zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

Rechts im Menu Seiten hat es weitere Infos wie Statistiken, Hoehenprofile und das Post-Archiv.

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Donnerstag, 28. November 2013

Pumalin-Park und Vulkan Chaiten

Nach der kurzen Pause in Hornopiren sind wir schon wieder weiter, durch den Pumalin-Park nach Chaitén. Das war unser in Temuco angekündigtes Etappenziel nach dem Seenland. Prognostizierte 800 km waren es, schlussendlich sind wir rund 960 km im Zickzack durch die Anden und um die Seen zwischen Chile und Argentinien gefahren. Wir haben auch nicht schlecht gestaunt als wir die zusammengekommenen Höhenmeter ausgerechnet haben: mit 12'600 m haben wir unsere Einstiegsetappe von Nasca nach Cusco sogar knapp übertroffen! Das dauernde Auf und Ab hat uns unterwegs einiges an Kraft und Nerven gekostet, doch haben wir niemals erwartet, das sich diese Gesamthöhe aufsummiert. Übrigens: für die ganz abhängigen Fans und Überinteressierten gibt es auf der Statistik-Seite (rechts im Menü) jetzt alle Etappen bis kurz vor Hornopiren. Dort könnt ihr von Höhen- über Streckenmeter, Fahrzeiten, Schlafhöhen und Ruhetage bis zu Unterkunftsart einfach alles herausfinden, wir überlegen uns die Tabelle um verschiedene Kategorien zu erweitern, zB. transportierte Essensmenge, konsumierte Schokoladenmenge, Anzahl Ausraster weil man mit dem Velo in den Graben fuhr (die Velos haben tatsächlich einen eigenen Willen! So häufig wie Roman inzwischen unfreiwillig in den Graben neben der Strasse fuhr, muss hier eine unterschwellige Aufmüpfigkeit von Penny vermutet werden...) und viele andere ebenso wichtige statistisch interessante Vorkommnisse. Item, die Statistiken interessieren nicht jeden, das ist auch bei uns zwei Reisenden so.

Nun zu den wirklich interessanten Dingen. Nach den Ruhetagen in Hornopiren steht uns schon wieder ein eher gemütlicher Tag bevor. Wir, vorausschauend wie wir halt so sind, schauen schon mal im Internet den Fahrplan der Fähre an damit wir entsprechend unseren Wecker programmieren können. Unsere Gastgeberin gibt uns dann kurz bevor es zu spät ist den Privattipp, dass die Fähre eine halbe Stunde früher fährt als wir annehmen. Nach einer hektischen halben Stunde stehen wir am Schalter und erfahren, dass die Fähre eine halbe Stunde später fährt als im Internet angegeben. So läuft das hier, auch Chile liegt in Südamerika. Die Passage besteht aus zwei Fährstrecken und einer 10 km langen Strecke über Land dazwischen. Für die 10 km Schotterstrasse mit Auf und Ab bleiben uns gemäss Fahrplan 30 Minuten. Die Person hinter dem Schalter interessiert sich herzlich wenig für unsere Rechnung mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von Autos und Velos und den daraus folgenden Schluss, dass wir wohl die zweite Fähre verpassen. Zum Glück fährt hier jeder ein Pickup (so kann man auch gut mal eine Schaufel transportieren, die hat ja in einem normalen Auto kein Platz), und wir finden ein Opfer, welches unsere Velos über die kurze Landpassage transportiert. Die Fahrt mit der Fahre geht durch schöne Landschaft, überall Wald, im Hintergrund Berge, wieder könnte es auch Norwegen sein. Wir sind fast den ganzen Tag mit den zwei Fähren unterwegs, und am späten Nachmittag erreichen wir Caleta Gonzalo. Hier liegt der Eingang zum Pumalin-Park. Wir organisieren uns eine Karte, und rollen noch einige Meter bis zum laut unserem Reiseführer schönsten Campingplatz von ganz Chile. Das war mit rund 2 km Velostrecke ein ganz schön anstrengender Tag, darum lassen wir uns diesen Camping nicht entgehen! Er liegt wirklich sehr schön mitten im Wald, kleine Holzstege führen durch das dunkle Unterholz, zu Lichtungen mit weichem Gras und riesigem Farn und Nalca-Pflanzen. Die Nalcapflanzen sehen aus wie gen-manipulierter Rabarber, scheinbar sogar damit verwandt und essbar. Wir werden das selbstverständlich bei Gelegenheit testen und auf dem Benzinkocher einen Riesenrabarber-Kuchen kochen.

Riesen-Rabarber Nalca

Anstatt Rabarber-Kuchen gibts heute aber Reis mit Bohnen und Ruebli. Die Bohnen muessen natuerlich zuerst eingelegt werden, doch wie macht man das wenn man den ganzen Tag mit dem Velo unterwegs ist?

Bohnen einlegen einfach gemacht

Eher nervenaufreiben ist es, die Bohnen in die Flasche zu kriegen. Die Oeffnung einer Petflasche ist eher klein, da sitzt Martina dann 10 Minuten am Strassenrand und schmeisst Bohne fuer Bohne in die Flasche.

Weiter gehts durch den Park, wir unterbrechen für eine kleine Wanderung (man kann auch darüber diskutieren ob 40 Minuten noch ein Spaziergang ist, oder schon eine ausgewachsene Wanderung. Ihr könnt raten wer von uns welche Position vertreten tut) zu einem kleinen Bestand von Alerce-Bäumen. Wie auch sonst so oft in der glorreichen Geschichte der Menschheit im Umgang mit der Natur wurden diese riesigen Bäume effektiv abgeholzt und fast vernichtet. Die Bäume werden mehrere 1000 Jahre alt, mit Stammdurchmesser zwischen 3 und 5 Meter. Wir stehen klein und still am Fuss dieser Riesen, die schon da standen bevor wir Menschen in Europa auch nur im entferntesten daran dachten nach Südamerika zu kommen um Land und Leute zu unterwerfen und vernichten. Wir fahren, wieder einmal nachdenklich gestimmt, weiter zum nächsten Highlight: dem Vulkan Chaitén. Wir erwarten einen unscheinbaren Hügel, und sind überaus erstaunt als wir das Teil zum ersten Mal sehen. Uns überrascht die grosse Wolke am Krater, zwar weiss weil Wasserdampf, aber gross, so richtig vulkan-mässig.

Vulkan Chaiten

Man möchte instinktiv umkehren und davon weg fahren, doch auf unserer Infobrochüre steht, dass man in einer Wanderung (1.5 h, also schon einigermassen happig) zum Krater gelangen kann. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, der Vulkan war das letzte Mal 2009 ausgebrochen, das vorletzte Mal lag mehr als 9000 Jahre zurück! Wir können uns noch nicht ganz vorstellen wie wir dort rauf können mit all dem Dampf, doch riskieren wir für ein paar Föteli gerne unser Leben. Wir deponieren unser Gepäck auf dem nahen Zeltplatz und fahren mit dem Rucksack zum Start des Wanderwegs. Der Parkwächter ist nicht anwesend, und der Wanderweg nicht so einfach zu finden. Sonst ist hier immer alles bestens angeschrieben und erklärt, doch da fehlt die Information. Wir bereiten uns für das Schlimmste vor und nehmen viel Schoggi mit. Dazu noch GPS und Stirnlampe. Am Fuss des Vulkans herrscht Zerstörung, der Wald ist über weite Strecken tot, viele Bäume gebrochen oder gefällt. Erdrutsche sind provisorisch von der Strasse gebaggert worden, überall liegt graue Asche. Der Wanderweg ist liebevoll mit der Motorsäge durch die liegenden Baumstämme gefräst, bald gehts ordentlich bergauf. Der Wald ist abrasiert, die grossen Bäume stehen zwar noch, jedoch nur noch Stamm und die dicken Äste. Der Rest ist teils mit Wurzeln ausgerissen oder splitternd gebrochen, die Stämme liegen einige Meter neben den Strünken. Doch ist der Boden dazwischen mit viel jungem Grün bewachsen, und man kann erkennen, das sich die Natur in nur 4 Jahren schon gewaltig erholt hat. Es bleibt kein beklemmendes Gefühl zurück, eher ein zaghafter Optimismus. Alles in Allem eine unglaublich beeindruckende Gegend für uns. Wir keuchen bergauf, steil, und es wird immer karger, die toten Bäume haben in der Zwischenzeit keine Rinde mehr, das ganze sieht aus wie Treibholz. Wir erreichen den Kraterrand, alle Bäume liegen wie ein Haufen Zündhölzli, aber alle schön hangabwärts ausgerichtet.

Aussicht vom Kraterrand

Die Aussicht ist fantastisch, auf der einen Seite liegt Wald und Meer, auf der anderen Seite erhebt sich in der Mitte des Kraters der Lavadom. Die Geografie des Kraters ist übrigens sehr schön auf unserer Spotkarte zu erkennen, es befindet sich ein Spotpunkt auf dem Kraterrand. Der Krater hat einige Kilometer Durchmesser, und der Lavadom ist riesig. Er füllt den Krater aus und überragt ihn, unten liegt ein kleiner See und Landschaften wie in Starwars. Der Dom dampft, und wir fühlen nun doch etwas Beklommenheit. Zwar hat es hier (leider) keinen glühenden Lavasee (wie das Roman erwartet hat), doch führt einem die Landschaft doch vor Augen wie viel Gewalt hier schlummert.

Lavadom im Krater

Wir essen zur Beruhigung Schoggi und warten auf den nächsten Ausbruch. Als die Sonne langsam tiefer geht, machen wir uns auf den Rückweg, drehen uns ab und zu um und kontrollieren, ob nicht doch plötzlich eine Feuersäule hinter uns in den Himmel schiesst. Zum Glück haben wir vorsorglich den Aufstieg mit dem GPS getrackt, so könnten wir auch im Aschenebel wieder zurück zu unserem Zelt finden.

Trotz dem ganz wenig mulmigem Gefühl (es steht schliesslich ein aktiver, rauchender Vulkan 8 km neben dem Zelt) schlafen wir mit müden Beinen bald tief. Am nächsten Tag nehmen wir es gemütlich und sind bald in Chaiten. Wir haben schon einiges gehört und gelesen über dieses Dorf, zweimal komplet evakuiert (2008 und 2009), und jetzt von etwa einem Viertel der ehemaligen Bevölkerung (4000 Leute) wieder bewohnt. Das Dorf wurde teilweise metertief unter Asche begraben, Häuser zerstört, und der Fluss mit Schlamm und Asche floss quer durch das Dorf. Der Strand lag früher gerade vor dem Dorf, heute ist die Bucht um die Flussmündung mit Asche gefüllt und das Meer liegt etwa einen Kilometer weiter aussen. Noch haben wir den zerstörten Teil nicht gesehen, das wollen wir morgen nachholen. Unsere Priorität lag bei Wäsche waschen und einkaufen, doch wissen wir noch nicht wie lange wir hier in diesem Dorf sein werden und wie unsere Pläne zur Weiterreise aussehen.

Damit lassen wir es jetzt auch mit der Textmenge gut sein, je länger wir unterwegs sind, desto weniger können wir uns kurz fassen. Wir haben uns wie immer über zahlreiche Mails gefreut, mit Geschichten von Zuhause. Auch gibs immer mal wieder Leute die Fotos schicken, das ist natürlich auch sehr lustig für uns. Dazu Danke an Alle, welche am Dählenweg-Truthahn-Thanksgiving für uns vor der Kamera posiert haben! Wir sind nun bestens über jeden Schritt bei der Zubereitung informiert und werden das Menü demnächst auf dem Benzinkocher nachkochen.

Soweit sogut. Wir werden in der nächsten Zeit wohl wieder seltener an Orten mit Internet vorbei kommen, ganz grob rechnen wir damit, in etwa 2 Wochen in Coyhaique zu sein, spätestens dort haben wir wieder volle Versorgung. Aber es gibt wohl auch einige Orte dazwischen wo es mal für ein Mail reicht!