La Paz
Wir sind jetzt seit mehr als einer Woche hier in La Paz. Eine Stadt, die vor allem im Zentrum recht europaeisch wirkt. Rund ums Zentrum merkt man aber sofort wieder, dass man in Bolivien ist. Verwinkelte Gaesschen ziehen sich rund um die Stadt die Huegel hinauf. Sie sind sowieso schon eng. Da aber La Paz irgendwie einfach ein grosser Markt ist, wirds definitiv eng.... Ueberall sind Marktstaende, an welchen man nun wirklich alles bekommt. Unter anderem auch alle moeglichen Heilmitteli gegen alles Moegliche und Unmoegliche. So kann man zum Beispiel getrocknete Lama-Foeten kaufen, die man in die Waende eines neu gebauten Hauses eingemauert werden. Sie sollen vor boesen Geistern schuetzen. Ich haette auch Angst vor diesen erbaermlichen Kreaturen, wenn ich ein boeser Geist ware.... Auf unserem Weg von Sorata zurueck fanden wir, dass wir einen Bus nehmen vom alten Friedhof (dort kam unser Bus von Sorata her an) ins Zentrum. Allerdings waeren wir wohl zu Fuss schneller gewesen.... Der Bus kam in den vollgestopften Strassen kaum vorwaerts. Und die Tueren sind selbstverstaendlich einfach offen. Sonst kann man ja nicht ein- und aussteigen, wenn man will. Ein Erlebnis wars aber allemal. Und gekostet hats ganze 2 Bolivianos fuer uns zwei (man rechne durch 7 um auf Franken zu kommen).In La Paz bekommt man wirklich wieder alles. Es hat auch grosse Supermaerkte, wo wir uns nun fuer die Weiterreise eingedeckt haben. Und dann gibts eben diese Pastelerias.... Die Torten sehen zum Teil so kitschig aus, dass man sie in Europa wohl schon nicht mehr verkaufen koennte. Aber sie sind herrlich!!!!
![]() |
| Wer hat gesagt, in Bolivien sei die Versorgungslage schlecht? |
Casa de Ciclistas
Untergekommen sind wir im Casa de ciclistas. Ein altruistischer, velo-angefressener Bolivianer hat vor ein paar Jahren angefangen, eine Wohnung, die seiner Familie gehoert, Tourenvelofahrern zur Verfuegung zu stellen. Und dies mitten in La Paz. Man meldet sich per Mail an, erhaelt die Adresse und darf bleiben solange man will. Um Strom, Wasser etc. zu zahlen, werfen alle 20 Bolivianos pro Tag in ein Kaesseli. Das Ganze funktioniert dann wie eine WG, jeder und jede putzt, hilft und macht sich nuetzlich. Im Moment ist das Casa grad ziemlich voll, wir sind 13 Velofahrer. Lustigerweise grad alle aus der Schweiz und Deutschland. Die Mitbewohner wechseln aber auch immer wieder und so haben wir schon einige Leute getroffen, mit ihnen geplaudert und Erfahrungen ausgetauscht. Meistens wird auch gemeinsam gekocht und so entwickeln sich ganz gemuetliche Abende.
![]() |
| Mirko, Kay, Sonja, Sabine, Tilo, Vincent, Silvia |
![]() |
| Semmelknoedel (wie auch Quarkzwecken eine Spezialitaet von Robert) |
Die Blogs und Webseiten unserer WG-Freunde:
- Vincent und Kay (D): http://southamericacycling.blogspot.com
- Robert und Sabine (D): https://sites.google.com/site/radundbergwelttour
Auch Silvia und Simon aus der Schweiz haben wir hier wieder getroffen. Das Treffen mit Robert, Sabine, Simon, Silvia, Mirko und Rosina bei Vincent in der WG in Zuerich ist bereits fest abgemacht fuer nachsten Maerz wenn wir alle wieder zurueck in der Schweiz sind.
Sorata
Da wir in Sajama Maenu treffen wollen, muessen wir unsere Abreise so planen, dass wir ungefaehr gleichzeitig an unserem Treffpunkt sind. Wir waren aber zu frueh, sodass wir nun eben mehr als eine Woche in La Paz waren. Aber eben, nach fuenf, sechs Tagen Stadt, hatten wir ein bisschen genug. Und so haben wir beschlossen, dass wir einen Ausflug nach Sorata machen. Laut Reisefuehrer ist Sorata touristisch, allerdings nimmt der Tourismus in den letzten Jahren ab. Wir haben uns auf ein ruhiges Staedtchen gefreut und Martina dachte sich, dass sie da sicher ein paar Gringos treffen wird, die mit ihr etwas wandern gehen (da Roman ja nicht gerne wandert). Schliesslich gilt Sorata als schoenes Wandergebiet. In La Paz stiegen wir dann in ein "Collectivo" (Sammeltaxi) mit 15 Plaetzen. In Bolivien ist es allerdings kein Problem, in so einen kleinen Bus auch noch vier, fuenf Leute mehr reinzupacken. Hinter uns sassen drei Indigena-Frauen mit kleinen Kindern, die Cocoswaffeln gegessen und gequaengelt haben. Als es dann nach dem Pass in rasanter Fahrt die zig Haarnadelkurfen runterging, hatte Martina etwas Muehe, trotz des suesslichen Geschmacks der Cocoswaffeln, kombiniert mit dem Geschmack von vollen Windeln, ihr Essen bei sich zu behalten. Schliesslich hat sie es geschafft. Aber sie waere eine schlechte Rucksacktouristin. Velo ist definitiv besser fuer den Magen als Bus....In Sorata dann eine schoene Ueberraschung: Der ganze Dorfplatz war aufgerissen weil die Wasserleitungen neu verlegt werden. Als Folge hatte es auch im ganzen Dorf seit mehrern Tagen kein Wasser. Vor allem die Toiletten riechen schon besser, wenn man ab und zu spuelen kann. Und eine Dusche haetten wir auch nicht abegelehnt. Und natuerlich weiss man in Bolivien dann auch nie, wie lange sowas dauert. Wir haben trotzdem ein schoenes Hotel gefunden, das von einer ausgewanderten Deutschen gefuehrt wird. Sie war allerdings nicht da und hatte ihrer Angestellten eigentlich die Anweisung gegeben aufgrund der Wassersituation keine Gaeste anzunehmen. Sie hat uns trotzdem herzlich willkommen geheissen ;-)
Einen anderen Gringo zum Wandern hat Martina jedoch nicht gefunden. Soratas Tourismus ist definitiv auf dem absteigenden Ast, wir waren die einzigen Gringos im Dorf. Wir haben einen gemuetlichen Tag verlebt, gingen ein bisschen spazieren und fanden auf der anderen Talseite ein Cafe, das von einem ausgewanderten Basler gefuehrt wird. Wir haben dann den ganzen Nachmittag mit ihm geplaudert und viel Interessantes ueber Sorata und seine Bevoelkerung erfahren. In Sorata leben ca. 6000 Menschen, mehr als die Haelfte davon sind unter 20 Jahre alt. Vor 20 Jahren ist Stefan ausgewandert, hat sich ein Grundstueck gekauft und ein Haus gebaut. Als gelernter Baecker-Konditor hat er dann das Cafe eroeffnet und angefangen, etwas Entwicklungshilfe zu leisten. Zudem hat er ein Patenschafts-System aufgebaut, um den Familien im Dorf zu helfen. Vor allem Touristen, die wie wir in seinem Cafe waren, sind heute Paten von einem bestimmten Kind im Dorf und zahlen jaehrlich 150 Franken ein. Stefan verwaltet dieses Geld und sogar so etwas wie eine private Krankenkasse aufgebaut. So fliesst ein Teil des Geldes des Kindes in einen Fonds, aus dem die Gesundheitskosten fuer Kinder und ihre Muetter bezahlt werden. Denn eine oeffentliche Krankenkasse gibt es nicht in Bolivien.
Nun sind wir zurueck in La Paz und geniessen den letzten Abend mit den anderen Velofahrern. Und morgen muessen wir die ganzen Hoehenmeter nach El Alto wieder hochstrampeln und machen uns dann auf den Weg in Richtung Sajama, wo wir Maenu treffen werden.









