zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Mittwoch, 26. Februar 2014

Mit dem Zug nach Buenos Aires

Die letzte Etappe der Reise vom Strand in Las Grutas nach Buenos Aires war nochmal ein kleines Abenteuer fuer sich: zwei eher kurze Naechte, eine kleine Verspaetung und nicht gerade modernste Eisenbahntechnik neben der wunderbaren Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Argentinier.

Mitten in der Nacht geht der Wecker, um 3 Uhr stehen wir auf und packen unsere Rucksaecke, ein letztes Mal verstauen wir unser Zelt. Wir werden es auf dieser Reise wohl nicht mehr brauchen. Um 4 Uhr stehen wir am Busterminal, in einer Viertelstunde sollte der Bus abfahren. Eine Stunde spaeter sitzen wir immer noch vor dem Terminal, einige Busse kamen vorbei, aber unserer war nicht dabei. Wir sind nicht alleine, schliesslich kommt die Frage auf wo den wohl der Bus ist. Wir denken uns das erste (und definitiv nicht das letzte Mal in dieser Geschichte), dass sowas in der Schweiz kaum moeglich ist. Dabei gehts weniger um die Verspaetung als mehr darum, das erst nach einer Stunde eine beilaeufige Frage aufkommt. Aber niemand weiss etwas, die Telefonauskunft ist selbstverstaendlich erst ab 10 Uhr verfuegbar und der Schalter noch geschlossen. Man schaut sich ratlos an und wartet weiter. Irgendjemand findet dann raus (wir wissen nicht wie, vielleicht Freunde im Bus), dass unser Bus im Moment noch einige hundert Kilometer weiter suedlich sein soll, irgendetwas von Strassensperre in einem Dorf. Nochmal etwas spaeter hilft uns die Verkaeuferin am Kiosk, welche frueher fuer das Busunternehmen gearbeitet hat. Sie kann in Erfahrung bringen, dass unser Bus tatsaechlich noch in Caleta Olivia (Ihr erinnert euch? Da waren wir auch schon mal...) steht. Allerdings gehts jetzt dort weiter, wir koennen also damit rechnen, dass der Bus zwischen 9 und 10 Uhr hier ankommt. Das sind dann 6 Stunden Verspaetung. Wir werden ein bisschen unruhig, schliesslich wollen wir den Zug noch kriegen, der faehrt gegen 20 Uhr. Und bis Bahia Blanca sinds noch einige Stunden Busfahrt. Alternative gibt keine, und offizielle Infos kriegen wir nicht. Wie die Argentinier so sind rastet niemand aus, es wird nicht geflucht und sich beschwert, man legt sich im Terminal auf den Boden und schlaeft erst mal weiter. Wir nehmen sie uns zum Vorbild und schlafen halt erst mal aus. 

Nach einem Zmorge im Terminal kommt nach 10 Uhr tatsaechlich unser Bus! Keiner sagt etwas zu diesem Vorfall, die Verspaetung und die Gruende dafuer werden mit keinem Wort erwaehnt. Wir erinnern uns an die Entschuldigungen der SBB in der Schweiz bei 3 Minuten Abfahrtsverspaetung. Und an die schweizer Pendler, die nach 5 Minuten Verspaetung auf dem Perron nervoes werden, und nach 10 Minuten Zetermordio schreien. Die argentinische Umgehenweise mit solchen Vorkommnissen ist defintiv schonender fuer die Nerven und den Blutdruck. Wir versuchen diese Gelassenheit zurueck in die Schweiz zu nehmen...

Einige Stunden spaeter treffen wir in Bahia Blanca ein, eine grosse und total untouristische Stadt. Von hier faehrt ein Zug bis Buenos Aires. Es war nicht ganz einfach, Tickets zu kriegen fuer diese Fahrt. Man kann Tickets telefonisch reservieren, allerdings muss man diese 3 Tage vor Abfahrt am Schalter im Bahnhof abholen und bezahlen. In unserem Fall war das ja nicht moeglich, also mussten wir uns eine Alternative ueberlegen. Schon in Las Grutas haben wir ueber Couchsurfing eine Frage in der Gruppe von Bahia Blanca deponiert: ob wohl irgendjemand bitte bitte fuer uns am Bahnhof die Tickets kaufen kann und wir sie dann bei der Abfahrt bezahlen koennen? Es dauerte nicht lange, und Carlos hat sich gemeldet. Kein Problem, er besorgt sie fuer uns. Jetzt, wo wir hier in Bahia Blanca angekommen sind, melden wir uns bei Carlos, und kurz darauf steht er mit den Tickets am Busbahnhof. Er bietet uns an, uns in der verbleibenden Zeit bis zur Abfahrt die Stadt zu zeigen. Wir wollen ihn noch auf ein Bier einladen, er meint, er kenne da eine gute Panaderia wo wir ein paar Suessigkeiten kriegen. Dort haben wir keine Chance ihn einzuladen, selbstverstaendlich uebernimmt er die Rechnung fuer etwa 2 Kilo Dessert. Im Park sitzen wir mit ihm zusammen und essen unser suesses Znacht. Den Rest (etwa die Haelfte) packt er uns ein (als Zwischenverpflegung im Zug!), und wir machen einen Zwischenstop bei seiner Wohnung um Wasser aufzufuellen. Kurz darauf werden wir an den Bahnhof gebracht, Carlos traegt sogar unser Gepack in den Zug. Wir sind ueberwaeltigt von so viel Gastfreundschaft. 

Der Zug ist definitiv nicht der Neuste. Natuerlich ist die Strecke nicht elektrifiziert, wir werden also von einer riesigen Diesellokomotive gezogen. Die Wagen sind alt und in eher dreckigem Zustand. Fenster und Tueren stehen offen weil es so heiss ist, Klimaanlage existiert nicht. Wir haben die 1. Klasse gebucht, dort gibt es einen Sitz zum kippen. Der Zug ist voll, Familien mit Kindern und Gepaeck ueberall. Wir verabschieden uns von Carlos, und puenktlich faehrt der Zug los. Wir holpern im Schritttempo aus der Stadt heraus, immer wieder toent das Horn der Lokomotive. Es ist in keiner Weise vergleichbar mit einer Zugfahrt in der Schweiz, und darum fuer uns ein beeindruckendes Erlebnis. 

In der Daemmerung sind wir aus der Stadt heraus. Die Tueren auf der Plattform stehen offen, man kann sich auf die Treppe setzen und die Fuesse in den Fahrtwind halten. Es holpert und rumpelt und quietscht, manchmal gehts nur langsam voran, man koennte neben dem Zug mitrennen. 


Als es dunkel wird, richten wir uns so gut es geht zum schlafen ein. Da wir in der letzten Nacht nicht gerade viel geschlafen haben, sind wir trotz Geholper und Laerm bald im Halbschlaf, und zeitweise sogar ganz weg. Der Zug faehrt quer durch flache Graslandschaft, mit Zwischenhalten an kleinen Doerfchen. Irgendwann geht die Sonne auf, und es kommt Leben in die Reisegesellschaft. Wir sind nun schon ganz nah an Buenos Aires, doch geht es noch fuer eine oder zwei Stunden durch besiedeltes Gebiet bevor wir zum Zentrum kommen. Die Umgebung von Buenos Aires sieht aus wie Italien, teilweise trocken, aber gruen. Wir sehen Palmen, aber auch Kuhweiden. Die vereinzelten Haeuser werden immer dichter, eher arm, teilweise sieht es aus wie damals in Bolivien: unverputzte Backsteinbauten, alte Lastwagen und Geruempel in den Hinterhoefen. Die Vororte sind nicht wie erwartet Armenviertel wie in Lima, es scheint hier nicht so schlimm zu stehen. Trotzdem ist die Armut sichtbar. Irgendwann sind wir in Buenos Aires, die Einfahrt ins Zentrum ist wie in jedem Bahnhof einer Grossstadt: riesiges Geleisefeld, umgeben von Industrie. Und dann laufen wir im Bahnhof Constituion in Buenos Aires ein.


Allgemeine argentinische Aufregung im Zug (also alles ruhig und gesittet) vor dem Aussteigen, dann stehen wir mit unserem Gepaeck auf dem Perron. Wir haben schon vor unserer Ankunft mit Judith und Christ-Andri kontakt aufgenommen, sie waren schon 2 Tage vor uns in Buenos Aires angekommen. Sie haben uns nun zu sich in ihr Zuhause eingeladen, damit wir uns ausruhen und ankommen koennen. So organisieren wir uns zuerst ein U-Bahnticket und ein Stadtplan, dann machen wir uns auf den Weg quer durch Buenos Aires. Wir finden uns problemlos zurecht, schlussendlich ist es hier nicht viel anders als in Paris oder sonst einer Grossstadt. Gegen Mittag kommen wir muede aber zufrieden im Zuhause unserer Velofreunde an. Ein bisschen traurig weil das Reisen nun definitiv zu Ende ist, aber voll mit guten Eindruecken vom letzten Abschnitt.

Mehr zu Buenos Aires gibt es dann spaeter, schliesslich sind wir im Moment immer noch daran, die Stadt zu erkunden. Nach unserer Ankunft sind wir am Abend zu unseren Gastgebern von Couchsurfing gefahren und wurden dort herzlich von Javier und Sol in Empfang genommen. Hier wohnen wir in ihrem Wohnzimmer fuer 3 Naechte, danach verschieben wir uns in ein Hostel fuer die letzten zwei Naechte vor dem Flug.