Windschutz und können dann im Vorzelt kochen und essen.

Wir erreichen den Grenzort in Bolivien, Charana. Total surreal, eine Kaserne, Militär, Polizei, einige Häuser um eine Plaza, Antennen und Satellitenschüsseln. Aus einem Megafon vom Polizeiposten dröhnt laut Musik, doch nirgends ist jemand zu sehen. Wir kaufen ein und erkundigen uns bei der Polizei wegen der Grenzformalitäten. Kein Problem (wie immer), im chilenischen Grenzort Visviri sind beide Migraciones. Wir machen uns auf der bislang schlechtesten Strasse, einem ausgewaschenem Feldweg, auf über die Grenze.

Chile empfängt uns an der Barriere mit Asphalt, Stromgenerator, vielen Antennen (solarbetrieben!), und schön aufgeräumten Kontainern, blau und grün gestrichen, mit Giebeldach. Daneben steht ein grauer, heruntergekommener Kontainer mit im Wind schepperndem Flachdach: die bolivianische Migracion. Dort wollen wir unseren Ausreisestempel holen, doch die Chilenen meinen mit abschätzigem Lächeln, die seien beim Zmittag in Charana, und man wisse halt nicht so genau yann die dann wieder auftauchen.

Wir erkundigen uns beim Kontainer des landwirtschaftlichen Ministeriums welche Nahrungsmittel wir in Chile einführen dürfen, und nach einer halbstündigen Inspektion unserer Essens-Saccoschen (inkl Durchwülen von Haferflocken und Zerpflücken jedes einzelnen Lebensmittels) müssen wir alle frischen und schon offenen Produkte abgeben. Dazu gehört, oh weh, Mayo, Honig, Nüsse, MilchPULVER, Käse, Früchte und Gemüse. Die offenen Haferflocken dürfen wir bei zugedrückten Augen (nach Durchpflügen nach Tieren oder Larven) behalten (ihr habt ja sonst nichts mehr zum Zmorge!). Wir geben nichts ab sondern richten vor dem Migrations-Kontainer unseren Kocher ein und essen alles auf, was wir nicht mitnehmen dürfen. Sie finden uns eher amüsant, doch gibts für uns keine Ausnahme. Bolivisches Essen ist böse und bedroht die chilenische Bevölkerung!


Nach dem Essen erscheint der bolivianische Zöllner, gibt uns unsere Stempel und wir reisen anschliessend in Chile ein. Auch taucht ein chilenischer Velofahrer auf, und will am nächsten Tag nach Bolivien weiter. Wir quartieren uns direkt hinter der Grenze am Bahnhof in einem alten Zugwagen ein, sehr staubig, doch vor dem starken Wind geschützt. Am nächsten Tag stellen wir fest, dass wir in Visviri nicht einkaufen können, alles geschlossen, niemand da ausser den Grenzwächtern. Wir finden doch noch jemand, und wir kriegen Eier, Fisch in der Dose und können so wohl schon bis parinacota überleben. Zu unserem Glück sind 40 km der Strasse neu asphaltiert, und wir fahren richtung Süden. Schon seit Tagen sehen wir den grossen und wunderschön symetrischen Vulkankegel vom Parinacota (6436 m) mit Schneekappe vor uns, daneben auch den Gipfel vom Sajama. Jetzt fahren wir direkt darauf zu, und es wird immer grösser.


Ab mittag bremst uns aber ein fieser Wind, natürlich von vorne (auf dem Velo kommt der Wind IMMER von vorne!) und schon kurz darauf ist der Asphalt zu ende. Der Wind nimmt zu, und wir brauchen fast die ganze Strasse weil uns die seitlichen Böen hin und her treiben. Die Kieswälle zwischen den Fahrrillen machen es auch nicht gerade besser, und bald geben wir auf. Bei einigen Häusern halten wir, zwei ältere Herren treffen wir in den einfachen Hütten, die 3 Hunde machen einen riesen Lärm, doch frisst uns keiner der Kläffer. Wir dürfen in der winzigen und unglaublich staubigen Kapelle übernachten, die Mauern halten den Wind ab und wir richten uns erschöpft ein. Wegen all dem Staub stellen wir das Innenzelt auf, daneben passen noch knapp die Saccoschen und die Velos rein.


Da der Wind hier schon am Mittag sehr stark wird, beschliessen wir, bei Sonnenaufgang loszufahren. Das bereuen wir dann sehr, die -10 Grad sind mörderisch und wir beschliessen, nicht wieder vor sonnenaufgang aufzustehen. Uns erwartet ein 4600 m hoher Pass, und der Wind setzt bereits um 10 uhr ein. Wir sind bald total auf den Felgen (Achtung Wortspiel), und am Schluss schiebt Roman sein Velo trotz verhältnismässig gutes Strasse zur Passhöhe. Nach Parinacota runter erwartet uns eine Mischung aus Sand und Wellblech, und wir kämpfen uns regelrecht ins Dorf. Dort steht eine schöne weisse Kirche, aber kein Mensch ist hier. Wir finden ein Hotel (wir erwarteten ein einfaches Zimmer, wenn überhaupt!), und geniessen nach einer Woche Staub und Kälte die heisse Dusche und das gute Znacht. Sogar Wifi hat es hier, und wir können mit Mänu Kontakt aufnehmen, welcher bereits auf dem Weg von Arica zu uns ist. Erfreut lesen wir, dass er bereits in Putre ist, eine Tagesetappe von Parinacota entfernt! Wir verschieben den Treffpunt hier nach Parinacota, wo wir uns, wenn alles klappt, am Dienstag Abend treffen werden. Das Dorf stirbt aber langsam aus, alles reist nach Arica für den Nationalfeiertag am 18., auch unser Gastgeber und Koch im Hotel wird uns heute Abend verlassen, und wir bleiben alleine im Hotel zurück. Einkaufen können wir hier nicht, niemand ist da, alles zu. Wir haben Mänu bereits eine Einkaufsliste gemailt, er wird einiges hier rauf schleppen müssen, darum werden wir ihm morgen wohl ein Stück entgegen fahren.

Die vergangene Woche hat uns gezeigt, dass die grösste Herausforderung nicht etwa das Velofahren ist, sondern der Wind und die Kälte. Die Schotterstrassen sind zwar anstrengend, aber doch fahrbar, halt nur langsam und notfalls mit schieben (wobei das bei Sand auch nicht weniger anstrengend ist). Der Wind jedoch kann jegliche Motivation zermürben, und wenn stark genug, das weiter fahren oder schieben fast unmöglich machen. Die Kälte ist auch körperlich anstrengend, wir machen jeden Tag einen Wechsel von -10 auf +20 und wieder zurück durch. Zum Glück sind wir gut ausgerüstet, das Zelt hält fast jedem Wind stand und unsere Schlafsäcke halten uns schön warm. So wissen wir auch, was uns in den nächsten 2 wochen erwartet, der Wind sollte in Bolivien wieder weniger stark sein und vorallem später erst einsetzen. Unsere Strecke ist gut dokumentiert, und wir können trotz aller Einsamkeit fast jeden Tag Wasser und ab und zu Essen kaufen. Das wird zwar nicht gerade ein Sonntag Morgen mit Frühstück im Bett, doch sollten wir es überleben. Die Landschaft ist hier sehr schön, Sand und Steine mit kleinen Büschen, dahinter die Vulkankegel, ab und zu tief blaue Seen und Lagunen. Dazu viele Lamas und Alpakas und auch Schafe. Die Leute hier sind netter, interessieren sich für uns und sprechen nicht immer nur vom Wert unserer Velos.

Jetzt erholen wir uns ein zwei Tage hier im Hotel, hören draussen den Wind heulen und sitzen nahe beim Gasofen. In der Nacht wird es auch im Zimmer gegen 0 Grad, doch haben wir ein gemütliches Bett mit vielen Wolldecken und unseren Schlafsäcken und eine heisse Dusche. Doch freuen wir uns auch auf die nächsten harten Wochen mit Mänu!

Sonntag, 8. September 2013

La Paz und Sorata

La Paz

Wir sind jetzt seit mehr als einer Woche hier in La Paz. Eine Stadt, die vor allem im Zentrum recht europaeisch wirkt. Rund ums Zentrum merkt man aber sofort wieder, dass man in Bolivien ist. Verwinkelte Gaesschen ziehen sich rund um die Stadt die Huegel hinauf. Sie sind sowieso schon eng. Da aber La Paz irgendwie einfach ein grosser Markt ist, wirds definitiv eng.... Ueberall sind Marktstaende, an welchen man nun wirklich alles bekommt. Unter anderem auch alle moeglichen Heilmitteli gegen alles Moegliche und Unmoegliche. So kann man zum Beispiel getrocknete Lama-Foeten kaufen, die man in die Waende eines neu gebauten Hauses eingemauert werden. Sie sollen vor boesen Geistern schuetzen. Ich haette auch Angst vor diesen erbaermlichen Kreaturen, wenn ich ein boeser Geist ware.... Auf unserem Weg von Sorata zurueck fanden wir, dass wir einen Bus nehmen vom alten Friedhof (dort kam unser Bus von Sorata her an) ins Zentrum. Allerdings waeren wir wohl zu Fuss schneller gewesen.... Der Bus kam in den vollgestopften Strassen kaum vorwaerts. Und die Tueren sind selbstverstaendlich einfach offen. Sonst kann man ja nicht ein- und aussteigen, wenn man will. Ein Erlebnis wars aber allemal. Und gekostet hats ganze 2 Bolivianos fuer uns zwei (man rechne durch 7 um auf Franken zu kommen).


 In La Paz bekommt man wirklich wieder alles. Es hat auch grosse Supermaerkte, wo wir uns nun fuer die Weiterreise eingedeckt haben. Und dann gibts eben diese Pastelerias.... Die Torten sehen zum Teil so kitschig aus, dass man sie in Europa wohl schon nicht mehr verkaufen koennte. Aber sie sind herrlich!!!!

Wer hat gesagt, in Bolivien sei die Versorgungslage schlecht?
Etwas, das Romans Blut schon seit Beginn unserer Reise immer wieder in Wallungen bringt: Die Stromleitungen. Die Kabel haengen irgendwie quer ueber die Strassen, irgendwo gibts dann "Knotenpunkte", wo sie sich treffen und voellig wirr irgendwie an einem Pfosten festgemacht sind. Ihr sehts ja selber.


Casa de Ciclistas

Untergekommen sind wir im Casa de ciclistas. Ein altruistischer, velo-angefressener Bolivianer hat vor ein paar Jahren angefangen, eine Wohnung, die seiner Familie gehoert, Tourenvelofahrern zur Verfuegung zu stellen. Und dies mitten in La Paz. Man meldet sich per Mail an, erhaelt die Adresse und darf bleiben solange man will. Um Strom, Wasser etc. zu zahlen, werfen alle 20 Bolivianos pro Tag in ein Kaesseli. Das Ganze funktioniert dann wie eine WG, jeder und jede putzt, hilft und macht sich nuetzlich. Im Moment ist das Casa grad ziemlich voll, wir sind 13 Velofahrer. Lustigerweise grad alle aus der Schweiz und Deutschland. Die Mitbewohner wechseln aber auch immer wieder und so haben wir schon einige Leute getroffen, mit ihnen geplaudert und Erfahrungen ausgetauscht. Meistens wird auch gemeinsam gekocht und so entwickeln sich ganz gemuetliche Abende.

Mirko, Kay, Sonja, Sabine, Tilo, Vincent, Silvia
Semmelknoedel (wie auch Quarkzwecken eine Spezialitaet von Robert)

Die Blogs und Webseiten unserer WG-Freunde:
Auch Silvia und Simon aus der Schweiz haben wir hier wieder getroffen. Das Treffen mit Robert, Sabine, Simon, Silvia, Mirko und Rosina bei Vincent in der WG in Zuerich ist bereits fest abgemacht fuer nachsten Maerz wenn wir alle wieder zurueck in der Schweiz sind.

Sorata

Da wir in Sajama Maenu treffen wollen, muessen wir unsere Abreise so planen, dass wir ungefaehr gleichzeitig an unserem Treffpunkt sind. Wir waren aber zu frueh, sodass wir nun eben mehr als eine Woche in La Paz waren. Aber eben, nach fuenf, sechs Tagen Stadt, hatten wir ein bisschen genug. Und so haben wir beschlossen, dass wir einen Ausflug nach Sorata machen. Laut Reisefuehrer ist Sorata touristisch, allerdings nimmt der Tourismus in den letzten Jahren ab. Wir haben uns auf ein ruhiges Staedtchen gefreut und Martina dachte sich, dass sie da sicher ein paar Gringos treffen wird, die mit ihr etwas wandern gehen (da Roman ja nicht gerne wandert). Schliesslich gilt Sorata als schoenes Wandergebiet. In La Paz stiegen wir dann in ein "Collectivo" (Sammeltaxi) mit 15 Plaetzen. In Bolivien ist es allerdings kein Problem, in so einen kleinen Bus auch noch vier, fuenf Leute mehr reinzupacken. Hinter uns sassen drei Indigena-Frauen mit kleinen Kindern, die Cocoswaffeln gegessen und gequaengelt haben. Als es dann nach dem Pass in rasanter Fahrt die zig Haarnadelkurfen runterging, hatte Martina etwas Muehe, trotz des suesslichen Geschmacks der Cocoswaffeln, kombiniert mit dem Geschmack von vollen Windeln, ihr Essen bei sich zu behalten. Schliesslich hat sie es geschafft. Aber sie waere eine schlechte Rucksacktouristin. Velo ist definitiv besser fuer den Magen als Bus....

In Sorata dann eine schoene Ueberraschung: Der ganze Dorfplatz war aufgerissen weil die Wasserleitungen neu verlegt werden. Als Folge hatte es auch im ganzen Dorf seit mehrern Tagen kein Wasser. Vor allem die Toiletten riechen schon besser, wenn man ab und zu spuelen kann. Und eine Dusche haetten wir auch nicht abegelehnt. Und natuerlich weiss man in Bolivien dann auch nie, wie lange sowas dauert. Wir haben trotzdem ein schoenes Hotel gefunden, das von einer ausgewanderten Deutschen gefuehrt wird. Sie war allerdings nicht da und hatte ihrer Angestellten eigentlich die Anweisung gegeben aufgrund der Wassersituation keine Gaeste anzunehmen. Sie hat uns trotzdem herzlich willkommen geheissen ;-)



Einen anderen Gringo zum Wandern hat Martina jedoch nicht gefunden. Soratas Tourismus ist definitiv auf dem absteigenden Ast, wir waren die einzigen Gringos im Dorf. Wir haben einen gemuetlichen Tag verlebt, gingen ein bisschen spazieren und fanden auf der anderen Talseite ein Cafe, das von einem ausgewanderten Basler gefuehrt wird. Wir haben dann den ganzen Nachmittag mit ihm geplaudert und viel Interessantes ueber Sorata und seine Bevoelkerung erfahren. In Sorata leben ca. 6000 Menschen, mehr als die Haelfte davon sind unter 20 Jahre alt. Vor 20 Jahren ist Stefan ausgewandert, hat sich ein Grundstueck gekauft und ein Haus gebaut. Als gelernter Baecker-Konditor hat er dann das Cafe eroeffnet und angefangen, etwas Entwicklungshilfe zu leisten. Zudem hat er ein Patenschafts-System aufgebaut, um den Familien im Dorf zu helfen. Vor allem Touristen, die wie wir in seinem Cafe waren, sind heute Paten von einem bestimmten Kind im Dorf und zahlen jaehrlich 150 Franken ein. Stefan verwaltet dieses Geld und sogar so etwas wie eine private Krankenkasse aufgebaut. So fliesst ein Teil des Geldes des Kindes in einen Fonds, aus dem die Gesundheitskosten fuer Kinder und ihre Muetter bezahlt werden. Denn eine oeffentliche Krankenkasse gibt es nicht in Bolivien.

Nun sind wir zurueck in La Paz und geniessen den letzten Abend mit den anderen Velofahrern. Und morgen muessen wir die ganzen Hoehenmeter nach El Alto wieder hochstrampeln und machen uns dann auf den Weg in Richtung Sajama, wo wir Maenu treffen werden.

Routenplanung

Unter "Seiten" ist unsere weitere geplante Route auf der Karte ersichtlich. Bis Sajama, welches wir etwa um den 20. September herum erreichen wollen, werden wir wohl kein Internet mehr finden. Obs dann ueberhaupt funktioniert ist die andere Frage. Auch auf der Route von Sajama bis Sabaya wird es nirgends Internet haben, und dort wohl auch kein Handyempfang mehr. So weit voraus koennen wir auch keine genauen Zeitpunkte mehr angeben, doch rechnen wir fuer die Strecke von Sajama bis Sabaya mit ungefaehr einer Woche. Einige Tage spaeter sollten wir dann den Salar de Coipasa und den Salar de Uyuni ueberquert haben und den Ort Uyuni erreichen, also ungefaher in der ersten Oktoberwoche. In Uyuni sollten wir dann sehr wahrscheinlich wieder mal Internetverbindung haben. Ob wir bis Uyuni ueberhaupt per Mail und ueber den Blog etwas von uns hoeren lassen koennen ist eher unwahrscheinlich. Die Karte mit unserer aktuellen Position werden wir aber weiterhin aktualisieren, das SPOT-Geraet funktioniert vollstaendig ueber Satellit. Macht euch keine Sorgen wenn sich unsere Position warend der nachsten Wochen mal nicht jeden Tag bewegt oder wir nur kleine Strecken zuruecklegen, es wird wahrscheinlich der anstrengendste und abenteuerlichste Teil unserer Reise. Es erwarten uns schlechte Strassen (Waschbrett, Kies und Sandpisten), kalte Naechte und duenne Luft. Maenu werden wir, so der Plan, am 18. oder 19. September am Chungara-See auf 4500 m Hoehe im Lauca-Nationalpark in Chile treffen (Treffpunkt auf Karte).