Zwei anstrengende Wochen liegen hinter uns, mit vielen schoenen Landschaften, sehr viel Wind aus allen Richtungen, tiefem Sand auf der sowieso schon schlechten Strasse, Kies, Salz in verschiedenen Formen und Wasser. Doch der Reihe nach...
Wir sind, nachdem wir Maenu in Parinacota getroffen haben, am naechsten Morgen aufgebrochen. Wir fuhren auf super Asphalt von Parinacota zum Lago Chungara. Das soll einer der hoechsten Seen der Welt sein, er liegt auf rund 4500 m Hoehe. Neben dem Lago Chungara liegen die Lagunen Cotacotasi. Die tiefblauen Seen mit den kleinen Inseln auf dieser Hoehe sind wunderschoen.
Ein bisschen spaeter kommen wir an den Lago Chungara, welcher vor dem Vulkan Parinacota liegt. Wir fuhren bis zum Refugio am See, einer Station der Nationalpark-Verwaltung. Dort sind wir in einem kleinen Zimmer untergekommen, doch den Abend haben wir im "Wohnzimmer" beim Ofen verbracht und mit dem Ranger ueber die Wirtschaft der Schweiz und Chiles gesprochen. Zwischendurch musste man immer wieder in die Kaelte raus um Foeteli vom Parinacota zu machen.
Es war zwar nur eine kurze Etappe von Parinacota (dem Dorf) zum Lago Chungara, doch der Akklimatisation von Maenu hat das sicher nicht geschadet. Er kam ja direkt in wenigen Tagen von Arica (Meereshoehe) bis an den See auf 4500 m hoch!
Am naechsten Tag fuhren wir ueber die Grenze zurueck nach Bolivien. Kurz nach der Passhoehe stiessen wir auf einige Lastwagen...
Hier wurde uns bewusst, dass die Strecke von Arica nach Santa Cruz eine der wichtigsten Handelsstrassen Boliviens ist. Wir fuhren gut 5 bis 10 km neben einer Lastwagen-Schlange zum bolivianischen Zoll. Dort haben wir erfolgreich die Migracion durchlaufen und weitere 90 Tage Aufenthalt in Bolivien erhalten. Nach der Grenze haben wir uns nochmals mit Essen eingedeckt, Brot haben wir aber leider nicht gefunden. So nimmt man halt mit Sagex-aehnlichen Broetchen aus dem Plastiksack vorlieb. Allerdings hat uns Maenu ja tonnenweise Essen aus Arica und Putre mitgebracht, so durften wir auf hohem Niveau klagen.
Kurz nach dem Zoll in Tambo Quemado sind wir von der grossen Strasse gegen Sueden abgebogen, wir waren wieder zurueck auf Schotter! Wir verliessen die Zivilisation und die guten Strassen um uns die naechste Woche durch das bolivianische Hinterland zu kaempfen.
Die Strasse wurde schnell immer schlechter, der harte Belag wurde immer sandiger und haeufig blieben wir stecken und mussten einige Meter schieben, bis irgendwo in der Fahrspur wieder ein bisschen fester Boden erschien. Maenu hat etwa 2 Millionen Fotos pro Tag gemacht, wir waren dann froh um die kurzen Pausen. Die Vulkane Parinacota und Sajama blieben hinter uns zurueck, und wir fuhren in eine flaechere Gegend, jedoch immer entlang einer Bergkette. Die Pampa ist sehr sandig, darin wachsen kleine Buesche.
Es hat immer wieder kleine Doerfer, die jedoch meistens verlassen oder von nur 2 bis 3 Familien bewohnt werden, die einige 100 Lamas und Alpakas hueten. Wenn wir Leute trafen, waren dies immer herzliche Leute, die sich erkundigten was wir hier machen, woher wir kommen und wie uns Bolivien gefalle. So kannten wir die Bolivianer nicht - in Copacabana und La Paz sind uns die Leute eher zurueckhalten begegnet, und haben selten Intresse an uns gezeigt. Haufig haben wir sogar so etwas wie Ablehnung erfahren. Hier waren wir aber in einem komplett untouristischen Teil Boliviens, die Leute waren wohl deshalb offen und freundlich.
Anstrengend war der Wind. Seit wir in diesem westlichen Teil von Bolivien unterwegs sind, begleitet uns regelmaessig ein kraeftiger Wind, der spaetestens am Mittag einsetzt und bis Mitternacht zunimmt. Wir haben, wenn moeglich, hinter alten verlassenen Haeusern Schutz gesucht um zu zelten, doch auch so wurden wir jeden Tag eingestaubt, jeder Bissen Essen hat zwischen den Zaehnen geknirscht. Wasser haben wir immer wieder gefunden, sei es in den Fluessen oder an Handpumpen in den kleinen Doerfern. So kam endlich unser Wasserfilter zum Einsatz, welchen wir bis da nur einfach mitgeschleppt, aber noch nie gebraucht haben. Auch mussten wir einen Fluss (Rio Lauca) durchqueren, was problemlos moeglich war. Das Wasser war nicht tiefer als 30 cm, und die Stroemung war nicht sehr stark. Kalt war das Wasser trotzdem, danach konnten wir die Fuesse auf dem warmen Sand wieder aufwaermen.
Zum Glueck wehte der Wind hauptsaechlich aus Nord und West, und so hatten wir bald starken Rueckenwind, welcher uns ueber die langsam immer besser werdenen Strassen schob. Bessere Strassen bedeutet, dass der Sand einer holperigen Stein-Erd-Strasse mit viel Wellblech gewichen ist. Mehr als 10 km/h war nicht moeglich, und das Geschuettel zermuerbte Kopf und Schultern. Wenigstens mussten wir wegen dem Wind nicht so hart pedalen um vorwaerts zu kommen.
Nach vier anstrengenden Tagen haben wir Sabaya erreicht, welches an einer weiteren West-Ost-Hauptstrasse nach Chile liegt. So fanden wir ein Hotel mit heisser Dusche und konnten dort den Staub und Sand der vergangenen Tage abwaschen. Auch konnten wir uns dort erneut mit Essen eindecken, da unsere Strecke bis Uyuni auch nicht gerade viel Versorgungsmoeglichkeiten hat und noch zwei Salzseen vor uns lagen. Wir fanden Brot - frisch gebacken - und hatten einige Muehe, die 30 Broetli in unseren Saccoschen zu verstauen.
Salar de Coipasa
Suedlich von Sabaya liegt der Salar de Coipasa. Mitten in diesem Salzsee liegt eine Insel mit dem Doerfchen Coipasa. Wir hofften auf ein gemuetliches Zuhause dort um einen Ruhetag zu machen - Sabaya war nicht so amaechelig zum bleiben. Die Leute haben uns mit viel Enthusiasmus die Strecke nach Coipasa beschrieben, und wir fuhren mit Hilfe von Karte, GPS und Einheimischen richtung Salar. Wir fanden die Auffahrt, und kurz darauf konnten wir unsere Durchschnittsgeschwindigkeit markant erhoehen.
In Coipasa gibt es kein Hotel oder andere Touristeneinrichtungen. Wir fanden dann aber Unterschlupf bei der Familie, welche den Dorfladen betreibt. Wir konnten all unser Zeug in einem grossen Zimmer mit drei Schlafplaetzen verteilen. Zum Znacht gabs dann Fotzu-Schnitten, irgendwie mussten wir die 30 Broetchen verarbeiten, die schon langsam trocken und hart wurden. Wir fuehlten uns wohl dort, so beschlossen wir hier einen Tag Pause zu machen, bevor wir den Rest des Salar de Coipasa ueberqueren. Maenu hatte eine andere Vorstellung von Ruhetag als Roman und Martina, er erkundigte sich noch am Abend, wo und wie die Einheimischen auf dem Salar Salz abbauen. Und ob wir denn da auch ein bisschen helfen duerften. So fuhren wir am naechsten Mittag einige Kilometer auf den Salar zu den Arbeitsplaetzen, wo der Sohn unserer Gastgeber am pickeln war. Er zeigte uns, was sie hier den ganzen Tag machen, und kurz darauf waren wir alle am krampfen.
Die oberste Schicht Salz ist etwa 20 cm dick, darunter liegt eine Schicht Salz-Sand. Es wird mit Meissel (1.5 Meter lang und etwa 10 Tonnen schwer) diese obere Salzschicht abgespalten. Dazu wird vorgaengig mit einem scharfen Beil (auch etwa 10 Tonnen schwer) eine Sollbruchstelle erzeugt. Im Bild oben Roman ganz links hinten am Sollbruchstellen erzeugen, waehrend Maenu hilft, mit dem Meissel den Spalt zu erzeugen. Dazu wird der Meissel hochgehoben und mit viel Kraft auf das Salz geschlagen. Danach wird die Salzplatte auch in Querrichtung gespalten und es werden handliche Bloecke zu etwa 30 bis 50 kg abgespalten und aufgestellt.
Die sandige Trennschicht muss dann mit einem weiteren schweren Meissel abgeschabt werden. Danach werden die Bloecke mit einer Garette an einen Haufen gekippt. Die schweren Bloecke werden natuerlich von Hand in die Garette geladen. Dann werden die Bloecke mit einem Pickel zertruemmert und zu grobem Salzpulver geschlagen. Wenn dann der Haufen nach einigen Tagen genuegend gross ist, kommt ein kleiner Lastwagen und der ganze Salzhaufen wird von Hand auf den Lastwagen geschaufelt. Der kleine Lastwagen faehrt zum "Ufer" des Salzsees, wo ein grosser Lastwagen steht. Dort wird das gesamte Salz aus mehreren Arbeitsplaetzen wieder von Hand vom kleinen auf den grossen Lastwagen umgeladen. Martina hatte nach einer Stunde krampfen genug und machte lieber noch einen Schulbesuch im Colegio des Dorfs. Ein Philosphie-Lehrer lud sie in seine Lektion ein, wo sie ausgefragt wurde und schlussendlich eine Englisch-Lektion erteilte. Roman und Maenu konnten nach drei Stunden Arbeit auf dem Salar den Meissel kaum mehr anheben, waehrend die Arbeiter dort taeglich acht Stunden lang chrampfen. Was fuer ein erholsamer Ruhetag!
Am naechsten Tag gings dann weiter, ueber den Salar richtung Sueden. Am anderen Ufer wurden wir dann aprubt gebremst, zuerst Sand-Salz, dann feiner Sand und schliesslich im Pass-Anstieg grobe Steine. So haben wir unsere Velos dann auf den Pass geschoben. Oben hat uns in einem Dorf eine Frau dann erklaert, wir seien hier im Quinoa-Anbaugebiet. Auf der anderen Seite des Passes lag dann der Salar de Uyuni. Nach einer Nacht im Buero des Gemeindepraesidenten eines Doerfchens fuhren wir dann auf den naechsten Salar.
Salar de Uyuni
Wir hatten viele Erwartungen, hauptsaechlich was die Oberflaeche und somit unsere Geschwindigkeit angeht. Wir wurden arg enttaeuscht. Von unserem Eintritts-Ort auf dem Salar fuehrte keine "Strasse" in die gewuenschte Richtung, und wir mussten quer-salar-ein pedalen. Die Oberflaeche ist zwar hart, jedoch mit so vielen Pueggeli uebersaeht, dass wir nie schneller als 15 km/h fahren konnten. Weit entfernt am Horizont lag unser Ziel, die Isla Pescado. So quaelten wir uns den halben Tag ueber das ewig weite Salz und wurden einmal mehr kraeftig durchgeschuettelt. Die Isla Pescado aber war dann sehr schoen, von grossen Kakteen (Kak-Tussen?) bewachsen, die anscheinend bis 1200 Jahren alt sind. Uns erschienen sie vorallem stachelig.
Wir haben dann nahe der Insel unsere Zelte auf dem Salz aufgestellt. Mit einem grossen Stein konnten wir die Heringe knapp 1 cm rein hauen, und so haben wir gehofft, dass uns der Wind nicht mitten in der Nacht die Zelte zusammenlegt. Die Abendstimmung war sehr schoen, Sonne, Wolken und Salz haben Maenu zu weiteren 2 Millionen Fotos veranlasst.
Am naechsten Morgen fuhren wir zur nahe gelegenen Isla Incahuasi. Zum Glueck fanden wir eine Jeep-Fahrspur, und ploetzlich waren wir einiges schneller unterwegs. Nach 20 Kilometer fuhren wir in den touristischen Teil des Salars. Auf der Isla Incahuasi haben wir dann einen ueberteuerten Kaffee genossen und das Tourenfahrer-Buch studiert. Da wir einigermassen frueh dort ankamen, waren noch keine anderen Touristen da. Nach einer kurzen Pause fuhren wir weiter richtung Uyuni, und dort kamen uns dann einige Jeeps entgegen. Und nochmals einige. Und nochmals einige mehr. Wir kreuzten eine ewig lange Kolonne von Jeeps, die alle zur Insel fuhren, weils dort wohl etwas besonders Gutes zum Zmittag gab. Dafuer war unsere "Strasse" jetzt bestens ausgefahren, und wir konnten mit Rueckenwind 30 km/h zum Ufer fahren.
Eigentlich wollten wir die etwa 120 km lange Etappe bis Uyuni in zwei Tagen machen, doch waren wir so schnell beim geschlossenen Salzhotel in der Naehe des Ufers angekommen, dass wir dachten, mit hilfe des Rueckenwinds schaffen wir es locker noch nach Uyuni. Unsere glorreiche Idee: wir fahren nicht den Umweg ueber Colchani und die Sandpiste am Ufer, sondern entgegen aller Ratschlaege der Jeep-Guides direkt ueber den Salar bis nach Uyuni.
Und so begann unsere Odysee.
Zuerst wars nur holperig. Dann wurde es ein bisschen feucht, dafuer weniger holperig. Aber feucht ist nicht besser. Aus feucht wurde nass, und wir hatten eine Oberflaeche aehnlich Bruchharst im Schnee, eine duenne Salzschicht und darunter Salzwasser, etwa 5 bis 10 cm tief. So konnten wir effektiv die Velos und die Saccoschen einsalzen. Die Bremsen kreischten, die Kette rasselte. So steuerten wir das Ufer an, wo wir dann noch einige Kilometer durch Salz-Sand-Erde stossen durften. Bei Sonnenuntergang erreichten wir dann die Sandpiste zwischen Colchani und Uyuni, dort durften wir dann noch 10 Kilometer durch Sand und Wellblech pedalen. Inzwischen war es schon dunkel, wir hatten keine Kraft mehr in den Beinen und der Sandsturm entlang der Strasse machte die Fahrt auch nicht angenehmer. Voellig entkraeftet kamen wir im dunklen in Uyuni an und suchten ein Hotel. Wir hatten keine Lust mehr auf lange Suche nach dem perfekten Hotel, darum steuerten wir ein teures an, welches auch um diese spaete Zeit noch heisse Duschen und ev ein Znacht anbietet. Wir suchten und fanden. Etwas spaeter sassen wir im gemuetlichen Hotel-Restaurant bei Pizza und Bier, nachdem wir den Staub und das Salz der letzten Woche abgeduscht hatten. Unsere Velos durften wir nicht in die Dusche nehmen, daher mussten wir am naechsten Tag dann in stundenlanger Arbeit alles Salz von den Velos abkratzen.
Nun bereiten wir uns auf unsere naechste Etappe vor - die Lagunenroute. Wir kaufen Essen ein fuer die naechsten 12 Tage, Benzin und Wasser und zwischendurch moechten wir auch mal ausschlafen. Wir haben unseren Ruhe-Aufenthalt bereits verlaengern muessen da es doch einiges zu erledigen gibt, bevor wir wieder in das Hinterland verschwinden. Auch haben wir nicht sonderlich Lust, die Strecke zurueck auf den Salar nochmals zu fahren, daher werden wir uns einen Transport organisieren. Unser Plan ist, am Dienstag morgen wieder aufzubrechen. Wir kehren wieder zur Isla Incahuasi zurueck, dort moechten wir nochmals auf dem Salar uebernachten. Dann gehts wieder richtung Sueden, zwischen Vulkanen und farbigen Lagunen durch bis nach San Pedro de Atacama in Chile. Wir rechnen fuer diesen anspruchsvollen Abschnitt mit ungefaehr zwei Wochen, wir werden uns also Mitte Oktober wieder aus San Pedro melden koennen. Dazwischen gibts nicht viel, weder Internet noch Essen, doch haben wir wieder kiloweise Essen dabei und mit der Erfahrung der vergangenen Etappen wagen wir uns auf diese doch einigermassen haeufig von Tourenfahrern befahrene Strecke.



























