Kurz vor der Passhoehe bogen wir auf Empfehlung eines argentinischen Velo-Paeaerchens von der Passstrasse ab und fuhren zu den Aguas Medicinales. Der Chef wies uns hinter dem Badehaus einen Platz zum Kochen zu, und wir beendeten unsere Tagesetappe nach 40 km, um den Rest des Tages neben dem Bad und den heissen Quellen zu lesen, bis die Peruaner nach Hause gingen. Spaeter am Nachmittag sind wir dann in das heisse Wasser gestiegen, auf etwa 4160 m Hoehe mit Ausblick auf die Passhoehe.
| Bild gross machen, dann sieht man den schwimmenden Roman |
Das bis zu geschaetzten 60 Grad heisse Wasser kommt direkt aus dem Boden und fliesst durch kleine Kanaele zum Bad und den privaten Becken im Badehaus. Wir blieben dort im Wasser bis die Sonne unterging, danach stellten wir unser Zelt einige 100 Meter neben den Quellen in wunderschoener Umgebung auf.
Es wurde die bisher kaelteste Nacht, am Morgen zeigte unser Thermometer draussen -10 Grad an. Entsprechend dick angezogen wird dann das Zmorge gegessen, auch bei diesen Temperaturen gibts Ruehrei und Coca-Tee. Sobald die Sonne aufgeht, steigen die Temperaturen wieder, und das gefrohrene Kondenswasser im Zelt verfluechtigt sich schnell. Man muss nur aufpassen, dass man das Zelt nicht zu fest schuettelt, sonst gibts einen Schneesturm. Sehr angenehm wenn man noch im Schlafsack liegt und es einem Eis ins Gesicht regnet.
| Bei diesen Temperaturen bleibt Martina so lange wie moeglich im warmen Schlafsack. |
| Roman wagt sich mit seiner Tarnkappe in die Kaelte und kocht das Z'morge. |
Kurz nach dem Abra La Raya (ca 4300 m) sind wir ins Altiplano runter gerollt. Das Altiplano liegt auf ungefaehr 3800 m, und ist eine riesige Hochebene umgeben von kahlen Huegelzuegen. Die Strasse zieht sich oft schnurgerade ueber mehrere Kilometer durch das strohig goldig-gelbe Ichu-Gras.
| Achtung Wortspiel: Ein Passfoto!!! |
Bewohnt wird das Altiplano (und auch alle anderen laendlichen Gegenden im Hochland) fast ausschliesslich von Indigenas. Sie machen 45% der Bevoelkerung Perus aus. Die meisten Menschen, denen wir hier begegnen, sind Indigenas. Was wir weiter unten berschreiben, hat also fuer uns keinen Seltenheitswert mehr, sondern ist der normale Alltag. Die Indigenas sind die aermste Gesellschaftsschicht Perus. Sie sprechen Quechua, eine Sprache, die fuer uns eher ein bisschen asiatisch toent. Verstehen tun wir natuerlich kein Wort. Rund um den Titicacasee ist ausserdem Aymara (eine andere Sprache) vorherrschend. Die meisten Indigenas sprechen aber auch Spanisch. Allerdings wird seit einigen Jahren Quechua auch als Schulsprache wieder benutzt und gefoerdert. Quechua galt lange als minderwertige Sprache, die als Muttersprache die Zukunftsperspektiven mindert. Dem versucht man nun in Peru entgegenzuwirken. Schon seit Beginn unserer Reise begleiten uns Szenerien, die wir eigentlich sehr gerne fotografieren und in den Blog stellen wuerden. Wir finden aber, dass es nicht richtig waere, diese Menschen und ihr Alltag abzulichten und aufs Internet zu stellen. Zumal die Indigenas uns haeufig sehr reserviert begegnen und in jedem Reisefuehrer steht, dass sie es nicht moegen, wenn sie fotografiert werden. Mit Ausnahme derjenigen indigenen Frauen natuerlich, die einen herausgeputzt und mit einem Laemmchen auf dem Arm in den Strassen Cuscos fragen, ob man sich fuer Geld mit ihnen fotografieren lassen moechte.... Da wir keine Fotos haben, versuchen wir nun, etwas zu beschreiben, was wir tagtaeglich sehen: Vor allem die Frauen (auch die jungen) tragen noch ihre traditionelle Kleidung bestehend aus mehreren (unglaublich vielen) Jupes uebereinander und meist einer Strickjacke. Die langen, schwarzen Haare haben sie zu zwei Zoepfen geflochten, die sie auf dem Ruecken zusammenbinden. Auf dem Kopf tragen sie einen Hut, der manchmal mehr an einen Zylinder, manchmal mehr an eine Melone erinnert. Auf dem Ruecken tragen sie fast immer ein farbiges Tuch, in dem sie alles moegliche mit sich herumtragen. Auch ihre Kinder. Die meisten Indigenas sind Bauern, besitzen ein paar Tiere (Schafe, Alpakas, Rinder, Schweine, Huehner) und betreiben Ackerbau. Dies obwohl der Boden oft sehr karg ist (in der Schweiz waere auf dieser Hoehe ja schliesslich ewiges Eis, hier hats noch ein bisschen Vegetation...). Die Aecker werden mit Holzpfluegen und Sicheln bearbeitet und die ganze Familie hilft mit. Gedroschen wird, indem Esel durch das Getreide getrieben werden.
Nachdem die Berge und die Huegelzuege zurueckgewichen sind, erreichten wir wieder groessere Ortschaften. Die meisten Staedte sind gringofreie, grosse und vorallem dreckige Orte. Wir haben im groessten Verkehrschaos Juliaca durchquert, welches von keinem Reisefuehrer positiv erwaehnt wird. Die Hauptstrasse und das Zentrum waren eine riesige, staubige Baustelle, und zweispurige Strassen konnen gut auch drei- oder vierspurig benutzt werden. Quer durch die Stadt und die Strassen fuehrt auch noch die Zugstrecke Cusco - Puno. Mit Hilfe vom GPS, Polizei und Bauarbeiter haben wir auch diese Stadt durchqueren koennen. In den Aussenbezirken ist es wie haeufig auch sonst an der Hauptstrasse aermlich, dreckig und die Haeuser sehen wie unfertige Baracken aus.
Nach einem kurzen Anstieg konnten wir bereits den Titicaca-See sehen, wenn auch nur schwer in der Ferne hinter Unmengen von Schilf erkennbar. Vom Pass fuhren wir direkt nach Puno hinein, welches zwar ein touristisches Zentrum hat, sonst jedoch authentischer als Cusco wirkt. Wir haben uns im empfohlenen Hostel "Inka's Rest" einquartiert und sofort unser Zimmer mit Saccoschen, Velos und unserem Kram vollgestopft.
Hier in Puno bleiben wir wieder ein paar Tage, auf dem Programm stehen nochmals ein Treffen mit Chrigi und Luca (welche wir ja schon in Cusco getroffen haben), ein Besuch bei den Uros, einkaufen im grossen Supermarkt und ausruhen fuer die naechste Etappe an. Die Eindruecke zu Puno folgen bald.