zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Dienstag, 24. Dezember 2013

Carretera Austral Sued

Die letzten Kilometer der Carretera Austral waren recht zuegig geschafft, aber wir haben hier wieder ein ganz winzig kleines bisschen geschummelt und eine Tagesetappe abgekuerzt. Schande ueber uns, Schande ueber unsere Fahrraeder und Schande ueber unser Zelt, auf dass wir immer mit Muskelkater in den Wadli erwachen! In gewissen Tourenfahrer-Kreisen darf man nicht erwaehnen, dass man mal ein paar Kilometer mit einem Lastwagen gemacht hat. Aber bei euch Zuhausegebliebenen duerfen wir das ja wohl schon erwaehnen. Aber jetzt erst mal der Reihe nach, vor Kurzem waren wir ja noch in Cochrane...

Dort brechen wir nach zwei Tagen wieder auf, um an Weihnachten in Villa O'Higgins anzukommen. Das letzte bisschen Strecke wartet mit einigen Paessen und dem Holzfaeller-Dorf Caleta Tortel. Noch in Cochrane widmen wir uns nochmals intensiv der Interpretation von einigen Geruechten und gegenteiligen Informationen zur Faehrpassage ab Villa O'Higgins. Dazu ein kleiner Diskurs: Am untersten suedlichen Ende der Carretera Austral liegt das 500-Einwohner-Dorf Villa O'Higgins. Die Strasse endet dort, die letzte normale (mit Autos befahrbare) Passage weiter in den Sueden nach Argentinien liegt bei Chile Chico. Das untere Ende der Carretera Austral ist also eine mehrere 100 Kilometer lange Sackgasse. Jedenfalls fuer die Autofahrer, die Fahrradfahrer und Wanderfreunde haben eine Moeglichkeit, die Grenze suedlich von Villa O'Higgins zu ueberqueren und damit direkt nach El Chalten in Argentinien zu gelangen. Diese Passage hat es in sich. Zuerst muss man den Lago O'Higgins in einer mehrstuendigen Faehrpassage ueberqueren, danach fuehrt ein Wanderweg (mit dem Fahrrad teilweise befahrbar) ueber einen Pass und ueber die Grenze zu einem weiteren kleineren See, dem Lago Desierto. Dieser kann normalerweise ebenfalls mit einem Boot ueberquert werden, und 40 km weiter auf einer Schotterstrasse erreicht man den Ort El Chalten schoen unterhalb des Bergmassivs mit dem Fitz Roy. Seit mehreren Wochen nun vernehmen wir von anderen Fahrradlern, dass die Faehre ueber den kleinen Lago Desierto defekt ist, und nicht faehrt. Dies hat sich dann bei Nachfrage auch bestaetigt. Der Lago Desierto kann in einer haarstraeubenden Wanderung umgangen werden. Diese Wanderung wurde uns in den buntesten Farben und wildesten Beschreibungen mitgeteilt. Dabei waren unter Anderem "die ganze Strecke zweimal gehen, einmal mit Gepaeck, einmal mit dem Fahrrad. Auf dem Ruecken". Wir haben uns tuechtig gefreut, aber es schien machbar. Seit Chile Chico aber wissen wir, dass auch die erste Faehre ausgefallen ist, wegen einem Defekt am Motor. Damit wird die Passage unmoeglich. Es stauen sich die Radler in Villa O'Higgins, es seien dort schon bis zu 50 am warten. Dann kam mal die Meldung durch, dass der Kapitaen krank wurde und nach Santiago ins Spital musste. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Eine weitere Geschichte: sie haben ein Ersatzboot ueber die Strasse dorthin transportiert. Wir glauben alles und wissen eigentlich ueberhaupt nicht was dort unten laeuft, also fahren wir mal weiter. Irgend ein Weg werden wir schon finden, sei es ueber die Entrada Mayer oder einen Umweg mit dem Bus. Die Geruechtekueche brodelt.

Wir fahren bei leichtem Regen und Wind aus Cochrane raus, hier in dieser Gegend gibts keinen dichten Wald und wir sind dem Wind einigermassen ausgeliefert. Ein Pass, hier und da ein Bauernhof, gerodeter Wald im Talboden. Nach nur einmal zelten sind wir bereits an der Abzweigung zu Caleta Tortel. Wir fahren 20 km in die falsche Richtung zu einem Fjord, und erreichen die Siedlung gegen Abend. Die Strasse endet an einem Parkplatz und wir stellen die Velos beim Touristen-Info unter. Dann suchen wir uns ein Hospedaje mit Kueche. Die Besitzerin der gemuetlichen Unterkunft hat ein reges Mitteilungsbeduerfnis, vorallem der Gratis-Camping am anderen Ende des Dorfes macht ihr arg zu schaffen. Es sei dort unglaublich gefaehrlich und windig und viele boese Hunde und und und. Wir bleiben bei ihr, aber eher wegen dem einsetzenden Regen. Am naechsten Tag erwandern wir uns das spezielle Dorf am Ufer. Die Haeuser sind in den Hang gebaut, Gehwege fuehren ueber Holzstege ueber das Meer.

Caleta Tortel
Strom gibts nur Abends zwischen 7 und 9, wir hoeren einige Dieselgeneratoren. Wir muessen uns auch unbedingt den Camping anschauen. Wir finden keine Hunde, aber eine Kuhherde mit Kaelbern und einem riesigen Stier. Da schlaeft man wohl sehr ruhig, vorallem wenn mein ein rotes Zelt hat. Wir kehren im Nieselregen zurueck in unser Hospedaje, mit einem unglaublich teuren Einkauf im Dorfladen versorgen wir uns fuer die letzten 3 Tage bis O'Higgins.

Da wir die gleichen 20 km zurueck zur Kreuzung nicht nochmals pedalen moegen, werfen wir uns einem Typen mit Lastwagen an den Hals, wir duerfen mitfahren. Er faehrt nicht nur zur Kreuzung, sondern sogar weiter bis Puerto Yungay, wo die letzte Faehrpassage ansteht. Wir wehren uns nicht gross dagegen, so wird uns ein Pass und 50 km Strecke geschenkt, eine gute Tagesetappe. In der Stunde hinten auf dem Lastwagen altern wir trotzdem einen ganzen Tag, es geht mit bis 80 km/h ueber einen Pass mit steilen Schluchten. Die Steine fliegen nur so, wir klammern uns fest. Hier ist es jetzt ein Vorteil, dass die Strassen wie Rennbahnen gebaut sind, die Kurvenneigung ermoeglicht ein zuegiges Vorwaertskommen. Bei 80 km/h und 4 Raedern rutscht man auch nicht immer wieder in den Strassengraben. Die Eile hat einen Grund, der Fahrer will die Faehre noch erwischen, was uns knapp gelingt. Nach nur 45 Minuten auf dem Wasser stehen wir auf den letzten 120 km. Wir nehmen uns dafuer 2 Tage Zeit. Nach kurzer Zeit muessen wir die Carretera Austral aber verlassen, die Strasse nach Villa O'Higgins wurde zur Ruta X-91 degradiert, weil die Carretera Austral (Ruta 7) ja schliesslich weiter in den Sueden gebaut wird. Uns kuemmert diese unschoene Formalitaet nicht, und wir erstrampeln noch 2 Paesse bevor wir eine Schutzhuette mit Ofen finden. Das Feuer erfreut unser Herz, jedenfalls solange bis der Wind genug kraeftig ist, und den ganzen Rauch durch den Kamin in die Huette blaest. Wir lassen uns raeuchern, doch sind wir froh ueber den Wind- und Regenschutz. Am naechsten Tag nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff, die Landschaft passt und das Wetter ist mehrheitlich regenfrei.

die letzten Kilometer
Bald treffen wir in Villa O'Higgins ein und sind fast ein bisschen enttaeuscht, dass kein Begruessungskomitee auf uns wartet, schliesslich haben wir es jetzt ans Ende der Carretera Austral geschafft! Wir sind wieder mal geschafft, und zusaetzlich verunsichert wegen der ganzen Geschichte mit der Faehre. Das Dorf ist klein, und wir finden bald einige Fahrraedler in einem Park. Wir decken uns mit den neusten Infos ein, scheinbar steht die Geschichte kurz nach der Eskalation. Am Tag vorher ist eine Gruppe Radler zu einen Alternativ-Weg nach Argentinien aufgebrochen weil sie bis zu 2 Wochen hier gewartet haben, und da es kein Bankomat gibt, nun kein Geld und keine Geduld mehr hatten. Einige andere Radler kamen gerade mit einer Ersatzfaehre von Sueden her ueber den See, auch sie haben bis zu 2 Wochen gewartet. Allerdings ohne Essen. Wir vernehmen Schauergeschichten, der Bauer dort habe ein paar Kuehe geschlachtet damit die Gruppe nicht verhungert sei. Wir wollen endlich Gewissheit und schliessen uns der Pilgerreise zum Infozentrum an. Dort vernehmen wir, die Faehre sei repariert, muesse aber noch getestet und freigegeben werden. Wir koennen gerade morgen los. Wir sind muede und wollten ja eigentlich Weihnachten hier in O'Higgins verbringen. Da nicht klar ist, ob wir gerade am naechsten Morgen wieder los muessen, bereiten wir uns darauf vor. Koennte ja sein, dass dies die einzige Faehre ist, bevor das ganze System wieder zusammenbricht. Wir kaufen ein und gesellen uns zu der Gruppe wartender Radler. Wir zelten im Park weil eben nicht mehr alle Geld haben, dies stoert aber Irgendjemanden und irgendwann taucht die Polizei auf. Eine Rundreise zum Posten und dem Buergermeister loest das Problem nicht, es wird Nacht und wir sind alle muede und im Ungewissen wegen der Faehre. Um 11 Uhr in der Nacht taucht dann wieder ein Polizist auf und laesst uns ausnahmsweise dort schlafen. Am naechsten Morgen stellt sich heraus, die Faehre verkehrt ab sofort wieder fahrplanmaessig zweimal pro Woche. Endlich koennen wir uns entspannen! Die ganze Gruppe nimmt die erste Gelegenheit wahr und ist kurz darauf verschwunden. Wir bleiben zurueck und suchen uns ein Zuhause fuer die naechsten Naechte bis auch wir mit der Faehre ueber den See fahren werden.

Wir werden ueberschwaenglich auf dem Eco-Camp ein wenig ausserhalb des Dorfs begruesst. Alles scheint ein bisschen improvisiert hier, doch beim naeheren Hinsehen stellen wir fest, es ist alles selbst gebaut. Der Besitzer erklaert uns dass er hier keinen einzigen Baum gefaellt habe, und alles, wie angenommen, selbst aufgebaut sei. Trocken-WC und Holzboiler fuer Heisswasser, kein Strom, aber sehr gemuetlich.

Wohnzimmer Eco-Camp Villa O'Higgins
Wir installieren uns, kaufen ein, organisieren die Faehren-Tickets und machen es uns dann im Wohnzimmer des Campings gemuetlich. Von Weihnachten keine Spur hier, und es sieht auch nicht nach allzu grossen Bemuehungen aus, dass sich dies noch aendert. Nach dem Weihnachts-Trekking von Martina muessen wir am 25. auch frueh raus, die Faehre faehrt kurz nach 8 Uhr. Wir haben vor, Weihnachten, Ruhetage und Neujahr in El Chalten nachzuholen, hier ist einfach nichts los! Trotzdem gibts heute (24.) ein gemeinsames Znacht im Camping-Wohnzimmer. Eine kleine Unsicherheit bleibt, da wegen starkem Wind die Faehre eventuell nicht faehrt, dann wirds halt der 26. bis wir rueber kommen. Wir werden sehen...

Also, liebe Leser, wir wuenschen wunderschoene Weihnachten, und ihr hoert wieder von uns aus El Chalten!