zurückgelegte Strecke

Auf der Karte oben koennt ihr die zurueckgelegte Strecke anschauen, wir aktualisieren unseren Standort wenn wir Gelegenheit dazu haben.

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Freitag, 24. Januar 2014

Zur Magellanstrasse

Jetzt gehts langsam los mit all den "suedlichstes Blabla der Welt", und ihr muesst jetzt wohl oder uebel mit uns durch das Alles hindurch. Unsere naechsten Eintrage werden also kunstvoll ergaenzt mit diversen Zielen, die wir hier, je weiter wir nach Sueden vorstossen, nadisnaa erreichen. 

In Puerto Natales brechen wir frisch erholt auf, um die kurze Etappe nach Punta Arenas hinter uns zu bringen. Unsere Velofreunde aus der Schweiz (die wir in Villa O'Higgins getroffen haben), sind jetzt immer einige Tage vor uns unterwegs, und wir profitieren von aktuellen Tipps zur Strecke vor uns. So wissen wir, wo wir in den naechsten Naechten ein bisschen Windschutz zum schlafen finden.

Wir radeln also los, wieder raus in die windige Steppe. Da wir aber einigermassen nahe von den hier nur noch wenig hohen Anden sind, existiert sogar etwas Vegetation. Das gelbe strohige Gras liegt weiter oestlich,   hier hat es sogar richtig gruenes Gras und Buesche. Teilweise sogar Baeume. Der gesamten Vegetation sieht man sehr eindeutig an, das der Wind hier ununterbrochen und sehr einseitig blaest. 

Baeume mit Foehnfrisur
Es ist so, dass die Baeume nicht nur voruebergehend vom Wind so zurecht geblasen werden. Da die Baeume in konstantem Wind wachsen, sehen sie auch bei (unglaublich seltener) Windstille so aus. Wenn man also so gluecklich ist, und einen windstillen Moment in Patagonien erlebt, erinnert einem die Vegetation immer daran, was eigentlich der Normalzustand ist.

Wir radeln zwischen Regenschauern und bei Seitenwind richtung Suedost, auf der anschliessenden Strecke gegen Osten haben wir den Wind sogar fuer einige Kilometer im Ruecken und es geht zackig voran, wir haben gegen Nachmittag schon mehr als 100 km auf dem Tacho.

Wir wollen unser Glueck nicht strapazieren und nutzen eine Schlafgelegenheit bei der Polizei. Ein windschiefer Schuppen bietet Ruhe vor Wind und Graupelschauern. Wir verzichten auf unser Zelt, und richten einen Schlafplatz ein. In der Nacht faellt die Temperatur runter, wir erwachen und es ist nur knapp ueber 0 Grad. Der noch schwache Wind fuehlt sich eisig an, wir ziehen all unsere Kleider an und radeln kurz nach Sonnenaufgang los (ihr koennt euch sicher an den Trick mit dem Wind am fruehen Morgen erinnern). Nach ein paar Kilometern sind wir so durchgefroren, dass wir in einem Bushaeuschen unsere Fuesse und Haende auftauen muessen, und hoffen, dass die Sonne bald durch die Wolken drueckt. Zum Glueck finden wir in der naechsten kleinen Ortschaft ein Restaurant und bestellen heisse Schoggi, Cafe und Kuchen. Wir tauen auf und warten auf angenehmere Verhaeltnisse.

Da wir so frueh los sind, haben wir schon bald nach dem Mittag wieder gegen 100 km geschafft, aber der Wind nimmt zu. Deshalb verzichten wir auf die weiteren 50 km bis Punta Arenas, obwohl wir das eigentlich schon noch schaffen koennten. Aber da es hier gerade eine Estancia hat, und wir dort auch einen windgeschuetzten Zeltplatz erhalten, bleiben wir. Den Nachmittag verbringen wir im Zelt mit lesen, ueber uns surrt ein Windrad immer mehr. Gegen Abend setzt Regen ein, und es wird wieder kalt.

Am Morgen glitzert unser Zelt, die Finger frieren beim Hantieren mit dem Kocher rasch ein. Zum Glueck kann man sie danach ueber dem Kocher wieder auftauen. Die Sonne verwandelt den Reif im Zelt in Wasser, und wir rollen beim Abbauen einige Extrakilos Wasser mit ein. Die werden bis zum Abend den ganzen Zeltsack befeuchtet haben. Ueber unseren Koepfen schwenkt das Windrad froehlich gegen Sueden und beginnt wieder zu surren. Auch schoen, dass unsere Strasse hier ebenfalls gegen Sueden schwenkt, wir freuen uns auf 50 km Gegenwindarbeit.

Es ist dann weniger schlimm als erwartet, dafuer nimmt der Verkehr stark zu. Viele grosse Lastwagen ueberholen uns und vor den Huegelkuppen werden wir immer wieder in den Kiesstreifen gehupt weil die Lastwagenfahrer nicht bremsen wollen. Dann glitzert es blau am Horizont.

Wir erreichen ein weiteres markantes Ziel: die Magellanstrasse. Dieser Meereskanal um die Suedspitze des Kontinents markiert eigentlich das Ende unserer Festland-Reise. Hier ist der suedamerikanische Kontinent zu  Ende, weiter suedlich liegen nur noch Inseln.

Magellanstrasse und Feuerland
Wir radeln jetzt entlang der Magellanstrasse noch einige Kilometer weiter Richtung Sueden, noch sind wir nicht ganz am Ende angelangt. Der Verkehr nimmt zu, die Strasse wird 4-spurig, man darf jetzt 100 km/h fahren. Wir versuchen es, aber kommen nicht ueber 15 km/h. So brauchen wir doch noch mehr als eine Stunde, bis wir das Stadtzentrum von Punta Arenas erreichen. Wir durchqueren Industriegebiet, Hafenanlagen, Windraeder (zur Stromproduktion) und teilen die Strasse mit dem Schwerverkehr. Das haben wir irgendwie nicht erwartet, Punta Arenas ist viel groesser als erwartet! Seid Temuco haben wir keine groessere Stadt mehr gesehen. Wir schaffens zur Plaza und machen uns im sehr touristischen Zentrum auf die Suche nach einem Hostel fuer die naechsten paar Naechte.

Das ist also der Ort, wo wir unsere Reise auf dem Festland beenden. Punta Arenas liegt an der Magellanstrasse, und auf der anderen Seite der Magellanstrasse liegt Tierra del Fuego (fuer unsere fremdsprachenunbegabten Leser: Feuerland). Tierra del Fuego ist eine grosse Insel, Chile und Argentinien teilen sie sich. Ganz unten im Sueden von Tierra del Fuego liegt Ushuaia, unser endgueltiges Ziel.

Bevor wir die Faehre nach Feuerland nehmen, machen wir aber noch einen kleinen Ausflug. Wir haben den Tipp gekriegt, dass man ein bisschen suedlich von Punta Arenas Delfine sehen kann. Das versetzt Martina in grosse Freude (Deufiinli! Deufiinli ga luege!!), und wir radeln leichtbepackt dorthin. Tatsaechlich kann man vom Strand aus sehen, wie sich da eine ganze Horde (die biologisch korrekte Bezeichnung fuer eine Gruppe Delfine ist uns unbekannt) tummelt.

Delfinli
Neben ein paar unscharfen Fotos produzieren wir auch einige verwackelte Filmli, so erfreut sind wir ueber den Anblick. Als dann die Ebbe einsetzt, verschwinden sie, und wir fahren wieder zurueck nach Punta Arenas. Der Seitenwind blaest uns arg in die Raeder (die sind sonst immer von den Saccoschen verdeckt), es geht hier einfach nicht ohne Wind.

Jetzt liegt Feuerland vor uns, 550 km Wind und Kaelte. Noch sind wir uns der Route nicht ganz sicher, es gibt zwei Moeglichkeiten. Die einfachere Variante bedeutet aber viel Verkehr und viel oede Pampa. Die Alternative fuehrt weiter suedlich durch das Zentrum von Feuerland und ueber einen weiteren unbedeutenden Grenzuebergang. Anstatt durch die Pampa fuehrt diese Schotterstrasse aber durch den teilweise mit Wald bewachsenen Teil von Feuerland, durch huegeliges Gebiet, das soll reizvoller sein als die Hauptstrasse entlang der Kueste. Das Hauptproblem sind nicht die Schotterstrasse oder die eher schlechte Versorgungslage (5 Tage ohne Einkaufsmoeglichkeit), auch nicht die fehlende Bruecke am Grenzfluss (mit solchen Dingen haben wir ja langsam Erfahrung...), sondern, wer haette das gedacht, der Wind. Nach dem Grenzuebergang muessen wir so oder so zur Ostkueste von Feuerland, nach Rio Grande. Dort haben wir wohl die naechste Einkaufs- und Internetmoeglichkeit, bis dahin brauchen wir wohl zwischen 3 Tagen (super-optimistisch) und einer Woche. Abhaengig von was schon wieder? Aja, vom Wind.

Falls ihr aus Rio Grande nichts von uns hoert, 200 km weiter haben wir dann Ushuaia erreicht. Von dort werdet ihr ganz bestimmt was von uns hoeren, der Wind wird unser Freudengeschrei wohl ueber den Atlantik bis in die Schweiz tragen. Zuerst kommt jetzt aber noch das letzte Veloabenteuer unserer Suedamerika-Reise: Die Durchquerung von Tierra del Fuego.